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Wir schwitzen und ächzen: Warum wir selbst bei fast 40 Grad kein Hitzefrei erhalten

Schülern und Arbeitnehmenden geht es in diesen Tagen gleich. Beide hoffen darauf, den Tag in der Badi zu verbringen, statt im Schulzimmer, im Büro oder auf der Baustelle vor sich hin zu dampfen. Dieser Wunsch dürfte jedoch bei den meisten unerfüllt bleiben.
Mona Martin
Über 30 Grad im Büro und Hitzefrei? Nein, sagt das Gesetz. (Bild: KEY)

Über 30 Grad im Büro und Hitzefrei? Nein, sagt das Gesetz. (Bild: KEY)

Die Hitzewelle hat die Schweiz erreicht. Bis auf 39 Grad sollen die Temperaturen diese Woche klettern und auf den Onlineportalen kursieren zahlreiche Beiträge mit Verhaltenstipps. Doch auch wenn zur Siesta geraten wird, zur Schule oder Arbeit gehen müssen wir trotzdem. Denn rechtlich ist kein Arbeitgeber gezwungen, den Angestellten wegen Hitze frei zu geben. Und auch die Schulen sind von der Praxis abgekommen, ihre Pforten bei Höchsttemperaturen zu schliessen.

Doch warum dürfen wir bei Temperaturen von bis zu 40 Grad der Arbeit oder dem Unterricht nicht fernbleiben?

Darum geben Schulen kein Hitzefrei

Als letzter Deutschschweizer Kanton schaffte Basel-Stadt 2003 die Hitzeferien ab. Das Erziehungsdepartement führte damals zwei Gründe für diesen Schritt an. Die Dispensierung vom Unterricht war dafür gedacht, die Schülerinnen und Schüler vor Hitze- und Schadstoffbelastung zu schützen. Da die Kinder die gewonnene Freizeit jedoch meist im Freien verbrachten, machte diese Begründung keinen Sinn mehr.

Zudem wehrte sich das kantonale Gleichstellungsbüro gegen diese Regelung, weil sie berufstätige Mütter benachteiligte. Diese waren in erster Linie für die Kinderbetreuung zuständig und mussten an hitzefreien Nachmittagen dementsprechend freinehmen, eine Betreuung suchen oder die Kinder sich selbst überlassen.

Den Unterricht streichen? Nein, sagt das Gesetz. Doch eine erfrischende Wasserschlacht zwischendurch wird von der Schulleitung gerne verordnet. (Bild: KEY)

Den Unterricht streichen? Nein, sagt das Gesetz. Doch eine erfrischende Wasserschlacht zwischendurch wird von der Schulleitung gerne verordnet. (Bild: KEY)

Es gibt einen weiteren Grund, wie Bernard Gertsch, Präsident des Verbandes Schulleiterinnen und Schulleiter Schweiz ausführt: «Früher waren Mütter mehr zu Hause. Heute arbeiten meistens beide Elternteile.»

In Anpassung an diese gesellschaftliche Veränderung wurden in den Schulen der meisten Kantone Blockzeiten eingeführt. Gertsch: «Während diesen Zeiten haben die Schulen eine Betreuungspflicht, der sie nachkommen müssen. In manchen Kantonen ist das der Vormittag, zum Beispiel von 8 bis 11.30 Uhr, in anderen gehört auch der Nachmittag dazu.» Wegen dieser Pflicht können Schulen ihren Kindern nicht ohne weiteres frei geben.

Lehrpersonen seien aber dazu angehalten, einen kreativen Umgang mit der Hitze zu pflegen. «Das kann beispielsweise bedeuten, dass der Unterricht in den Werkkeller verlegt wird oder über Mittag eine Wasserschlacht veranstaltet wird, um Abkühlung zu ermöglichen.»

Eine gesamtschweizerische Regelung gibt es laut Gertsch aber nicht.

Dass die rechtliche Auslegung schwierig ist, zeigt das Beispiel der Primarschule Tömlimatt in Kappelen am Albis ZH. Am Mittwochmorgen machte die Primarschule Schlagzeilen, weil sie in einem Schreiben an die Eltern für Donnerstagnachmittag Hitzefrei angekündigt hatte. Nach Rücksprache mit dem Volksschulamt musste die Schulleitung den Entscheid jedoch wieder revidieren. Der Unterricht findet statt.

Darum geben Arbeitgeber nicht Hitzefrei

Ähnlich schwierig ist der Umgang mit der Hitze im Büro oder im Betrieb.

Mit steigender Hitze schwindet die Leistungsfähigkeit, das ist wohlbekannt. So steht auch in der Wegleitung zur Verordnung 3 zum Schweizer Arbeitsgesetz, dass «bei grosser Sommerhitze und Innentemperaturen um 30 Grad mit einer Leistungseinbusse von zehn Prozent oder mehr zu rechnen» ist.

Auf hitzebedingte Freizeit haben Arbeitnehmende von Gesetzes wegen trotzdem kein Anrecht. Und verbindliche Vorgaben, welche Massnahmen Arbeitgeber ergreifen müssen, gibt es wenig. Das Staatssekretariat für Wirtschaft, Seco, schreibt auf seiner Website: «Die Arbeitnehmenden sind vor übermässiger Hitze und Sonneneinwirkung zu schützen.»

Auch auf dem Bau lässt das Gesetz keine Streichung von Arbeitsstunden zu. Arbeitgeber sind angehalten, adäquate Massnahmen zu ergreifen. Etwa eine lange Mittagspause zur Überbrückung der grössten Hitze. Oder eine individuelle Abkühlung. (Bild: KEY)

Auch auf dem Bau lässt das Gesetz keine Streichung von Arbeitsstunden zu. Arbeitgeber sind angehalten, adäquate Massnahmen zu ergreifen. Etwa eine lange Mittagspause zur Überbrückung der grössten Hitze. Oder eine individuelle Abkühlung. (Bild: KEY)

Hier folgen klare Temperatur-Empfehlungen: Die Idealtemperatur bei schwerer körperlicher Arbeit liegt bei 12 bis 17 Grad. Bei geistiger Arbeit, die hauptsächlich drinnen und sitzend verrichtet wird, sollten zwischen 21 bis 23 Grad erreicht werden. Zudem soll dabei die Differenz zwischen Innen- und Aussentemperatur nicht zu gross sein. Bis maximal 28 Grad soll das Büro-Thermometer anzeigen, bei körperlicher Arbeit entsprechend weniger.

Noch klarer ist das Gesetz im Bereich des Sonnenschutzes. Beschattung, Sonnenschutz-Kleidung oder zumindest Sonnencreme müssen von Arbeitgebern zur Verfügung gestellt werden. Und natürlich Trinkwasser.

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