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Heute ist Unterbäch in Frauenhand

1957 machte Unterbäch Furore, weil es als erste Gemeinde Frauen an den Abstimmungen teilnehmen liess. Nun wird das Bergdorf von einer Frau präsidiert. Eine Zeitzeugin erzählt.
Denise Lachat
Erste Gemeindepräsidentin: Rosa Weissen-Zenhäusern. (Bild: Denise Lachat)

Erste Gemeindepräsidentin: Rosa Weissen-Zenhäusern. (Bild: Denise Lachat)

unterbäch. Völlig verschreckt waren die Zenhäusern-Kinder durch den Tumult, den die wütenden Gegner des Frauenstimmrechts um das Wohnhaus des Unterbächner Gemeindepräsidenten veranstalteten. Mit dem Kreuz und der schwarzen Fahne waren die Konservativen an jenem 3. März 1957 aufmarschiert und stiessen wüste Schimpfworte aus, so wüst, dass die Mutter, Katharina Zenhäusern, sie nicht wiederholen will. «Am schlimmsten schimpften die Frauen», erzählt die heute 90jährige Walliserin in der Stube ihres Hauses. Sie erzählt vom revolutionären Urnengang mit einer Lebendigkeit, als wäre er gestern passiert. «Ich komme und unterstütze dich», hatte sie ihrem Mann Paul versprochen, «aber ich stimme, wie ich will.»

Das Fanal von Unterbäch

Wie die Frau des Gemeindepräsidenten zum obligatorischen Zivildienst für Frauen stand, verriet sie ihm nicht. Doch sie legte als erste Frau ihres Dorfs und überhaupt als erste Frau der Schweiz einen Stimmzettel in eine Urne. Die Zeitungen schrieben vom «Fanal von Unterbäch». 33 von 84 stimmberechtigten Unterbächnerinnen hatten sich an die Urne gewagt. Ihre Meinung blieb ohne Einfluss auf das gesamtschweizerische Resultat, denn der Kanton Wallis ignorierte sie schlicht. Doch das Aufsehen war gross und gab jenen Kräften, die für die politische Gleichstellung der Frauen kämpften, Auftrieb.

«Frauen im Laufgitter»

Eingefädelt hatte den Coup das Juristen-Ehepaar Iris und Peter von Roten. Die Baslerin war eine der bekanntesten Schweizer Frauenrechtlerinnen, der Walliser Kantons- und Nationalrat war Bezirkspräfekt in Raron unterhalb von Unterbäch. Katharina Zenhäusern erinnert sich gut an die Besuche der von Rotens. Iris von Rotens 1958 erschienene Streitschrift «Frauen im Laufgitter» hat sie indes nie gelesen.

Erste Gemeindepräsidentin

Anders die 59jährige Rosa Weissen-Zenhäusern. 1957 war Weissen siebenjährig, und die Lektüre von «Frauen im Laufgitter» hat sie sich nicht nehmen lassen. Die ehemalige Lehrerin wurde vor acht Jahren als Gemeinderätin von Unterbäch zur Politikerin, und jetzt steht sie als erste Gemeindepräsidentin an der Spitze ihres Dorfs. «Heute ist das nichts Aussergewöhnliches mehr, bei der Wahl der ersten Gemeinderätin vor 16 Jahren war das noch anders.»

Vor zwei Jahren feierte Unterbäch im Beisein von Micheline Calmy-Rey und alt Bundesrätin Ruth Dreifuss das 50-Jahr-Jubiläum des Urnengangs von 1957. Einen Effekt habe der 3. März 1957 durchaus gehabt, findet Weissen. Früher als anderswo hätten Frauen in Unterbäch die Post, die Bank, Läden und Restaurants geführt. «Unsere Mütter sagten, wir wollen etwas erreichen, wir wollen, dass etwas läuft.» Trotzdem: Verschiedene Frauen wurden für politische Ämter angefragt und winkten ab – zu wenig Zeit, zu wenig Selbstvertrauen. Hat es darum so lange gedauert, bis die Gemeinde, die Bundesrätin Elisabeth Kopp zur Ehrenbürgerin machte und sich seit den 1980er-Jahren stolz «Rütli der Schweizer Frau» nennt, eine Frau zur Chefin wählt?

In der Luftseilbahn, die von Raron im Tal hinauf nach Unterbäch führt, haben die Einheimischen bei dieser Frage die Schultern gezuckt. Nicht, dass man keine Frau wollte, aber es habe halt seine Zeit gebraucht. Sie sei aber sicher, sagt Lisbeth Dirren, 60jährig, dass eine Frau das ebenso gut mache wie ein Mann. Rosa Weissen schluckt kurz leer, als sie das hört und sagt, «äs bitz Müet» habe sie schon gebraucht.

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