Hürden für Zivis könnten sich erübrigen

Zur Sache

Tobias Bär
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Der Zivildienst boomt: 2016 wurden fast vier Mal so viele junge Männer zugelassen wie unmittelbar vor der Abschaffung der Gewissensprüfung 2009. Zu spüren bekommt dies die Armee. Sie braucht jedes Jahr 18000 ausgebildete Rekruten. Diese Zahl wurde zuletzt nicht immer erreicht.

Armeechef Philippe Rebord nutzt denn auch jede Gelegenheit, um gegen den «zu attraktiven» Zivildienst zu schiessen. Und tatsächlich kann man darüber diskutieren, ob die Hürden erhöht werden sollen, wie dies der Bundesrat nun vorschlägt. Störend ist allerdings, dass die Regierung nur jene ins Visier nimmt, die aus dem Militär in den Zivildienst «abschleichen». Für jene, welche sich von Beginn weg für den Zivildienst entscheiden, soll sich nichts ändern. Anzumerken ist zudem dies: Im laufenden Jahr war die Armee mit rund 18200 ausgebildeten Rekruten durchaus in der Lage, ihren Bestand zu sichern.

Und: Wenn wie im vergangenen Jahr 3300 Armeeangehörige in den Zivildienst wechseln, dann ist dies nicht nur ein Zeichen für die Attra­ktivität des Ersatzdienstes – sondern auch für die Unattraktivität der Armee. Deren Spitze hat inzwischen reagiert. Die Rekruten sollen nicht mehr gleich zum Ausbildungsstart an ihre Grenzen gebracht werden. Bis die Vorlage mit den höheren Hürden für den Zivildienst vorliegt, sollte klar sein, ob die Anstrengungen der Armee Früchte tragen. Tun sie dies, kann die bürgerliche Mehrheit im Parlament getrost auf Verschärfungen verzichten. Andernfalls müsste sie sich den Vorwurf gefallen lassen, dass es ihr nicht primär um die Sicherung des Armeebestandes geht. Sondern dass sie den zivilen Ersatzdienst aus rein ideologischen Gründen schwächen will. Seite 5