Hochschulen gewinnen, Betriebe verlieren

Im Dezember soll das Teilabkommen zu Horizon 2020 in Kraft treten. Für Forschende besonders interessant sind die Ausschreibungen des Forschungsrates. Die Leidtragenden der Übereinkunft zwischen der EU und der Schweiz sind die KMU.

Jonas Schmid
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BRÜSSEL. Läuft alles nach Plan, wird Bundesrat Johann Schneider-Ammann seine Unterschrift am 5. Dezember in Brüssel unter das Teilassoziierungsabkommen zu Horizon 2020 setzen. Das Abkommen erlaubt es Schweizer Forschenden, bis Ende 2016 wenigstens teilweise am EU-Forschungsprogramm Horizon 2020 mitzuwirken. Konkret konnte die Teilnahme bei der universitären Spitzenforschung gesichert werden, dem ersten Pfeiler von Horizon 2020.

Erfolgreiche Schweizer ETH

Für Forschende besonders interessant sind in diesem Bereich die Ausschreibungen des Europäischen Forschungsrates. Dieser gilt in Forscherkreisen als «Champions League», denn er vergibt Förderbeiträge, sogenannte ERC-Grants, an die fähigsten und kreativsten Köpfe aus der Forschungsszene. Bei den ERC-Grants ist der ETH-Bereich äusserst erfolgreich: letztes Jahr gewann die ETH Zürich europaweit am drittmeisten, die EPFL Lausanne am viertmeisten ERC-Grants. Einzig die Universitäten von Cambridge und Oxford waren erfolgreicher. Bewerben können sich Forschende seit September auch für die Technologieforschung «Zukünftig entstehende Technologien», bei dem etwa das Human Brain Project der ETH Lausanne angesiedelt ist. Zugelassen wird die Schweiz auch zu Euratom und dem Programmteil «Verbreitung der Exzellenz und Ausweitung der Beteiligung», mit dem Massnahmen zur Überwindung der Kluft zwischen Ländern mit hoher und niedriger Innovation gefördert werden sollen.

Forderung der Unternehmen

Gewinner der Übereinkunft zwischen der Schweiz und der EU sind die Hochschulen, allen voran die beiden ETH. Sie sind mit Blick auf die Europäischen Fördertöpfe sehr gut organisiert und können mit dem erzielten Abkommen Schaden von sich abwenden. Die KMU sind hingegen die Leidtragenden, sie gehen leer aus. «Die KMU-Instrumente von Horizon 2020 sind auf die Bedürfnisse von KMU zugeschnitten», sagt Christoph Meier von der Innovationsplattform platinn aus Fribourg. «Gerade für innovative junge und kleinere Unternehmen, welche den steinigen Weg in Richtung Industrialisierung und Markteinführung begehen, liegen diese Angebote goldrichtig.» Mit wenigen Ausnahmen würden solche Instrumente auf nationaler Ebene fehlen. Meier fordert deshalb vom Bund künftig einen optimalen Zugang zu den Förderinstrumenten von Horizon 2020.

Ab 2017 soll die Schweiz bei Horizon 2020 wieder den Status eines assoziierten Mitglieds erhalten – so das erklärte Ziel des Bundes.

Zwei Hindernisse wegräumen

Doch bis dahin gilt es zwei Hindernisse aus dem Weg zu räumen: Es braucht eine Einigung mit der EU über die Personenfreizügigkeit, und diese muss auf Kroatien erweitert werden. Ob eine Einigung rechtzeitig gelingen wird, bleibt unklar. Diese Unsicherheit hängt derzeit wie ein Damoklesschwert über dem Forschungs- und Innovationsplatz Schweiz. «Für den ETH-Rat ist die volle Assoziierung eine wichtige Voraussetzung dafür, dass die Schweiz im internationalen Konkurrenzkampf weiterhin Spitzenforschende gewinnen und halten kann», sagt der Sprecher des ETH-Rats, Alex Biscaro. «Wir brauchen so rasch wie möglich wieder langfristige Planungssicherheit, sonst ist der internationale Spitzenplatz der Forschung in der Schweiz in Gefahr.» Es ist kein Zufall, dass die Visite von Schneider-Ammann in Brüssel kurz nach der Abstimmung zu Ecopop stattfindet. Im Falle eines Ja am 30. November, rechnet Staatssekretär Mauro Dell'Ambrogio mit beträchtlichen Konsequenzen für den Forschungsstandort Schweiz, wie er gegenüber unserer Zeitung sagte.

Totalschaden bei Ecopop

Auch beim ETH-Rat zeigt man sich besorgt, dass die bei Horizon 2020 erzielten Fortschritte durch die Ecopop-Initiative wieder zunichte gemacht werden könnten. «Aus Sicht des ETH-Rats schadet die Initiative den Schweizer Hochschulen und Forschungsanstalten enorm; sie gefährdet die Spitzenforschung und schwächt die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz», sagte der Sprecher vom ETH-Rat.

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