Grenzwächter will Freispruch

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Totgeburt-Fall Im Prozess gegen den Schweizer Grenzwächter hat die Anklage eine mehrjährige Freiheitsstrafe gefordert. Der Grenzwächter hätte es im Umgang mit der schwangeren Syrerin, die bei einer Rückschaffung im Jahre 2014 eine Totgeburt erlitt, an «jeder Menschlichkeit» fehlen lassen. Die Verteidigung hingegen forderte einen Freispruch. Der Mann habe als Einsatzleiter angemessen gehandelt, als er die Notlage erkannt habe.

Vor Gericht hatte gestern der Ankläger betont, dass eine schwangere Frau mit Schmerzen und Blutungen ins Spital gehöre. Das sei jedem Laien mit gesundem Menschenverstand klar. Doch der Angeklagte habe es vorgezogen, auf dem Perron mit seinen Kollegen zu rauchen und zu plaudern. Der Flüchtlingstransport sei ihm einfach nicht gelegen gekommen, an einem schönen Freitagabend im Sommer, kurz vor Feierabend: «Man wollte lieber nach Hause.»

«Ich habe die Lage falsch eingeschätzt»

Die Anklage erhob schliesslich eine ganze Reihe von Vorwürfen, der schwerwiegendste lautet auf Tötung. Sollte das Gericht von diesem Tatbestand ausgehen, forderte die Anklage eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren. Sollte das Gericht aber von einem weniger gravierenden Tatbestand ausgehen, dann solle der Angeklagte zu einer dreijährigen, teilbedingten Freiheitsstrafe verurteilt werden. Die Anwältin der Opferfamilie verlangte zudem Genugtuung für die Mitglieder der Flüchtlingsfamilie von 820000 Franken.

Die Verteidigung wies die Vorwürfe zurück. Es sei bestimmt nicht alles optimal gelaufen, räumte der Verteidiger ein. Doch strafrechtliche Tatbestände lägen keine vor. Der Angeklagte gab zu, dass er die Lage falsch eingeschätzt habe.

Das Urteil wird am 7. Dezember bekanntgeben. (sda)