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INTERVIEW: Schneider-Ammann: «Ich bin ein Bauernfreund»

Bundesrat Johann Schneider-Ammann hat mit seinen Plänen zur Reduktion der Agrarzölle den Zorn der Bauern auf sich gezogen. Gestern verteidigte er sich am Rande der Berliner Landwirtschaftsmesse.
Maja Briner, Berlin
Schneider-Ammann bespricht sich mit dem deutschen Minister Christian Schmidt. (Bild: Clemens Bilan/EPA)

Schneider-Ammann bespricht sich mit dem deutschen Minister Christian Schmidt. (Bild: Clemens Bilan/EPA)

Herr Bundesrat Schneider-Ammann, Sie wurden als Bauern-Feind dargestellt. Fühlen Sie sich noch wohl an einer Landwirtschaftsmesse?
Ich fühle mich sehr wohl. Ich bin ein Bauernfreund, und wenn im Affekt etwas anderes gesagt ­wurde, legen wir das ad acta. Wir wollen uns auf die Zukunft konzentrieren.


Wie wollen Sie den Dialog mit dem Bauernverband wieder in Gang bringen?
Der Bauernverband hat jederzeit die Chance, an den Tisch zu kommen – so, wie man das in einem gut organisierten, demokratischen Land macht. Es gibt jeden Tag Gelegenheit dazu. Aber die Gespräche müssen im Rahmen der Gesamtschau stattfinden und ohne dass vorab Bedingungen diktiert werden.

Sie haben vor einer Woche gesagt, die EU werde in den nächsten Tagen den Freihandelsvertrag mit dem Wirtschaftsbündnis Mercosur unterzeichnen. Bisher geschah dies nicht. Machen Sie da nicht zu viel Panik?
Nein. Gemäss unserem Wissensstand müssen wir davon ausgehen, dass das Handelsabkommen zwischen der EU und Mercosur zustande kommt. Ab dem Tag, an dem es in Kraft tritt, entfallen für EU-Anbieter die Grenzkosten in signifikantem Ausmass. Schweizer Anbieter werden dadurch massiv zurückgeworfen. Daher ist es wichtig, dass wir rasch vergleichbare Bedingungen herstellen, um wieder im Spiel zu sein.

Weit fortgeschritten sind offenbar die Verhandlungen für ein Abkommen mit ­Indonesien. Stimmt das?
Das habe ich auch gelesen, und es hat mich einigermassen erstaunt. Wir sind nicht nah am Abschluss. Es gibt noch viel Arbeit, die erledigt werden muss.

Wegen des Palmöls droht auch von links Widerstand. Wie wollen Sie ein solches Abkommen durchbringen?
Wir müssen wieder in Erinnerung rufen, was die Idee prinzipiell ist: Wir wollen in der Schweiz Wertschöpfung betreiben. Dafür ­brauchen wir Zugang zu inter­nationalen Märkten. Und die Wertschöpfung wollen wir, damit möglichst jeder Bürger in unserem Land einen Job hat. Jene, die sich dagegen stellen, müssen sich die Frage gefallen lassen, wie sie Jobs schaffen wollen.

Schweizer Bauern haben Angst, dass ihr Einkommen sinkt, wenn der Grenzschutz reduziert wird.
Ich verstehe diese Angst und ich nehme sie auch nicht auf die leichte Schulter. Aber mit Angst ist man noch nie wohlbehalten in die Zukunft gegangen. Je früher und ehrlicher wir bereit sind, über die Herausforderungen zu sprechen, umso besser können wir diesen begegnen und Be­dingungen herstellen, mit denen auch die Bauern leben können.

Wo sehen Sie konkret Chancen für die Landwirtschaft durch mehr Freihandel?
Der indonesische Präsident hat mir vor einem Jahr gesagt, dass in seinem Land in den nächsten zehn Jahren in der Mittelschicht 40 Millionen Menschen neu dazu­kommen. Er sagte mir, ich solle das unseren Firmen in der Schweiz ausrichten. Wir haben noch lange nicht ausgereizt, was der Weltmarkt an Qualitätsprodukten absorbieren kann. Durch die Wertschöpfungskette profitieren auch die Landwirte davon.

Gemäss der Gesamtschau zur Agrarpolitik soll die Preis­differenz zum Ausland dank Grenzschutzabbau um 30 bis 50 Prozent sinken. Damit geben Sie für die Verhandlungen ein Pfand aus der Hand.
Dazu muss ich zwei Sachen klarstellen: Es geht nicht um Preise, sondern um Zölle, die gesenkt werden sollen. Zweitens sollen beim Abkommen zwischen EU und Mercosur die Zölle für Industrieprodukte um 7 bis 35 Prozent runtergesetzt werden. Darauf wollen wir hinweisen, weil wir die Ernsthaftigkeit der Situation aufzeigen wollen.

Sie treffen am WEF mehrere Minister wegen des Frei­handels, unter anderen aus Indonesien und Argentinien. Was erhoffen Sie sich davon?
Das sind kurze Treffen, bei denen nicht verhandelt wird. Es geht ums Socializing. Das ist wichtig, denn Verhandlungen sind auch eine Vertrauensangelegenheit.

Mit US-Präsident Trump kommt ein Kritiker des Freihandels ans WEF. Was erwarten Sie von seinem Auftritt?
Ich glaube nicht, dass er kommt, um zu kritisieren. Er dürfte vor allem auch zu seinen eigenen Landsleuten sprechen. Seinen Partnerländern wird er wohl sagen, dass sie sich an den Lasten der Sicherheit in dieser Welt beteiligen müssen.

Falls Sie ihn treffen, was sagen Sie ihm?
Ich werde an das Telefonat anknüpfen, das wir nach seiner Wahl geführt haben. Wir haben damals unter anderem über das Steuersystem und Obamacare gesprochen. Da werde ich ihn ­fragen, ob er nun zufrieden ist.

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