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Bund gibt grünes Licht für HIV-Selbsttest

Wer herausfinden will, ob er oder sie mit HIV infiziert ist, muss dafür nicht mehr zum Arzt. Der Bund hat gestern Selbsttests für den Heimgebrauch bewilligt. Sie dürfen bereits ab heute verkauft werden.
Michel Burtscher
Das Prinzip von HIV-Selbsttests ist simpel: Blut entnehmen, mit einer Testsubstanz mischen und 15 Minuten warten. (Bild: Britta Pedersen/DPA)

Das Prinzip von HIV-Selbsttests ist simpel: Blut entnehmen, mit einer Testsubstanz mischen und 15 Minuten warten. (Bild: Britta Pedersen/DPA)

Es ist noch nicht so lange her, da sprachen sich Gesundheitsexperten gegen die Zulassung von HIV-Heimtests aus. Ihre Skepsis ist mittlerweile verschwunden, vor allem weil die Produkte deutlich zuverlässiger geworden sind. Nun hat die Schweizerische Heilmittelbehörde Swissmedic die Abgabe solcher Selbsttests für Laien bewilligt, sie dürfen bereits ab heute verkauft werden. Damit kann jeder und jede zu Hause überprüfen, ob er oder sie sich mit dem HI-Virus angesteckt hat. Bisher musste man dafür zum Hausarzt, ins Spital oder zu einer spezialisierten Teststelle.

Beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) hofft man, dass der einfachere Zugang zu HIV-Tests mehr Menschen dazu bringt, eine allfällige Infektion abzuklären. Denn nicht allen Betroffenen ist bewusst, dass sie sich mit dem Virus angesteckt haben. Das gilt hierzulande für schätzungsweise einen Fünftel aller Infizierten. Rund 20000 Menschen in der Schweiz leben mit HIV, jedes Jahr kommen über 500 dazu. Erfahrungen in anderen Ländern haben laut dem BAG gezeigt, dass mit HIV-Selbsttests Personen erreicht werden können, die sich sonst möglicherweise nicht testen lassen.

Das bestätigt Daniel Seiler, Geschäftsführer der Aids-Hilfe Schweiz: «Die Selbsttests bieten eine zusätzliche und anonymere Möglichkeit, sich zu testen», sagt er. Nicht jeder Mensch gehe gleich offen mit seiner Sexualität um. «Der Besuch eines Arztes oder einer Teststelle ist für viele Menschen noch immer eine Hemmschwelle», sagt Seiler. Für Personen wiederum, die sich sowieso regelmässig testen lassen, böten solche Selbsttests mehr Komfort. Gleichzeitig betont Seiler: «Nach einer Risikosituation ist weiterhin unerlässlich, schnell zum Arzt zu gehen.» Dieser kann eine vorbeugende Notfall-Behandlung mit antiretroviralen Medikamenten einleiten. Diese senkt das Risiko einer allfälligen Übertragung von HIV.

Ein Ergebnis in 15 Minuten

In Europa gibt es bereits mehrere Modelle von Selbsttests, die zur Eigenanwendung ausgelegt und als solche zertifiziert sind. Sie sind zu erkennen an der CE-Kennzeichnung auf der Packung und auf der Gebrauchsanweisung. Alle diese Modelle können theoretisch nun auch in der Schweiz verkauft werden. In europäischen Ländern kosten sie um die 20 Euro, je nach Land und Produkt.

Bis die ersten Tests in den Regalen stehen, kann es noch dauern. Die Hersteller und Abgabestellen würden sich nun für den Verkauf einrichten, heisst es beim BAG. Man gehe aber davon aus, dass sie schon bald angeboten werden. Die Selbsttests wird man auch legal über das Internet kaufen können. Das BAG empfiehlt jedoch, diese in einer Apotheke oder einer Drogerie zu beziehen. Dort sei eine persönliche Beratung möglich und das Risiko, eine Fälschung oder ein nicht zugelassenes Modell zu erhalten, minim. Grundsätzlich dürfen die Selbsttests auch an anderen Orten angeboten werden, solange die gesetzlichen Grundlagen eingehalten werden.

Das Prinzip der Selbsttests ist simpel: Man sticht sich in eine Fingerbeere und nimmt einen Tropfen Blut. Diesen mischt man mit einer Testsubstanz. Nur 15 Minuten später weiss man, ob man HIV-positiv ist oder nicht. Jedem Selbsttest muss gemäss dem BAG ein Beipackzettel beigelegt werden. Darin wird unter anderem erklärt, dass ein positives Testergebnis auf eine wahrscheinliche Ansteckung mit HIV hinweist. Betroffene Personen werden zudem angewiesen, sich so rasch wie möglich an einen Arzt oder eine professionelle Beratungsstelle zu wenden und das Ergebnis aus dem Selbsttest mit einem Labortest überprüfen zu lassen.

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