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Interview

CVP-Bundesratskandidatin Heidi Z'graggen: «Ich gehöre eher zum rechten Flügel»

Eher überraschend hat die Urner Justizdirektorin Heidi Z’graggen den Sprung auf das CVP-Bundesratsticket geschafft. Die 52-Jährige gibt sich wirtschaftsfreundlich und migrationskritisch, spricht sich aber für die «Ehe für alle» aus.
Tobias Bär
CVP-Bundesratskandidatin Heidi Z'graggen bei der Medienkonferenz nach der Nomination durch die Fraktion. (Bild: Peter Klaunzer, Keystone)

CVP-Bundesratskandidatin Heidi Z'graggen bei der Medienkonferenz nach der Nomination durch die Fraktion. (Bild: Peter Klaunzer, Keystone)

Heidi Z’graggen, Sie wurden offenbar überraschend deutlich auf das CVP-Bundesratsticket gewählt. Womit haben Sie gepunktet?

Mit meiner Exekutiverfahrung. Ich weiss, was es heisst, ein Riesenprojekt wie das Sawiris-Resort in Andermatt durch sämtliche Instanzen zu bringen. Als Regierungsrätin eines kleinen Kantons decke ich eine breite Themenpalette ab, das geht von der Raumplanung bis zum Handelsregister.

Sie wollen bis zum 5. Dezember Ihren Bekanntheitsgrad im Parlament steigern. Quartieren Sie sich dafür gleich in der Bundesstadt ein?

Ich bin jedenfalls bereits die Berner Hotelliste durchgegangen. Aber zunächst muss ich mich nun an der Regierungsratssitzung vom Dienstag mit meinen Kolleginnen und Kollegen absprechen. Es geht darum, ob ich meine Aufgaben als Urner Regierungsrätin an einen Stellvertreter übergeben kann. Davon hängt die Planung der zweieinhalb Wochen bis zum Wahltag massgeblich ab.

Sie haben sich am Freitag zum wiederholten Mal als Urnerin, als Zentralschweizerin, als Schweizerin bezeichnet. Warum «Uri first»?

Uri ist meine Heimat, das ist mein Innerstes. Ich habe mein Büro neben dem Tell-Denkmal, ich lebe in diesen Traditionen, die viel Identität stiften. Auch heute noch. Gleichzeitig bin ich geprägt von der Gotthard-Achse, die für Offenheit steht. Das ist die Dualität von uns Urnern.

Sie betonen den Anspruch der Innerschweiz und von Uri auf einen Bundesratssitz, Ihre Exekutiverfahrung, Ihre strategischen Fähigkeiten. Doch wie sieht ihr politisches Profil aus?

Wir stecken Menschen gerne in Schubladen, als Exekutivpolitikerin und als Mitglied einer Mittepartei gelingt das bei mir halt nicht so gut. Aber: Ich bin wirtschaftsfreundlich, setze mich ein für gute Rahmenbedingungen für die Unternehmen. Ich bin für den Steuerwettbewerb als Innovationstreiber, auch wenn dieser für den Kanton Uri hart ist. Dann setze ich mich dafür ein, dass auch künftige Generationen in den Genuss unserer Landschaften kommen. Eingriffe sollen möglich, aber angemessen und von hoher Qualität sein.

In der Migrations- und Aussenpolitik vertreten Sie eine restriktive Haltung.

Wenn ich in Uri aus dem Fenster schaue, dann blicke ich quasi auf das Landverkehrsabkommen. Und ich sehe, was die Schweiz für Europa leistet. Die Milliardeninvestitionen in die Neat, der zweite Strassentunnel, beides dient dem Transitverkehr. Wir können gegenüber der Europäischen Union durchaus selbstbewusst auftreten. Es gilt, unsere Souveränität zu wahren.

Wird diese Souveränität mit einem Rahmenabkommen zu stark tangiert?

Das hängt vom Ergebnis ab, die Übernahme der Unionsbürgerrichtlinie etwa geht zu weit. Die EU muss sich auch bewusst sein, dass ein Abkommen in unserer direkten Demokratie vor dem Volk bestehen können muss.

Soll die Schweiz dem UNO-Migrationspakt zustimmen?

Das Parlament fordert eine Mitsprache, das zeigt die Brisanz des Themas. Die Migration stellt die westlichen Staaten vor enorme Herausforderungen. Zurzeit sind für mich die Voraussetzungen für eine Unterzeichnung nicht gegeben.

Soll die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare geöffnet werden?

Es ist eine Errungenschaft, dass wir in unserer Gesellschaft weitgehend frei von Diskriminierung leben können. Ja, ich bin für die rechtliche Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Paaren.

Alles in allem werden Sie rechts von ihrer Mitbewerberin Viola Amherd eingeordnet. Teilen Sie diese Einschätzung?

Ich gehe davon aus, dass ich mit meinem Profil eher zum rechten Flügel meiner Partei gehöre.

Sie leben in einer Partnerschaft mit dem ehemaligen Zürcher SVP-Kantonsparlamentarier Bruno Dobler. Sind Sie sich in den meisten politischen Fragen einig?

Unsere Partnerschaft ist gelebte Konkordanz. Es gibt Themen, wo wir uns einig sind und andere, bei denen wir unterschiedlicher Meinung sind. Wir hatten aber noch nie Krach wegen einer politischen Frage. Wir lassen es dann einfach gut sein.

Sie haben bei einer Veranstaltung einen Fragesteller aus dem Publikum als «Depp» bezeichnet. Wieso versuchten Sie sich anschliessend aus der Affäre zu ziehen, indem Sie von einem «akustischen Missverständnis» sprachen?

Dazu ist alles gesagt. Es war ein akustisches Missverständnis.

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