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SRG bleibt hart: Radiostudio muss definitiv nach Zürich umziehen - Enttäuschung in Bern

Die SRG bleibt trotz Widerstand aus Politik und Wirtschaft hart: Der Grossteil der Radio-Informationsabteilung soll von Bern nach Zürich umziehen. Das hat der Verwaltungsrat der SRG entschieden, wie er am Mittwoch mitteilte.
170 Mitarbeitende müssen ihr Büro in Bern räumen. (Bild: Keystone)

170 Mitarbeitende müssen ihr Büro in Bern räumen. (Bild: Keystone)

(sda) 170 Mitarbeitende von «Echo der Zeit», «Rendez-vous» und anderen Infosendungen sind vom Umzug vom Radiostudio Bern ins Fernsehstudio Leutschenbach betroffen. Die Verlegung der Arbeitsplätze solle vorbehältlich des gesetzlich vorgeschriebenen Konsultationsverfahrens ab Ende 2020 stattfinden, schreibt die SRG. Sie betont, dass sie in Bern mit 550 Mitarbeitern präsent bleibe.

Der Verwaltungsrat folgte mit dem Verlagerungsentscheid einem Antrag der SRF-Geschäftsleitung. Mit der Massnahme sollen jährlich fünf Millionen Franken gespart werden - ohne dass Arbeitsplätze abgebaut oder das Programm tangiert würde, betont die SRG. Sie will insgesamt 100 Millionen Franken sparen.

"Der Service public steht im Dienst der Gesellschaft", erklärte SRG-Generaldirektor Gilles Marchand im Communiqué. "Er muss sich ständig neuen Rahmenbedingungen anpassen und gleichzeitig die Entwicklung der Medien antizipieren."

15 Jahre nach der Revolution im Videobereich fänden die nächsten Umwälzungen im Audiobereich statt. Im Dialog mit den Teams sei es wichtig, die Präsenz der Sendungen und Programme auch in den neuen Mediennutzungsformen sicherzustellen. Mit der Reorganisation der Radioredaktionen setze die SRG die Digitalisierung fort.

Die Gewerkschaft will die Rechtmässigkeit des Umzugsentscheids prüfen. Dieser sei gefällt worden, ohne dass dem SSM sein Recht auf Anhörung zugestanden worden sei.

Genossenschaft überlegt Austritt

Der Entscheid des SRG-Verwaltungsrats löste scharfe Kritik aus. Die Zentralisierung stehe einem öffentlich finanzierten und national tätigen Medium "nicht gut an", schrieb die Genossenschaft SRG Bern Freiburg Wallis.

Sie ist Teil der SRG-Familie. Intern werden nun alle möglichen Szenarien diskutiert, bis zu einem Austritt. Der Vorstand werde sich am Donnerstag treffen und über das weitere Vorgehen diskutieren, sagte Präsident Leander Jaggi im Regionaljournal von Radio SRF. Das letzte Wort werden die Genossenschafter haben.

SSM will Rechtsmässigkeit prüfen

Der «Entscheid gegen Bern» dürfte für viele Mitarbeitende ein schwerer Schlag sein und Existenzen gefährden, befürchtet die Genossenschaft. Sie fordert die SRG auf, gegenüber dem Personal Verantwortung zu übernehmen.

Das Schweizer Syndikat Medienschaffender (SSM) will die Rechtmässigkeit des Umzugsentscheids prüfen. Dieser sei gefällt worden, ohne dass dem SSM sein Recht auf Anhörung zugestanden worden sei, schreibt die Gewerkschaft.

«Das zeugt von einem Verwaltungsrat, der seinen Job nicht sonderlich ernst nimmt», twitterte derweil die Gruppe Pro Radiostudio Bern. «Von Anfang an hätte er auf der parallelen Ausarbeitung alternativer Sparvorschläge beharren müssen, um am Schluss eine echte Wahl zu haben.»

Die Gruppe zeigte sich auch enttäuscht darüber, dass weder das SRG-Management noch der Verwaltungsrat auf ihre Gesprächsangebote eingegangen seien. Die Gesprächsverweigerung sei ein Affront gegenüber den Mitarbeitenden, schreibt Pro Radiostudio Bern in einer separaten Stellungnahme.

SRG opfert ein Erfolgsmodell

In Bern reagieren die Behörden enttäuscht auf den Entscheid der SRG. Stadt und Kanton Bern sowie die Hauptstadtregion warnen davor, dass die SRG als öffentliches Medienunternehmen an Rückhalt in der Bevölkerung verlieren werde.

«Wir sind besorgt über die Konzentration der News-Medien in Zürich», heisst es in einer gemeinsamen Medienmitteilung. Die SRG opfere ein Erfolgsmodell.

Für den Berner Stadtpräsidenten Alec von Graffenried, Regierungsrat Christoph Ammann und den Freiburger Stadtammann Thierry Steiert ist das «kompromisslose Vorgehen» des gebührenfinanzierten öffentlichen Medienunternehmens «sachlich falsch und politisch unsensibel», heisst es in der Mitteilung weiter.

«Mit diesem Vorgehen wird sich die SRG mittelfristig schwächen, nicht stärken», wird Ammann zitiert. Die SRG-Spitze stosse nicht nur die Region Bern vor den Kopf, sondern verabschiede sich zunehmend von der Grundidee eines regional verankerten Service public.

«Nach dem erfreulich klaren Nein zur No-Billag-Initiative nimmt die SRG ohne Not einen Vertrauensverlust in Kauf», wird von Graffenried in der Mitteilung zitiert.

Die Behörden seien nicht ernst genommen worden. Im Moment sehe er keine politischen Einflussmöglichkeiten mehr, sagte Ammann. Auch der Berner Stadtpräsident Alec von Graffenried (Grüne Freie Liste) kann den Entscheid nicht nachvollziehen, wie er im Radio sagte.

«Geht gar nicht!» - Politiker reagieren empört auf SRG-Entscheid

(sda) Der Entscheid der SRG, einen Grossteil der Informationsabteilung des Radios von Bern nach Zürich zu verlegen, hat verschiedene Politikerinnen und Politiker zu empörten Reaktionen in den Sozialen Medien veranlasst.

«Geht gar nicht!», twitterte etwa die Grüne Berner Nationalrätin Aline Trede. Grünen-Präsidentin Regula Rytz, auch sie eine Bernerin, doppelte nach: «Die Zentralisierung der SRF-Information in Zürich ist eine Sparübung auf Kosten von Vielfalt und Demokratie.»

SP-Nationalrat Adrian Wüthrich sah die Sache etwas differenzierter: Der SRG Verwaltungsrat habe mit dem Entscheid seine Unabhängigkeit demonstriert, falsch finde er ihn trotzdem.

FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen twitterte: «Service public ist keine Einbahnstrasse nach Zürich.»

«Idée Leutschenbach statt Ideé Suisse», kommentierte die CVP Stadt und Kanton Bern kurz und knapp. «Falsch, unsensibel, apolitisch», befand der Walliser CVP-Staatsrat Christophe Darbellay.

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