«Innerrhödler gehen nicht so schnell zum Arzt»

In den Ostschweizer Kantonen steigen die Prämien überdurchschnittlich – dennoch zahlen die Versicherten im schweizerischen Vergleich wenig.

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«Innerrhödler profitieren von guter Luft und attraktiven Lebensbedingungen», sagt Martin Würmli, Sekretär des Gesundheits- und Sozialdepartements Appenzell Innerrhoden. «Sie sind gesünder und gehen nicht so schnell zum Arzt wie andere.» Bewohnerinnen und Bewohner des Kantons bezahlen daher ab 2013 im Schweizer Durchschnitt mit 299 Franken am wenigsten für ihre Krankenkassenprämie – dies trotz der überdurchschnittlichen Erhöhung um 2,3 Prozent.

«Unsere Kostenstruktur hätte keine Prämienerhöhung gerechtfertigt», sagt Würmli. Auch in der neuen Spitalfinanzierung sieht er keinen wesentlichen Grund für den Anstieg. Bis spätestens 2017 muss der Kantonsanteil bei den Spitalkosten 55 Prozent betragen. Der Kanton Appenzell Innerrhoden belässt den Anteil im kommenden Jahr bei 49 Prozent. Würmli nimmt daher an, dass die Ursache für die Erhöhung in der Reservenpolitik der Krankenversicherer zu finden ist. «Ein Grossteil der Innerrhoder sind aus historischen Gründen bei der Swica versichert. Ausgerechnet diese hat angekündigt, die Prämie für Erwachsene bei einer Franchise von 300 Franken um 5,2 Prozent zu erhöhen.»

Stärkster Anstieg in Ausserrhoden

Ausserrhoderinnen und Ausserrhoder bezahlen 2013 für ihre Krankenkasse durchschnittlich 321 Franken. Damit liegen sie zwar weit unter dem Schweizer Mittelwert von 388 Franken, müssen aber mit 4,4 Prozent die stärkste Erhöhung verkraften. Matthias Weishaupt, Vorsteher des Ausserrhoder Gesundheitsdepartements, ist über die «auffällige» Erhöhung «schon etwas erstaunt». Ob der gleichbleibende Kostenanteil an der Spitalfinanzierung von 47 Prozent die Prämien beeinflusst habe, müsse erst überprüft werden. Das Gesundheitsverhalten der Bevölkerung jedenfalls habe sich nicht in diesem Ausmass verändert. Viel eher sieht er den Grund für den Anstieg in der Reservenpolitik der Versicherer.

St. Gallen und Thurgau gleichauf

Die Reservensituation des Kantons St. Gallen war laut Gesundheitsdirektorin Heidi Hanselmann in den vergangenen Jahren sehr schlecht. Sie habe daher mit einer stärkeren Erhöhung der Krankenkassenprämien gerechnet. Mit 1,8 Prozent liege sie nun aber nur knapp über dem Durchschnitt von 1, 5 Prozent. Dies weise darauf hin, dass die Anstrengungen, das Kostenwachstum einzudämmen, greifen würden. Zudem wirke sich die Anhebung des Kantonsanteils bei der Spitalfinanzierung von 50 Prozent auf 52 Prozent positiv auf die Prämien aus. «Die Krankenkassenprämien im Kanton St. Gallen bewegen sich mit 350 Franken klar unter dem schweizerischen Durchschnitt.» Hanselmann rechnet damit, dass sich die Tendenz des moderaten Anstiegs auch 2014 fortsetzen wird. Als Unsicherheitsfaktoren benennt sie die Tarife in der neuen Spitalfinanzierung. Zudem sei unklar, ob den Kantonen «endlich wieder» ein Instrument zur Regulierung der Spezialpraxen zur Hand gegeben werde.

Im Kanton Thurgau werden die Prämien durchschnittlich um 1,7 Prozent erhöht. Damit liegt der Kanton auch 2013 praktisch gleichauf mit St. Gallen. Gesundheitschef Bernhard Koch ist aber enttäuscht: «Ich habe eine Nullrunde erwartet.» Die Versicherer hätten im Thurgau 70 Millionen Reservenüberschuss. «Wir haben interveniert, als wir von den Erhöhungen erfahren haben. Doch das nützt selten etwas.» Das Bundesamt für Gesundheit habe argumentiert, dass wegen der neuen Spitalfinanzierung erst noch zugewartet werden müsse mit Prämiensenkungen.» Jeanette Herzog