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Politiker sauer: Fifa-Boss Infantino soll endlich die Milliarden-Abzocke der Spielerberater stoppen

Die Fifa unternahm bisher wenig gegen illegale Milliarden-Abzocke durch Spielerberater im Fussball. Das wollen Politiker von links und rechts jetzt ändern
Henry Habegger
Gianni Infantino nach seiner Wiederwahl als Fifa-Präsident im vergangenen Juni. (Bild: EPA/CHRISTOPHE PETIT TESSON)

Gianni Infantino nach seiner Wiederwahl als Fifa-Präsident im vergangenen Juni. (Bild: EPA/CHRISTOPHE PETIT TESSON)

Es ist ein Appell an den Fussball-Weltverband Fifa und seinen geschmeidigen Präsidenten, den Schweizer Gianni Infantino. «Ich erwarte von der Fifa, dass diese Missstände benannt werden. Wenn die Justiz eingeschaltet werden muss, so ist dies zu tun. Das ist der Fussball-Weltverband dem Sport schuldig.» Das sagt Roland Rino Büchel, Nationalrat der SVP und selbst einst Mitarbeiter der Fifa.

Büchel spricht das weltweite Milliarden-Geschäft mit den Spieler-Transfers im Fussball an. Spielerberater und Vermittler, oft im Verbund mit Klubverantwortlichen, kassieren schamlos ab. Auf dem Buckel der grossen Mehrheit der Spieler, der Klubs und der zahlenden Fans.

Studie: «Absprachen führen zu korrupten Praktiken»

Sauber ist dieses Business häufig nicht. «Die weit verbreiteten Absprachen zwischen Klubverantwortlichen und Agenten oder Vermittlern führen zu korrupten Praktiken, bei welchen die involvierten Akteure Klubgelder für ihren persönlichen Gewinn missbrauchen». Dieser Satz steht in einer Geheimstudie, die ein spezialisiertes Institut aus Neuenburg im Auftrag des europäischen Fussballverbands Uefa ausarbeitete.

Gegen 5 Milliarden Euro verschwanden laut der Studie in den Jahren 2014 bis 2017 weltweit in den Taschen der Berater - Tendenz steigend. Wäre alles mit rechten Dingen, mit korrekten Honoraren und Provisionen also, vonstatten gegangen, hätten die Berater 3 Milliarden weniger verdient. Diese Zahl berechnete die Freiburger Agentur Sport 7.

Büchel: «Fifa ist das Opfer von Spielerberatern»

Umstrittene Figuren wie der Italo-Holländer Mino Raiola oder der Portugiese Jorge Mendes beherrschen einen Grossteil des internationalen Marktes. Vermittler wie der Israeli Pini Zahavi mischen auch bei Klubverkäufen mit. Das wissen auch Schweizer Berater, die kleinere Brötchen backen. «Bei grossen Beratern mit Topspielern kommt es vor, dass diese Millionen verdienen, um den Spieler zu einem Verein zu bringen, siehe Raiola, Mendes, Zahavi», sagt Zoran Rasic von der Luzerner Go 4 Sports AG.

Handeln müsste allen voran die Fifa. Sie müsste die Abzocker-Agenten und ihre Helfer durch strengere Reglemente aus dem Verkehr ziehen. Die Fifa plant zwar eine «Reform des Transfersystems», wie sie angibt. Aber bisher zeigte sich der Fussballverband nicht imstande oder willens, entschlossen durchzugreifen. Zu stark verbandelt sind die Abkassierer auch innerhalb der Fifa.

Auch die Schweizer Bundesanwaltschaft erklärte sich für nicht zuständig, gegen illegale Praktiken vorzugehen. Obwohl die Fifa ihren Sitz in der Schweiz hat.

Wermuth: «Politik schaut bewusst weg»

SVP-Nationalrat Büchel sagt: «Die Fifa ist hier mitunter das Opfer einiger Kreise wie Spielerberater, die sich an der Grenze der Legalität bewegen und sich schamlos bereichern.» Aber die Fifa müsse durchgreifen, und dabei sichert ihr Büchel die Schützenhilfe der Politik zu: «Präsident Infantino kann auf meine Unterstützung und diejenige der eidgenössischen Politik zählen. Das hat sich auch bei der Bekämpfung der Spielmanipulation gezeigt.»

Eine härtere Gangart einlegen will SP-Nationalrat Cédric Wermuth (AG). Er beisst seit Jahren mit seinem Versuch auf Granit, Sportverbände wie die Fifa stärker zu regulieren und wie normale Wirtschaftsunternehmen zu besteuern. Angesichts der laut Uefa-Studie kriminellen Machenschaften sagt Wermuth jetzt: «Wir werden den ganzen Komplex wieder aufnehmen müssen. Die Fifa wird von der Politik als Blackbox behandelt, man schaut bewusst weg. Im Wissen, dass wir Dutzende solcher Organisationen anschauen müssten, wenn wir einmal hinschauen werden.» Für Wermuth ist «die Haltung der Schweizer Politik ein Skandal, die Bundesanwaltschaft handelt im gleichen Geiste. Offenbar sind schwerreiche Sportfunktionäre in der Schweiz unberührbar.»

Infantino weibelt bei Cassis für Vergünstigungen

Mit seinen klandestinen Treffen mit Bundesanwalt Michael Lauber hat sich der Fifa-Boss in der Politik zwar kaum Freunde geschaffen. Aber die Fifa geniesst, trotz Skandalen wie Korruption bei WM-Vergaben, viel Goodwill. Derzeit laufen sogar Gespräche mit dem Aussendepartement: Die Fifa möchte den Status einer Internationalen Nichtregierungsorganisation (INGO). Den Status, den etwa das IKRK oder die WHO geniessen. Ein Treffen mit Infantino fand bereits Ende 2017 im Büro von Aussenministers Ignazio Cassis statt, wie das Westschweizer Fernsehens berichtete. Dank dem Status hofft die Fifa laut eigenen Angaben, mehr ausländische Arbeitskräfte anstellen zu können.

Der Status wäre aber auch Basis für Steuerbefreiung. Und genau darauf, glauben Kritiker, haben Infantino und die Fifa es abgesehen.

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