Internationale Seite der SVP

Die Auslandschweizer werden für die Parteien immer wichtiger. Die SVP gründet sogar eigene Sektionen im Ausland. Die parteipolitische Konkurrenz hält davon wenig.

Léa Wertheimer
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Amélie Tissot, Präsidentin der SVP Elfenbeinküste. (Bild: red.)

Amélie Tissot, Präsidentin der SVP Elfenbeinküste. (Bild: red.)

«Ich bin ein Ausländer-Fan», sagt Johann Dähler, seines Zeichens Gründer zweier SVP-Sektionen – eine ungewöhnliche Aussage. Ebenso exotisch sind die Orte, in welchen Dähler die Ableger seiner Partei ins Leben rief: die Elfenbeinküste und Costa Rica. Damit nicht genug. Die Sektion der Elfenbeinküste präsidiert Amélie Tissot, eine Frau afrikanischer Herkunft. All das wirkt paradox. Ausgerechnet jene Partei, die sich sonst so gar nicht mit Fremdem anfreunden mag, findet Zulauf bei Schweizern im Ausland.

«Beschämend für Afrika»

Für Tissot scheint das nichts Aussergewöhnliches zu sein. Sie hat 15 Jahre in der Schweiz gelebt, hier gar ein Restaurant betrieben. «Ich habe erlebt, wie viel Schaden uns unsere schlecht oder nicht integrierten Brüder zufügen können», schreibt sie auf Anfrage. Deswegen möchte sie gegen diese lasche Asyl-Praxis der Schweiz angehen. «Es gibt Schweizer, die sich weigern, kriminelle Ausländer auszuschaffen», moniert Tissot. Diese Delinquenten seien beschämend für Afrika. Gegen die allzu grosszügige Praxis in der Schweiz wolle sie sich als Mitglied der SVP einsetzen. Klare Worte einer Frau, die heute mit ihrem Mann, einem Schweizer, in der Elfenbeinküste lebt.

Der «Ananaskönig» kritisiert

Ins gleiche Horn stösst der Gründer dieser Auslandsektionen. Wenn ein Schweizer sich in der Elfenbeinküste danebenbenehme, die Ivorer etwa als «Neger» betitle, werde mit ihm kurzer Prozess gemacht. «Er wird des Landes verwiesen. Warum schaffen wir das nicht?», fragt sich Johann Dähler, der in der Schweiz auch als Ananaskönig bekannt ist.

Während andere Parteien in ihrem Programm die Integration von Ausländern in der Schweiz aufgenommen haben, steht Johann Dähler mit seinem Enthusiasmus für das Fremde quer unter der SVP-Sonne. «Es ist nicht paradox, dass ich mich ausgerechnet der SVP anschliesse», wehrt sich der 59-Jährige. So könne er dafür sorgen, dass die «guten» Ausländer in der Schweiz ihre Chance erhalten und nicht alle in den gleichen Topf geworfen würden. Er gibt postwendend auch zu, dass dies gerade an den Stammtischen der SVP immer wieder passiere. Dähler spart denn auch nicht mit Kritik an der Mutterpartei. «Die SVP ist selber schuld, dass sie keinen zweiten Bundesrat hat», sagt er etwa.

«Eher wie ein Club»

Die SVP ist die einzige Partei, die mit Auslandsektionen aufwarten kann (Kasten). «Die Sektionen sind nicht so gross», räumt Dähler ein. In der Elfenbeinküste zähle die Gruppe etwa 20, in Costa Rica 12 Mitglieder. «Ich sehe die Sektion eher wie einen Club, der Netzwerke ermöglicht.»