Investoren beissen nicht an

Fisch ist gefragter denn je. Trotzdem schafft es die industrielle Fischzucht nicht, sich in der Schweiz durchzusetzen. Knackpunkte sind Finanzierung und Fachwissen. Und auch politische Gründe spielen eine Rolle.

Marina Winder
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Die heimische Fischzucht schöpft ihr Potenzial noch nicht aus: Fischzucht–Betrieb Valperca SA in Raron im Wallis. (Bild: ky/Jean-Christophe Bott)

Die heimische Fischzucht schöpft ihr Potenzial noch nicht aus: Fischzucht–Betrieb Valperca SA in Raron im Wallis. (Bild: ky/Jean-Christophe Bott)

Der Fischkonsum in der Schweiz steigt von Jahr zu Jahr. Die aktuellen Fleischskandale dürften ihm noch einmal zusätzlichen Auftrieb verliehen haben. Der weitaus grösste Teil des in der Schweiz angebotenen Fisches stammt aus dem Ausland: 53 000 Tonnen Fischprodukte für 600 Millionen Franken werden jährlich importiert. Die heimische Fischerei und Schweizer Aquakulturen steuern nur 3300 Tonnen bei.

Die bekannte Überfischung der Meere und die ebenfalls bekannten schlechten Zuchtbedingungen schaffen zusätzlich gute Voraussetzungen, um in die einheimische Fisch-Produktion einzusteigen. Einige Unternehmer packten die Chance und lancierten über die ganze Schweiz verteilt diverse Projekte. Der übersättigte Schweinefleischmarkt und die tiefen Schweinefleischpreise machten die Fischzucht vor allem auch für Bauern attraktiv, die sich nach einem alternativen Erwerbszweig umsahen.

Gute Idee, aber …

Es klang nach einer guten Idee. Wie sich nun zeigt, gestaltet sich die Umsetzung jedoch viel schwieriger als angenommen. Für das vor zwei Jahren in Luzern lancierte Projekt «Fisch vom Buur» fällt in diesen Tagen der Investitionsentscheid. Projektleiter Urs Brücker sieht ihm nicht sehr optimistisch entgegen. Die Chancen stünden nicht allzu gut, sagt er. Geplant ist die Produktion von Zander auf mehreren Bauernhöfen in der Zentralschweiz. Erste Marktanalysen hätten eine grosse Nachfrage ergeben. «Sie würden uns den Fisch aus den Händen reissen», sagt Brücker. Je mehr er sich aber mit der Zanderproduktion beschäftigte, desto mehr Probleme zeigten sich: Nur ein Lieferant in Dänemark betreibt die Zanderaufzucht nach den Vorstellungen der Schweizer. «Wir bräuchten von ihm 200 000 kleine Fische im Jahr – das macht uns zu stark abhängig von ihm.» Eine weitere Hürde stellen die Investitionskosten dar. Alleine die Anlage kostet etwa 6 Millionen Franken, hinzu kommen hohe Betriebskosten. «Wenn man die Fischzucht wirtschaftlich betreiben will, kann man nicht klein anfangen – es braucht Hallen von 4000 Quadratmetern Grösse.» Das restriktive Landwirtschaftsgesetz erschwert den Einstieg zusätzlich. «Wir müssten das im Rahmen einer inneren Aufstockung umsetzen», sagt Brücker. Eine Bewilligung für das geplante Pilotprojekt in Dagmersellen hat er aber noch nicht.

Bald Shrimps aus der Schweiz?

Auch das Projekt der vier Solothurner, die Shrimps aus der Schweiz anbieten wollen, ist spruchreif. Doch die grösste Hürde steht ihnen jetzt bevor: Sie müssen Investoren finden. Konkrete Zusagen haben die vier Solothurner noch keine. Auch ein geeigneter Standort ist noch nicht gefunden. Dennoch halten sie an ihrem Plan fest, nächstes Jahr mit dem Bau zu beginnen und im Jahr darauf die erste Ernte einzufahren. In einem ist sich Projektleiter Rafael Waber sicher: «Die Nachfrage nach frischem und nachhaltig produziertem Shrimps aus der Schweiz ist sehr gross.» Konkurrenz bekommen die vier Solothurner nun aus dem Thurgau. Auch in Zuben ist eine Shrimps-Produktion geplant.

Die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) forscht intensiv, wie sich in der Schweiz die Fischproduktion etablieren liesse. Andreas Graber, Projektleiter für Aquakultur, sieht in der heimischen Fischzucht nach wie vor grosses Potenzial. Den Mangel an Fachwissen – Graber bezeichnet die Schweiz in Sachen Fischproduktion als Entwicklungsland – versucht die ZHAW unter anderem mit einem jährlichen Fischforum zu bekämpfen. Ausserdem bietet sie Kurse zur Umschulung von Bauern an. Am Fischforum im Februar referierte Nationalrat Christian Wasserfallen über die Fischzucht im politischen Kontext. Im Zentrum seiner Ausführungen stand die Nutzung des Wassers. Diese Ressource werde in der zukünftigen Energieversorgung eine noch grössere Rolle spielen, gleichzeitig erhalte aber auch der Gewässerschutz mehr Gewicht. In diesem Spannungsfeld Fisch zu produzieren, sei eine grosse Herausforderung, sagte Wasserfallen.

Für Andreas Graber ist das ein Problem, das sich lösen lässt: «Die modernen Kreislaufsysteme brauchen nicht mehr viel Wasser», sagt er. Nur leider seien sie teuer.

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