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INDUSTRIE: Schicksalstage für Schweizer Angestellte

Während das Management und die Mitarbeiter des Siemens-Konzerns bei der Restrukturierung der Kraftwerksparte einen ersten Kompromiss erreichen, dürften bei GE nächste Woche die ersten Würfel fallen.
Daniel Zulauf
Die Angestellten von GE Schweiz hoffen noch immer, dass nicht sie es sind, die in die Röhre gucken. (Bild: Gaëtan Bally/Keystone (22. August 2012))

Die Angestellten von GE Schweiz hoffen noch immer, dass nicht sie es sind, die in die Röhre gucken. (Bild: Gaëtan Bally/Keystone (22. August 2012))

Daniel Zulauf

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier:<strong><em>www.tagblatt.ch/epaper</em></strong>

«Es gibt keinen Grund, neidisch zu werden», sagt Thomas Bauer, der oberste Schweizer Personalverteter von General Electric (GE), angesprochen auf den jüngsten Zwischenerfolg der deutschen Kollegen in der Kraftwerksparte von Siemens.

Der Münchner Konzern ­hatte im November den Abbau von 6900 Stellen im Turbinen- und Generatorengeschäft angekündigt, die Hälfte davon in Deutschland. Diese Woche einigten sich die von der IG Metall unterstützen Angestellten auf ein Rahmenabkommen, unter dem die Verhandlungen über den Personalabbau in den nächsten ­Monaten stattfinden sollen. Demnach will die Unternehmensleitung auf die ursprünglich angekündigte Schliessung von Standorten verzichten.

Aus dem Standort Görlitz, den das Management noch im November ganz aufgeben wollte, soll nun das neue Zentrum für den Dampfturbinenbau entstehen. Die Generatorenproduktion in Erfurt hätte nach den ersten Plänen der Siemens-Leitung verkauft werden sollen. Jetzt liegt die erste Priorität bei der Restrukturierung. Die Siemens-Angestellten räumen zwar ein, dass es eine Notwendigkeit zur Restrukturierung des Kraftwerkgeschäftes gibt. Doch hinter dem Beharren auf der Weiterführung der Produktionsstandorte steht deren Überzeugung, dass sich diese ­Geschäfte nie mehr zurückholen lassen, wenn sie einmal aus Deutschland verschwunden sind.

«Ich bin froh für unsere deutschen Kollegen, dass sie im Kampf um die Zukunft ihrer Arbeitsplätze ein erstes Zwischenziel erreichen konnten», sagt GE-Personalvertreter Bauer. «Für uns sind die Verhandlungen bei Siemens ganz klar ein Anreiz, unseren eigenen Kampf mit dem GE-Management fortzusetzen», gibt sich Bauer selbstbewusst.

Ab Montag könnten in einem der grössten Personalentscheide des einstigen amerikanischen Vorzeigekonzerns in der Schweiz die ersten Würfel fallen. Dann trifft sich der europäische Betriebsrat während dreier Tage, um über die Restrukturierungspläne des US-Konzerns in der Kraftwerkssparte zu befinden. Im November hatte GE den Abbau von weltweit 12000 Stellen angekündigt. Davon sollen 4500 in Europa beziehungsweise 1400 in der Schweiz erfolgen. Ein derart radikaler Abbau wäre eine «Katastrophe», sagt Bauer – insbesondere auch für die Schweiz. Hier hatte GE schon vor gut zwei Jahren 900 Arbeitsplätze gestrichen.

Mit politischer und gewerkschaftlicher Unterstützung gelang es den Personalvertretern, den anfänglich geplanten Abbau von 1300 Stellen um ein knappes Drittel einzudämmen. Doch mittlerweile beschäftige GE in der Schweiz nur noch rund 4500 Personen, und ein weiterer Kahlschlag im geplanten Ausmass würde die Zukunft des Standortes Schweiz grundsätzlich in Frage stellen, ist Bauer überzeugt.

Alleine in Baden stehen 1100 Stellen auf dem Spiel

Deshalb müsse in den Verhandlungen mit dem Management dieses Mal deutlich mehr herauskommen als damals vor zwei Jahren. Allein in Baden, wo die Ingenieure und die Planer sitzen, will GE nach den bisher bekannten Plänen 1100 Stellen streichen. In der Schalteranlagenproduktion in Oberentfelden ist der Abbau von 50 Stellen geplant, und im Gasturbinenbau in Birr sollen 250 Stellen fallen. Für Bauer ist klar: Wenn diese Vorhaben so umgesetzt werden, fällt das Kraftwerksgeschäft von GE in der Schweiz unter die kritische Grösse. Dann sei es nur noch eine Frage der Zeit, bis die endgültige Schliessung komme.

Bauer gibt sich kämpferisch: «Wir haben dem Management unsere Vorschläge im europäischen Prozess unterbreitet und werden ab Montag im europäischen Betriebsrat über deren Antworten befinden», sagt er, ohne Einzelheiten zu enthüllen. Entlocken lässt sich Bauer immerhin so viel: «Wir haben positive ­Signale empfangen.»

Auch für die Schweizer Kraftwerkbauer ist indessen klar, dass sie in Zukunft kleinere Brötchen backen müssen. Die weltweite Produktion von Gasturbinen ist nach Branchenschätzungen auf jährlich 400 Einheiten ausgelegt. Nachgefragt werden derzeit aber lediglich rund 100 Einheiten im Jahr. Bei Siemens ist das Ergebnis der Kraftwerkssparte im vergangenen Quartal um 74 Prozent eingebrochen. Bei GE ging das Quartalsergebnis in der Power-Sparte um 38 Prozent zurück.

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