Intersexuelle im Männergefängnis

LAUSANNE. Der Strafvollzug für intersexuelle Personen, die ohne eindeutige Geschlechtsmerkmale auf die Welt kommen, erweist sich als Problem.

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LAUSANNE. Der Strafvollzug für intersexuelle Personen, die ohne eindeutige Geschlechtsmerkmale auf die Welt kommen, erweist sich als Problem. Jetzt hat das Bundesgericht in einem Fall aus dem Kanton Luzern entschieden, dass ein Hermaphrodit seine Strafe in einem Gefängnis absitzen muss, wo mehrheitlich Männer einsitzen.

Im März 2009 war ein heute 31jähriger Intersexueller vom Luzerner Kriminalgericht unter anderem wegen schwerer Drogendelikte zu einer Freiheitsstrafe von 21 Monaten verurteilt worden. Das Gericht schob die Strafe zugunsten einer therapeutischen Behandlung auf. Weil sich der Hermaphrodit aber weigerte, die Therapietermine wahrzunehmen, ordnete das Kriminalgericht den Vollzug der Freiheitsstrafe im Gefängnis Grosshof in Kriens an. Der Intersexuelle weigerte sich, die Gefängnisstrafe anzutreten. Er begründete dies damit, dass ihm die letzte geschlechtsangleichende Operation bevorstehe, der Aufbau eines Penis.

Eine anstehende Operation kann einen Strafaufschub zwar rechtfertigen. Doch darum geht es in diesem Fall auch nach Meinung des Bundesgerichts nicht, mache der Intersexuelle doch schon seit Jahren geltend, die letzte geschlechtsangleichende Operation vornehmen zu wollen. Für das Gericht ist aber auch klar, dass das Gefängnis Grosshof die nötigen Vorkehrungen trifft, um den Intersexuellen während des Strafvollzugs in seiner psychischen und physischen Integrität zu schützen. (upi)

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