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Internes Video: Neue SRG-Chefs planen Internet-Offensive

Eine Internet-Offensive, höhere Anforderungen ans Personal und eine Mediengebühr: Jetzt macht eine von den Kameras aufgezeichnete Mitarbeiterveranstaltung klar, wohin die Reise mit der neuen Führung bei SRG und SRF geht.

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Eine Internet-Offensive, höhere Anforderungen ans Personal und eine Mediengebühr: Jetzt macht eine von den Kameras aufgezeichnete Mitarbeiterveranstaltung klar, wohin die Reise mit der neuen Führung bei SRG und SRF geht.

Der Zeitung «Der Sonntag» liegt ein Video vor, das einen Auftritt von SRG-Generaldirektor Roger de Weck und SRF-Direktor Rudolf Matter am vergangenen Montag im Sportstudio im Leutschenbach festhält.

Das Video zum Anlass - moderiert von Radiofrau Susanne Brunner und Sportmoderator Rainer-Maria Salzgeber - findet sich auf dem Intranet des zusammengelegten Schweizer Radio und Fernsehen (SRF). Matter vermittelt darin deutlich, was er künftig von seinen Mitarbeitern erwartet: «Die Anforderungen werden grösser. Wir stehen ja auch dazu, dass wir künftig multimedial sehr viel stärker präsent sein wollen im Internet.(...) Aber die Leistungserwartung ist da - das stimmt -, dass die Redaktionen künftig in der Lage sein müssen, mehr zu machen für die Vermittlung und zur Verfügungstellung von Programmen im Internet.» Kurzum: Es gibt mehr Arbeit für die Radio- und TV-Macher - und es ist eine weitere Kampfansage an die Verleger.

Diese beobachten die Ausbaupläne für das Internetangebot mit Argusaugen. Doch Matter zeigte sich davon unbeindruckt: «Wir verlieren bei den alten Programmen auf hohem Niveau ein bisschen Reichweite - bei SF 1, bei DRS 1. Aber insgesamt stehen wir gut da. Deswegen sind die Verleger auch sehr, äh, ziemlich stark in ihrer Anti-SRG-Rhetorik, weil wir die bessere Ausgangsposition haben.»

Matters Vorgesetzter de Weck schwörte die Programmschaffenden derweil gegen die angebliche «Anti-SRG-Rhetorik» ein: «Wenn wir zusammen stehen und wissen, was wir wollen und wieder finanziellen Handlungsspielraum haben, bin ich für die SRG sehr zuversichtlich. Dann werden auch die politischen und medialen Anfechtungen gegen unser Haus nach und nach abnehmen.»

Auf die Frage, ob für das Internetangebot denn Gebühren erhoben werden sollen, antwortete de Weck: «(,,,) Das breite Publikum wäre sicher nicht bereit, eine Gebühr für ein Internetangebot zu zahlen. (...) Es hat im Parlament eine Diskussion begonnen über eine Mediengebühr statt eine Radio- und Fernsehgebühr. Das geht in die richtige Richtung.»

Weiter gesteht Matter ein, dass ein im Support-Bereich gestartetes Effizenz-Projekt «vielleicht nicht ganz so effizient wie es der Name versprochen hat».

Einen Frontalangriff startete das Duo de Weck/Matter auf den ehemaligen SP-Präsidenten Helmut Hubacher. De Weck: «Was mich richtig schockiert hat, war vor ein paar Wochen in der Basler Zeitung eine Kolumne von Helmut Hubacher. Er hat letztlich gesagt (...), die SRG müsse nur eine Infrastruktur für Politikerinnnen und Politiker zur Verfügung stellen. (...) Wir pochen auf unsere Unabhängigkeit.»

Matter legte nach: «Ich war genau so schockiert wie Roger von einem Poltiker, von dem ich früher mal viel gehalten habe, über seine Vorstellung, wie Journalismus funktioniert. Wir sind hier nicht in Ungarn.»