Handy als Sicherheitsrisiko

Der Verband Elektrosmog fordert eine Gesetzesverschärfung, um Unfälle zu vermeiden, die durch das Telefonieren am Steuer verursacht werden. Die Politik ist in dieser Frage gespalten.

Simon Fischer
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Reaktionszeit eines Angetrunkenen: Das Telefonieren am Steuer soll härter bestraft werden. (Bild: Urs Jaudas)

Reaktionszeit eines Angetrunkenen: Das Telefonieren am Steuer soll härter bestraft werden. (Bild: Urs Jaudas)

BERN. Der Dachverband Elektrosmog Schweiz und Liechtenstein hat sich Anfang Woche mit einem Brief an sämtliche National- und Ständeräte gewandt. Unter dem Titel «Unfallursache Handy – Ablenkung am Steuer» kritisiert der Verband, dass die Politik auf gesetzgeberischer Ebene zu wenig unternimmt, um Unfälle zu vermeiden, die auf das Konto telefonierender Fahrzeuglenker gehen.

Es sei seit vielen Jahren praktisch zweifelsfrei belegt, dass sich telefonierende Autofahrer – auch mit Freisprecheinrichtung – wie Angetrunkene mit mehr als 0,8 Promille Alkohol im Blut verhalten würden, schreibt der Verband. «Die heutigen Bussen für telefonierende Autofahrer sind nichts im Vergleich zu den Risiken, die dieses Verhalten birgt», sagt Verbandssprecher Hansueli Stettler. Um künftig Unfälle vermeiden zu können, sei es entscheidend, dass solches Verkehrsverhalten nicht mehr als Kavaliersdelikt betrachtet, sondern gleich geahndet werde wie das Fahren in angetrunkenem Zustand.

Politik dürfte aktiv werden

Von den Parlamentariern fordert der Verband deshalb ein explizites Verbot der Verwendung von Handys und sämtlichen anderen elektronischen Geräten während des Autofahrens, wenn sie das Fahrzeuglenken nicht direkt unterstützen. Einschliessen würde das laut Stettler neben Freisprechanlagen etwa auch das Lesen von E-Mails am Laptop während der Fahrt, jedoch nicht das Radiohören. Weiter fordert der Verband Entwicklung und Durchsetzung griffiger Vollzugsmassnahmen, etwa die Einführung einer Pflicht für Unfallbeteiligte, ein Handy-Verbindungsprotokoll ihres Mobilfunkanbieters vorzulegen. Dies würde den Behörden viel Aufwand ersparen, sagt Stettler, denn heute brauche es einen richterlichen Beschluss, um die Protokolle einsehen zu dürfen.

Laut Stettler haben bereits mehrere Parlamentarier positiv auf das Schreiben des Verbands reagiert. Und es sei ziemlich sicher, dass im Parlament demnächst ein Vorstoss zum Thema eingereicht werde. «Das zeigt uns, dass die Zeit reif ist, auf gesetzlicher Ebene etwas zu ändern», sagt Stettler, der sich nicht näher dazu äussern will, welche Politiker ihre Unterstützung angekündigt haben.

«Kommt nicht in Frage»

Definitiv nicht zu ihnen gehört der Zürcher FDP-Nationalrat Markus Hutter, Präsident der Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen, die sich dereinst mit dem Thema beschäftigen müsste. «Ich halte nichts von den Vorschlägen, es gibt schlicht keinen Handlungsbedarf», sagt er. Denn das Telefonieren mit Handys am Ohr während der Fahrt sei heute schon verboten. «Und ein Verbot von Freisprechanlagen kommt sowieso nicht in Frage», so Hutter.

Anders sieht das die grüne Berner Nationalrätin Franziska Teuscher, die als Präsidentin des Verkehrs-Clubs der Schweiz (VCS) schon lange auf die Sicherheitsrisiken von Telefongesprächen während der Fahrt hinweist. «Wir sind froh, dass diese Forderungen nun auch von weiteren Kreisen unterstützt werden», sagt Teuscher. Der VCS werde im Parlament diesbezüglich mit Sicherheit wieder aktiv werden. Im Moment warte der Verband aber noch ab, bis die unbestrittenen Teile des Strassensicherheitspakets Via Sicura vom Parlament abgesegnet seien.