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Hitzesommer heizt Klimadebatte an

Die vergangenen Monate waren in der Schweiz so heiss wie nie seit Messbeginn vor 150 Jahren. Während Klimaforscher Alarm schlagen, bremst die SVP. Klimamassnahmen im Inland würden das Problem nur verschlimmern, sagt die Partei.
Roger Braun
Zu heiss, zu trocken: Die Schweizer Armee beliefert per Helikopter eine Alp mit Wasser für die Kühe. (Bild: Ennio Leanza/Key (Schänis, 3. August 2018))

Zu heiss, zu trocken: Die Schweizer Armee beliefert per Helikopter eine Alp mit Wasser für die Kühe. (Bild: Ennio Leanza/Key (Schänis, 3. August 2018))

Verdorrte Weiden, tote Fische, erhöhte Waldbrandgefahr: Die Sommerhitze hinterlässt hierzulande deutliche Spuren. Dies zeigen auch Daten von Meteo Schweiz. Demnach war es von April bis Ende Juli so heiss wie noch nie seit Messbeginn im Jahr 1864. Unter Einbezug aller Höhenlagen und Tageszeiten war es die vergangenen vier Monate durchschnittlich über 12 Grad warm. Damit war es gar heisser als im Hitzesommer 2003, der bisher mit 11,8 Grad den Rekord hielt. Im Vergleich zum langjährigen Mittel seit 1990 sind das 2 Grad mehr als gewöhnlich. Vergleicht man die Daten mit dem 19. Jahrhundert, beträgt der Unterschied gar 4 Grad.

Extrem ist auch die Trockenheit: In den vergangenen vier Monaten sind im landesweiten Mittel nur 65 Prozent des langjährigen Durchschnitts gefallen. Besonders ausgeprägt ist die Trockenheit in der Ost- und Zentralschweiz, wo nicht mal halb so viel Regen fiel wie gewöhnlich. Damit fehlt den Böden die Regenmenge von rund zwei Monaten.

«Solche Hitzeperioden werden immer häufiger»

Für den renommierten Klimaphysiker Reto Knutti von der ETH Zürich ist dies kein Zufall. «Solche Hitzeperioden werden aufgrund des Klimawandels immer häufiger», sagt er. Knutti hat am Weltklimabericht des UNO-Ausschusses für Klimaänderungen mitgewirkt und sieht dringenden Handlungsbedarf. «Wenn wir verhindern wollen, dass es künftig noch heisser wird, muss die Politik dringend Gegensteuer geben.» In 30 Jahren müssten die entwickelten Länder den Übergang zu nichtfossilen Antriebsstoffen geschafft haben, sagt der Wissenschafter. Natürliche Klimaschwankungen schliesst Knutti angesichts der Höhe der Ausschläge sowie der Häufigkeit der Extremtemperaturen aus. Glaubt man dem Weltklimabericht, ist der Mensch mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit für diesen Temperaturanstieg hauptverantwortlich.

Die extreme Trockenheit sieht Knutti ebenfalls in diesem Zusammenhang. Zwar sei der Befund weniger eindeutig als bei der Temperatur, sagt Knutti. «Doch es gibt starke Anzeichen, dass mit der Klimaerwärmung die Schweizer Sommer trockener und die Winter nässer werden.» Auf die Bauern dürften damit weitere Sommer mit vertrockneten Weiden und knappem Wasser für die Tiere zukommen.

Der aktuelle Hitzesommer fällt in eine politisch sensible Zeit. In der Schweiz wird gerade das CO2-Gesetz revidiert. Der Bundesrat möchte den Ausstoss der Treibhausgase bis 2030 gegenüber dem Jahr 1990 um die Hälfte reduzieren, so wie es die Schweiz im Klimaabkommen von Paris angekündigt hat. 30 Prozent sollen die Emissionen in der Schweiz zurückgehen; maximal 20 Prozent mittels Massnahmen im Ausland.

SVP kritisiert «Weltrettungsprogramm»

Bei der Ratsrechten stösst diese Idee allerdings auf wenig Gegenliebe – daran ändert auch der Hitzesommer nichts. «Die ehrgeizigen Reduktionsziele des Bundesrats sind kontraproduktiv für das Klima», sagt SVP-Präsident Albert Rösti. Strengere Auflagen und höhere Abgaben drängten die Schweizer Industrie ins Ausland, argumentiert er. «Und dort werden die Betriebe viel mehr Treibhausgase ausstossen als in der Schweiz, wo bereits heute strenge Vorschriften gelten.»

Rösti kritisiert das «Weltrettungsprogramm» des Bundesrats als ideologisches Luftschloss. Der Anteil der Schweiz am weltweiten Ausstoss der Treibhausgase von 1,5 Promille sei verschwindend klein. «Wenn die Klimaerwärmung überhaupt noch aufgehalten werden kann, dann sind vor allem die grossen Industrieländer wie die USA, China und Indien gefordert», sagt er. Diese jedoch würden sich einschneidenden Massnahmen verwehren. «Unter diesen Umständen würde es dem Klima auch nichts bringen, wenn die Schweiz mit massiven Kosten und Einschränkungen für die Bevölkerung ihre Emissionen gegen null herunterfährt», sagt er.

Rösti sieht für die hiesige Politik vor allem eine Aufgabe: die Schweiz gegen die neuen Bedrohungen zu wappnen. Für die Bauern bringt er eine staatlich unterstützte Ernteausfallversicherung ins Spiel. Gegen häufiger werdende Überschwemmungen sollen Schutzbauten und Überlaufbecken helfen. «Die Schweiz muss zudem im Ausland Überzeugungsarbeit leisten und die Forschung vorantreiben, damit der weltweite Ausstoss von Klimagasen abnimmt», sagt er.

Für Knutti ist das nicht genug. «Jeder muss einen Beitrag gegen die Klimaerwärmung leisten», sagt er. «Wenn ausgerechnet wir, die das Problem hauptsächlich verursacht haben, abseitsstehen: Wie wollen wir dann die Entwicklungsländer vom Klimaschutz überzeugen?»

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