Hochrechnung: Rechtsbürgerliche Mehrheit im Nationalrat

Mit 101 Sitzen haben SVP, FDP und kleinere Rechtsparteien im neuen Nationalrat eine rechtsbürgerliche Mehrheit geschafft. Grosse Wahlsiegerin ist die SVP. Mit ihren Gewinnen kommt sie auf den historischen Höchststand von 65 Mandaten.

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Die neue Sitzverteilung im Nationalrat. (Bild: Tagblatt)

Die neue Sitzverteilung im Nationalrat. (Bild: Tagblatt)

Gemäss der zweiten nationalen SRG-Hochrechnung gewinnt die SVP elf Sitze hinzu und stellt mit ihrer neuen Delegation fast einen Drittel des Nationalrats. Die SP dagegen büsst zwei Sitze ein und hat noch 44 Mandate. Die FDP kommt auf drei Sitzgewinne und neu auf 33 Vertreterinnen und Vertreter. Gleich bleibt der Stand bei der CVP, die dank eines Sitzgewinns im Wallis weiterhin 29 Sitze hat.

Zu den grossen Wahlverlierern gehören die Sieger der Wahlen 2011. Am härtesten traf es die Grünliberalen, welche die Hälfte ihrer Deputierten einbüssten und noch 6 Sitze haben. Die BDP, die Partei von Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf erzielte 8 Sitze, minus einen.

Unverändert blieben die kleinen Parteien: Die EVP hat weiter zwei Sitze, ebenso wie die Lega. Das Genfer Mouvement Citoyen Genevois behält seinen Sitz. Die Partei der Arbeit (PdA) zieht mit einem Sitz wieder ins Parlament ein. Auch BastA! aus Basel-Stadt ist auf linker Seite neu im Nationalrat.

Zusammen mit der Lega und dem Genfer Mouvement dürfte demnach die rechtsbürgerliche Mehrheit im Nationalrat mit 101 Stimmen Tatsache werden.

Bis 22 Uhr lagen die definitiven Resultate aus 24 Kantonen vor. Es fehlten noch Bern und der Kanton Waadt. Die Wahlbeteiligung lag bis dahin bei 48,5 Prozent, leicht tiefer als bei den letzten eidgenössischen Wahlen 2011.

Vormarsch der Bürgerlichen
In mehreren Kantonen konnten SVP und FDP Sitze gewinnen. Im Kanton Zürich erhielten beide Parteien je einen Sitz zusätzlich. Der SP gelangen zwei Zugewinne. Grüne, GLP und BDP büssten dagegen je einen Sitz ein. Auch den Grünen ging ein Mandat verloren. In Zürich war ein Mandat mehr zu vergeben.

Im Aargau war auch ein zusätzlicher Sitz zu vergeben. SVP und FDP eroberten je einen Sitz, die SP büsste einen ein. Und auch in St. Gallen gewannen die SVP und die FDP je einen Sitz hinzu. Verlierer sind die Grünen und die Grünliberalen. Im Kanton Genf haben die Grünen eines ihrer zwei bisherigen Mandate an die FDP verloren.

Prominente Quereinsteiger
In Zürich gelang zwei Quereinsteigern auf Anhieb der Sprung in die grosse Kammer. Für die SVP wurde «Weltwoche«-Chefredaktor Roger Köppel mit dem Spitzenresultat gewählt. Für die SP gelang dem Ex-Diplomaten Tim Guldimann das selbe Kunststück.

Bitter endete der Wahltag hingegen für den SVP-Strategen Christoph Mörgeli. Mit dem 20. Platz reichte es ihm nicht in die 12-köpfige Abordnung seiner Partei. Ebenfalls jüngeren Kräften Platz machen müssen Hans Fehr und Ernst Schibli. Insgesamt sind sechs Neue in der Zürcher SVP-Deputation. Seitens der FDP schaffte Gewerbeverbandspräsident Hans-Ulrich Bigler die Wahl nicht.

Mit Magdalena Martullo-Blocher gelang in Graubünden ebenfalls einer Quereinsteigerin der Einzug ins Parlament. Die Tochter von alt Bundesrat Christoph Blocher sicherte ihrer Partei gleich noch einen Sitzgewinn ihrer Partei zulasten des Grünliberalen Josias Gasser. Die FDP, die diesen Sitz hatte schnappen wollen, ging leer aus.

Verluste für die GLP
Im Kanton Thurgau eroberte die FDP den 2011 an die Grünliberalen verlorenen Sitz zurück. Auch im Kanton Luzern hat die GLP ihren vor vier Jahren ergatterten Nationalratssitz wieder verloren. Gewinnerin ist hier die SVP, die neu drei Mandate hat. Im Kanton Freiburg gewann die SVP einen zweiten Sitz auf Kosten der SP.
In manchen Kantonen gewann die SVP auf Kosten der FDP. So eroberte sie in Appenzell Ausserrhoden den einzigen Nationalratssitz, der durch den Wechsel von FDP-Nationalrat Andrea Caroni in den Ständerat frei geworden war. Gewählt wurde SVP-Mann David Zuberbühler. Auch der Kanton Uri wird im Nationalrat neu nicht mehr von der FDP, sondern von der SVP vertreten. Das Stimmvolk hat SVP-Regierungsrat Beat Arnold zum Nachfolger der zurücktretenden Gabi Huber gewählt.

Linke gewinnt in Basel und Neuenburg
Die linke Partei BastA! gewinnt in Basel-Stadt einen Nationalratssitz zulasten der CVP. Die LDP (Liberaldemokratische Partei) verdrängt zudem die FDP.

Im Kanton Solothurn, der dieses Mal einen Sitz weniger zu vergeben hatte, muss die CVP einen Sitzverlust hinnehmen. Im Kanton Neuenburg hat sich die Partei der Arbeit (PdA) den Nationalratssitz der Grünen geschnappt. Und im Kanton Tessin kommt es zu einen Wechsel innerhalb der SVP: Neu gewählt wurde SVP-Grossrat Marco Chiesa.

Keine Sitzverschiebungen gibt es in den Kantonen Appenzell Innerrhoden, Obwalden, Nidwalden, Zug, Schaffhausen, Jura, Baselland und Glarus. Im Kanton Glarus schaffte BDP-Präsident Martin Landolt die Wiederwahl auf den einzigen Nationalratssitz. Herausgefordert worden war er von SP-Kantonsrat Jacques Marti. In Baselland hatte die SVP eine Vakanz zu füllen. Neu zieht Sandra Sollberger in den Nationalrat ein.
Spannend bleibt es in jenen Kantonen, aus denen erst Zwischenresultate und Hochrechnungen vorliegen. Im Kanton Bern kann die SVP gemäss Hochrechnung mit einem zusätzlichen Sitz rechnen. Je einen Sitz verlieren dürften die Grünen und die Grünliberalen. Neu sind nur noch 25 Sitze zu vergeben.

Im Kanton Waadt könnte die FDP einen Sitz hinzugewinnen und käme damit neu auf fünf der 18 Mandate. Der Sitzgewinn der FDP geht wohl zulasten der SP, die neu noch fünf Sitze hätte. (sda)

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