«Grösste Engpässe im Mittelland»

Der Thurgauer SVP-Nationalrat Markus Hausammann sitzt im bürgerlichen Komitee gegen die zweite Gotthardröhre. Der Landwirt sagt, warum er gegen das Vorhaben antritt – und weshalb er im Parlament noch dafür stimmte.

Tobias Gafafer/Bern
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Markus Hausammann rechnet wegen des Gotthards mit Verzögerungen bei wichtigeren Projekten. (Bild: ky/Gian Ehrenzeller»)

Markus Hausammann rechnet wegen des Gotthards mit Verzögerungen bei wichtigeren Projekten. (Bild: ky/Gian Ehrenzeller»)

Herr Hausammann, warum engagieren Sie sich im bürgerlichen Komitee gegen die zweite Gotthard-röhre?

Markus Hausammann: Im Vordergrund stehen finanzielle Gründe. Die grössten Engpässe und häufigsten Staus auf dem Nationalstrassennetz entstehen nicht am Gotthard, sondern im Mittelland. Die wichtigen Ausbauprojekte in den Agglomerationen müssen auch finanziert sein und haben Priorität. Zudem hat es das Parlament leider versäumt, für den Gotthard eine Tunnelgebühr einzuführen, wie es in europäischen Ländern üblich ist. Das hätte die Finanzierung des Baus und auch des Unterhalts des zweiten Strassentunnels gesichert.

Verkehrsministerin Doris Leuthard und ihr Departement sagen, die Engpassbeseitigung sei mit dem Gotthard nicht gefährdet.

Hausammann: Man kann tatsächlich nicht sagen, dass Projekte der Engpassbeseitigung grundsätzlich gefährdet wären. Das Problem aber ist, dass es zu Verzögerungen kommt, wenn die Mittel knapp werden. Die Priorisierung für den Gotthard wird stattfinden, wenn das Stimmvolk der zweiten Röhre zustimmt. Es geht um mindestens eine Milliarde Franken zusätzlich, die nicht rechtzeitig für andere Projekte im Mittelland und anderswo zur Verfügung stehen würde.

In der Schlussabstimmung im Nationalrat befürworteten Sie noch die zweite Röhre. Was hat Sie zum Umdenken bewogen?

Hausammann: Ich habe mich im Parlament in den vorangehenden Abstimmungen zu dieser Vorlage aus Rücksicht auf meine Partei enthalten. Die Schlussabstimmungen finden jeweils am letzten Sessionstag in sehr hoher Kadenz statt. Da kann es schon einmal verkommen, dass man den falschen Knopf drückt.

Das Tessin befürchtet, bei einer Sanierung ohne zweite Röhre abgehängt zu werden. Zu Recht?

Hausammann: Die Sanierung drängt sich nicht auf, der Tunnel kann laut dem Bund bis 2035 sicher betrieben werden. Es bleibt genug Zeit, um die Sanierung so aufzugleisen, dass die Tessiner den Anschluss nicht verlieren. Mit einer guten Planung lässt sich der Zeitraum, in dem der Gotthardtunnel für den dringlichen Tagesverkehr gesperrt werden muss, stark begrenzen.

Ein Problem hat auch der Schwerverkehr, der auf die Neat oder andere Strassen ausweichen müsste.

Hausammann: Es war die Idee des Neat-Basistunnels, dass ein grosser Teil des Güterverkehrs auf die Schiene verlagert wird.

Sie sind ein Politiker, der zur eigenen Meinung steht. Wie gehen Sie mit der Kritik in der SVP um, dass Sie zu wenig linientreu seien?

Hausammann: Die SVP ist eine breite Volkspartei. Als Landwirt setze ich in Finanz- und Umweltfragen manchmal etwas andere Prioritäten. Damit muss die Partei leben – und damit muss auch ich leben. Es gibt innerhalb der SVP andere Exponenten, die bei anderen Themen abweichen. Das ist für uns ebenfalls kein Problem.

Bild: TOBIAS GAFAFER/BERN

Bild: TOBIAS GAFAFER/BERN

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