Jäger und Fischer bodigen Parkidee

Der Gemeinderat von Cevio im Maggiatal hat sich gegen den Nationalpark ausgesprochen. Das aussichtsreichste Vorhaben für einen zweiten Schweizer Nationalpark steht damit auf der Kippe.

Gerhard Lob
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Malerisches Cevio: Doch ein Nationalpark will man im oberen Maggiatal nicht werden. (Bild: ky/Arno Balzarini)

Malerisches Cevio: Doch ein Nationalpark will man im oberen Maggiatal nicht werden. (Bild: ky/Arno Balzarini)

locarno. Der Entscheid fiel deutlich aus: Mit 18 zu 6 Stimmen stimmte das Gemeindeparlament von Cevio im Maggiatal gegen eine Weiterführung des Nationalparkprojekts im Locarnese. Damit wird es de facto unmöglich, das Gesamtprojekt in seiner bisherigen Form durchzuführen. Denn die Gemeinde Cevio deckt mit 150 Quadratkilometern rund 40 Prozent des angestrebten Nationalpark-Perimeters ab. Insbesondere gehört das malerische Bavonatal zum Territorium von Cevio.

Rustici-Besitzer wehren sich

Dem Votum war in den letzten Wochen eine intensive und teils gehässige Diskussion vorausgegangen, in der Gegner des Projekts keine Gelegenheit ausliessen, gegen den Nationalpark mobil zu machen. Widerstand kam von Ortsbürgern, von Teilen der im Maggiatal starken CVP, von Jägern, Fischern und Rustici-Besitzern. Alle befürchten, dass ein Nationalpark ihre Freiheiten beschneiden könnte.

Insbesondere die angeblich zu restriktiven Auflagen für die Kernzonen eines Nationalparks werden als «Diktat aus Bern» erlebt. Die Aversion gegen Autoritäten ist im oberen Maggiatal besonders ausgeprägt. Einige Gegner zauberten im letzten Moment noch die Version eines Regionalparks aus dem Hut, den sie als Alternative zum Nationalpark priesen.

Die Projektleitung Nationalpark reagierte mit Enttäuschung auf den Entscheid. Umgekehrt verwies man darauf, dass immer noch 10 von ursprünglich 13 Gemeinden aus dem Centovalli, Onsernone- und Maggiatal mit von der Partie seien. Vor Cevio sind bereits Campo Vallemaggia und Cerentino ausgestiegen. «Das Projekt ist nicht gestorben; wir werden mit diesen 10 Gemeinden weitermachen», sagt Samantha Bourgoin, Direktorin des Projekts.

Leuenberger bedauert

Bourgoin versucht seit Jahren, die Bevölkerung für das Projekt zu begeistern. Der Tessiner Nationalpark stellte das landesweit aussichtsreichste und fortgeschrittenste Projekt dar. Umweltminister Moritz Leuenberger bedauert daher den Entscheid. Ein Parklabel sei von grosser Bedeutung für den Tourismus und somit für die Zukunft bestimmter Berggebiete.

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