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Hausaufgaben sind eine Schule fürs Leben

Ansichten
Mario Andreotti

Jeder kennt sie, viele drücken sich vor ihnen und so mancher erinnert sich mit Schrecken: Die Rede ist von Hausaufgaben. Bereits Generationen von Schülern waren es gewohnt, in der Freizeit diese unangenehme Pflicht zu erledigen. Angesichts neuer pädagogischer Ansätze und Unterrichtsformen stellt sich jedoch zunehmend die Frage, ob Hausaufgaben noch sinnvoll sind. Zugegeben: Es gibt eine Reihe bedenkenswerter Argumente, die gegen das Einfordern von Hausaufgaben sprechen. Vor allem drei Argumente sind es, die von den Gegnern von Hausaufgaben, fast durchwegs von Bildungsforschern und Reformpädagogen, immer wieder angeführt werden.

Da ist zunächst der Vorwurf der mangelnden Chancengleichheit: Hausaufgaben, so heisst es dann etwa, würden die soziale Ungleichheit in Bildungsprozessen verstärken, denn manche Schüler, vor allem aus gut situiertem Hause, bekämen Hilfe von ihren Eltern, während andere auf sich alleine gestellt seien und entsprechend mehr Mühe hätten. Dazu kommt die viel geäusserte Ansicht, Hausaufgaben stellten für Schüler und Eltern eine reine Schikane dar. Schliesslich wird auch der Lerneffekt von Hausaufgaben bezweifelt: Sie seien für den Lernerfolg nur von geringem Nutzen, würden im Gegenteil demotivierend wirken.

Das sind durchaus happige Vorwürfe an ein uraltes pädagogisches Instrument. Aber sie beruhen teilweise auf falschen Annahmen. Zum einen überzeugt das Argument, Hausaufgaben wirkten selektionierend, förderten die Chancenungleichheit, nur halb, denn Eltern, die ihr Kind in seinem Lernprozess unterstützen wollen, würden dies auch ohne Hausaufgaben tun. Einmal abgesehen davon, dass eine absolute Chancengleichheit in der Bildung, wie sie sich vor allem politisch links stehende Kreise gerne erträumen, eine Illusion ist. Und zum andern ist der Vorwurf, Hausaufgaben hätten nur einen geringen Lerneffekt, wirkten vielmehr demotivierend, eine unzulässige Verallgemeinerung.

Denn Hausaufgaben können durchaus Erfolgserlebnisse beinhalten, vorausgesetzt, dass sie von der Lehrperson sinnvoll ausgewählt werden und nicht in tägliche stundenlange Plackerei ausarten. Zudem kann im Unterricht Gelerntes in neue Zusammenhänge gebracht und so vom Schüler erst richtig verinnerlicht werden, wenn es nicht nur vom Lehrer vorgezeigt wurde. Dazu kommt, dass Wiederholungen erwiesenermassen eine äusserst wirksame Methode sind, Lerninhalte zu festigen. Diese Form des Lernens funktioniert am besten zu Hause in möglichst ungestörter Umgebung. Nicht zuletzt stellen Hausaufgaben eine Verbindung zwischen der Schule und dem Elternhaus her. Oder wie es in einem Merkblatt des Kantons Luzern heisst: «Hausaufgaben sind ein Fenster zur Schule und geben den Eltern Einblick, was dort läuft.»

Man wird den Verdacht nicht ganz los, dass die Gegner von Hausaufgaben mit ihrem Dauergerede von den gestressten Schülern, mehr oder weniger offen, die Schule, indem sie ihr Anspruchsniveau herunterfahren, zu einer Wohlfühloase umgestalten möchten. «Das ist ein Griff in die Klamottenkiste der Kuschelpädagogik.» So lautet der Kommentar von Josef Kraus, dem Präsidenten des Deutschen Lehrerverbandes. Wenn das römische Sprichwort «Non scholae, sed vitae discimus» in der Pädagogik weiterhin gelten soll, muss die Schule alles daransetzen, die jungen Menschen auf das Leben nach der Schulzeit vorzubereiten.

Dazu gehören nun einmal auch Hausaufgaben. Können die Schüler an ihnen doch Selbstdisziplin und Durchhaltevermögen, aber auch die Fähigkeit üben, Probleme selbstständig zu lösen. Schliesslich birgt auch das Erwachsenenleben, das Leben in Familie und Beruf, gerade in der heutigen, zunehmend digitalen Wirtschaftswelt, eine Reihe unangenehmer und schwieriger Aufgaben, die erledigt werden müssen.

Daher darf auch Schule anstrengend sein, vorausgesetzt, dass den Schülern genügend Freizeit zu Erholung und Spiel bleibt. Mit einer Kuschelpädagogik, die den Schülern alles vermeintlich Unangenehme, zu dem auch Hausaufgaben gehören mögen, abnehmen will, kommen wir nicht weiter.

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