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Der Rasenmäher wird Herr über Liebe und Triebe

«Mach's mit und gewinne»: So heisst der Slogan der neuen Stop-Aids-Kampagne. Angesichts der schönen Preise, die es zu gewinnen gibt, schreibt Blattmacher Balz Bruder: «Der Gummi, der früher das Minimum beim Seitensprung war, maximiert sich unversehens zum Glückslos».
Balz Bruder
Moderator Marco Fritsche präsentiert die Preise zur neuen HIV-Präventionskampagne in Zürich. (Bild: Keystone/Melanie Duchene)

Moderator Marco Fritsche präsentiert die Preise zur neuen HIV-Präventionskampagne in Zürich. (Bild: Keystone/Melanie Duchene)

Gelegenheit macht Diebe. Oder Liebe. Oder beides. Wehe dem Schuft, der sich unter Liebesschwüren mitsamt den Gefühlen der Verratenen aus dem Staub macht! Wie recht doch Cervantes hatte mit dem Satz: «Alles, worauf Liebe wartet, ist Gelegenheit.» Der Rausch der Erfüllung ist dabei so nah wie der Abgrund der Enttäuschung.

Doch, was zitieren wir Dichter, wenn Werber im Auftrag von Behörden Kampagnen designen. Eitles Geschwätz ist da das Literatenwort. Es verdampft in Sekundenschnelle, da Safer Sex mit Aussicht auf Mehrwert zu haben ist. Kein Witz, ganz einfach ist es. Oder, im Jargon der Gesundheitsförderer: «Mach’s mit und gewinne», heisst es heute. Was so viel bedeutet wie: Der Gummi, der früher das Minimum beim Seitensprung war, maximiert sich unversehens zum Glückslos.

3500 «geile» Sofortpreise

Jedenfalls: 400000 Kondome mit Gewinncode setzt das Bundesamt für Gesundheit (BAG) in den kommenden Wochen und Monaten mit Promotorinnen und Promotoren in Klubs, Bars, Badenanstalten und Festivals in Umlauf, um gefahrlosen sexuellen Kontakten diskret Pate zu stehen. Gut so in Zeiten, da Geschlechtskrankheiten wieder im Vormarsch sind, gewiss.

Doch ein Gratis-Kondom vom Bund ist heutzutage etwa so unsexy wie ein Militärbiskuit zum Apéritif. Deshalb verstecken sich hinter 3500 Codes wahre Männerträume wie Rasenmäher, Gemüsekörbe und Staubsauger. Das sind dann wirklich «geile» Sofortpreise, die als Supplément zum risikofreien Liebesakt frei Haus geliefert werden.

Provokation war gestern

Die Kampagne ist dabei so keimfrei, dass sich nicht einmal die Schweizerische Bischofskonferenz zum Protest animiert sehen wird. Jedenfalls nicht so, wie sie es 2003 getan hatte, als die lustigen Gesundheitsförderer mit dem Motto «Schütze deinen Nächsten wie dich selbst. . . benütze ein Präservativ» in die Präventionsschlacht gezogen waren. Oder 2014, als sich Gesundheitsminister Alain Berset in der Fragestunde des Nationalrats für das als «provokativ und pornografisch empfundene «Love Life»Video wehren musste.

Was nach der Lancierung der jüngsten Kampagne geschehen wird, ist weniger plakativ, dafür umso weitreichender: Nicht weniger als eine sexuelle Revolution dürfte vor der Schlafzimmertür stehen. Denn die Vereinigung der Geschlechter findet ab sofort nicht mehr im Zeichen von Liebe und Lust, sondern von Gesundheitsbehörde, Gewinncode und Gemüsekorb statt.

Das Begehren ist damit nicht länger schnöder Selbstzweck, nein, es bekommt Richtung und Ziel. Endlich, ist man(n) versucht zu sagen, liegt die Erfüllung im Materiellen statt im Fluiden.

Greift bald die Abstinenz um sich?

Die wundersame Verwandlung des Kondoms in ein Gewinnlos hat zudem möglicherweise noch einen anderen Effekt. Die Tatsache, dass der Gewinncode auf der Verpackung abgelesen werden kann, ohne dass der Gummi seiner Zweckbestimmung zugeführt wird, könnte auch einen neuen Trend begründen.

Liebe praktizieren würden dann nur noch jene 3500 Kondomempfänger, die sich die Aussicht auf allerlei Nützliches mit einer Liebesleistung verdienen wollten, derweil die restlichen 396500 in Ermangelung von wahrem Liebeslohn auf entsprechende Anstrengung verzichteten.

Liebe macht Gelegenheit. Seelenlos. Gratis. Mit Preisen, die von Firmen gesponsert sind. Und einer Kampagne, die ein Schnäppchen ist. 2 Millionen Franken für gefahrlose Liebe mit Gewinnaussicht. Ein Klacks. Ran an den... Strichcode!

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