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In den Kantonen tobt der Kampf um die Ständeratssitze

Werner Salzmann misst sich in Bern mit seiner eigenen Chefin, Roger Köppel kämpft sich durch Zürich, Paul Rechsteiner hofft auf die Wiederwahl in St. Gallen: ein Blick auf heisse Ständerats-Rennen in den Kantonen.
Henry Habegger, Dominic Wirth
Roger Köppel besucht im Wahlkampf alle Schweizer Gemeinden. (KEY/Urs Flueeler)

Roger Köppel besucht im Wahlkampf alle Schweizer Gemeinden. (KEY/Urs Flueeler)

Nicht nur die Nationalratswahlen versprechen viel Spannung, auch die Ausmarchungen um den Ständerat haben es in sich. Im Kanton Bern etwa zeichnet sich ein Kampf der Titanen ab, und entschieden ist noch nichts.

Zwar gibt es zwei Favoriten für die beiden Sitze. Da ist der bisherige SP-Ständerat Hans Stöckli, der auch nach 15 Jahren noch nicht genug hat von der Politik. Der andere Bisherige, Werner Luginbühl von der BDP, tritt nicht mehr an. Als seine wahrscheinlichste Nachfolgerin gilt seine Parteikollegin Beatrice Simon, die heute als Finanzdirektorin des Kantons Bern amtet und bei den letzten Regierungswahlen Spitzenresultate erzielte.

In Bern tritt SVP-Mann Salzmann gegen seine Chefin an

Werner Salzmann. (KEY/Peter Klaunzer)

Werner Salzmann. (KEY/Peter Klaunzer)

Sie bekommt es aber mit einem Schwergewicht aus der SVP zu tun: Werner Salzmann, Präsident der bernischen SVP und Präsident der nationalrätlichen Sicherheitskommission. Die Konstellation Simon – Salzmann ist pikant: Beruflich arbeitet Agronom Salzmann als Steuerexperte für Landwirtschaft bei der Berner Finanzdirektion. Er tritt also gegen seine Chefin Beatrice Simon an.

An die grosse Glocke hängt der SVP-Mann seinen Arbeitgeber nicht gerade: «Chefexperte Landwirtschaft SV Kanton Bern» gibt er auf einem Flyer als Beruf an. «Chefexperte Landwirtschaft» steht in einer Broschüre des Handels- und Industrievereins Kanton Bern. Für den Nationalrat ist die etwas spezielle Konstellation mit seiner BDP-Chefin allerdings unproblematisch, wie er auf Anfrage angibt: «Das ist und war nie ein Problem oder Gegenstand einer Diskussion. Arbeit und Politik sind und werden getrennt», sagt er.

Beatrice Simon. (Bild: KEY)

Beatrice Simon. (Bild: KEY)

Beatrice Simon reagierte nicht auf die Frage, ob es nicht ein seltsames Gefühl sei, gegen ihren Untergebenen anzutreten. Sie hat im Übrigen bereits angekündigt, als Regierungsrätin zurückzutreten, falls sie ins Bundesparlament gewählt wird. Ihre BDP würde in diesem Fall Gefahr laufen, ihren einzigen Berner Regierungssitz zu verlieren. Für SVP-Mann Salzmann dürfte es schwierig werden. Er ist zwar Mitglied der grössten Partei, dürfte aber ausserhalb seiner Partei nicht viele Stimmen machen. Im Rennen ist mit der FDP-Nationalrätin Christa Markwalder eine weitere national bekannte Grösse. Sie rechnet sich je nach Konstellation im unvermeidlichen zweiten Wahlgang ebenfalls Chancen aus.

Eine Überraschung zuzutrauen ist Regula Rytz, der Präsidentin der Schweizer Grünen, die im Team mit Stöckli antritt – unter dem Motto «Miteinander für den Kanton Bern». Die beiden haben ausgemacht, dass nur der oder die Besserplatzierte in den zweiten Wahlgang steigt, um den «linken» Berner Ständeratssitz nicht zu gefährden.

Köppels Ochsentour durch den Kanton Zürich

Tiana Angelina Moser. (Bild: PD)

Tiana Angelina Moser. (Bild: PD)

Hart umkämpft sind auch die beiden Ständeratssitze in Zürich. Die beiden Bisherigen, FDP-Mann Ruedi Noser und Daniel Jositsch von der SP, treten wieder an. Mit Marionna Schlatter (Grüne) und Tiana Angelina Moser, der GLP-Fraktionschefin im Bundeshaus, wollen ihnen zwei Frauen den Sitz im Stöckli abspenstig machen. Als Vertreterinnen von Parteien, die seit je auf das Thema Umwelt setzen, hoffen sowohl Schlatter als auch Moser auf Rückenwind aus der Klimadebatte.

Und dann ist da noch Roger Köppel, der Kandidat der SVP. Der macht einen Wahlkampf, wie ihn die Schweiz noch selten gesehen hat. Bis zum 20. Oktober, dem Tag der Wahl, will er allen 162 Zürcher Gemeinden einen Besuch abstatten. Er schimpft dabei gerne über die EU, die «rot-grüne Klimadiktatur» und die Masseneinwanderung.

Daniel Jositsch. (KEY/Peter Klaunzer)

Daniel Jositsch. (KEY/Peter Klaunzer)

Daneben schiesst er nach Herzenslust gegen Noser und Jositsch. Etwa letzte Woche, als Köppel in Zürich zu einer Pressekonferenz lud – und eine «persönliche Erklärung» ankündigte. In Tat und Wahrheit zog er dann über die «Pöstli-Jägerei» der Konkurrenten her. So wie er das auch in einem ganzseitigen Inserat tat, das letzte Woche in Tamedia-Zeitungen veröffentlicht wurde. Die Überschrift: «Ständerat als Geldmaschine?». Die Botschaft: Noser und Jositsch sind von Unternehmen gekaufte Politiker. Die NZZ lehnte eine Publikation ab – mit der Begründung, man diene nicht als Plattform für Inserate, die Bashing betrieben.

Ruedi Noser. (KEY/Anthony Anex)

Ruedi Noser. (KEY/Anthony Anex)

Die Provokationen Köppels scheinen bisher allerdings nicht zu verfangen. Laut einer Umfrage des «Tages-Anzeiger» liegen die beiden Bisherigen deutlich in Front, wobei Jositsch die Nase vorne hat. Im zweiten Wahlgang dürfte dann auch Noser gewählt werden.

Hochkarätige Bewerber im Aargau und in St. Gallen

Cedric Wermuth. (KEY/Peter Klaunzer)

Cedric Wermuth. (KEY/Peter Klaunzer)

Spannung verspricht daneben etwa das St. Galler Ständeratsrennen, wo SP-Urgestein Paul Rechsteiner und Benedikt Würth (CVP) gegen Roland Rino Büchel (SVP) und Marcel Dobler (FDP) um ihre Wiederwahl kämpfen müssen. In Luzern will Andrea Gmür-Schönenberger den CVP-Sitz von Konrad Graber gegen Franz Grüter von der SVP verteidigen; Damian Müller (FDP) tritt wieder an. Gleich beide Ständeratssitze werden nach den Rücktritten von Pascale Bruderer (SP) und Philipp Müller (FDP) im Aargau frei. Dort haben laut einer Umfrage dieser Zeitung Thierry Burkart (FDP) und Hansjörg Knecht (SVP) die Nase vorne. Dahinter folgt SP-Kandidat Cédric Wermuth.

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