Grenze bei 300 Personen: Der Bundesrat will das Veranstaltungsverbot verschärfen

Der Bund will am Freitag das Verbot für Veranstaltungen ausdehnen. Zu Anlässen dürfen nicht mehr als 300 Personen zugelassen werden. 

Sven Altermatt und Maja Briner
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Veranstaltungen mit mehr als 300 Personen sind neu verboten.

Veranstaltungen mit mehr als 300 Personen sind neu verboten.

Bild: Christian Herbert Hildebrand 

Das Corona-Virus verändert weltweit das Alltagsleben. Regierungen greifen zu teils drastischen Massnahmen, um die Ausbreitung des Erregers einzudämmen. Italien ist quasi dicht gemacht, und auch im Tessin hat die Kantonsregierung schon in Eigenregie tiefgreifende Schritte eingeleitet. Dass morgen Freitag der Schweizer Bundesrat nachziehen wird, steht angesichts der schnellen Ausbreitung des Virus ausser Frage.  

Die Frage ist bloss: Wie weit wird die Landesregierung gehen? Recherchen der Redaktion CH Media zeigen, dass das öffentliche Leben in der Schweiz weiter eingeschränkt werden dürfte. Die Landesregierung hat den Kantonsregierungen eine zweite Corona-Verordnung zur Vernehmlassung vorgelegt, am Freitagmorgen wird sie diese verabschieden. Das landesweite Veranstaltungsverbot soll demnach über den 15. März hinaus bestehen bleiben – und weiter verschärft werden: Bisher sind Grossveranstaltungen mit über tausend Besuchern grundsätzlich verboten, neu soll diese Grenze bereits bei einer tieferen dreistelligen Zahl angesetzt werden.  

Noch ist offen, was genau der Bundesrat in seiner Verordnung festschreiben wird. Doch mehrere Quellen bestätigen: Den Krisenmanagern von Gesundheitsminister Alain Berset schwebt der Wert von 300 Personen vor. Das Veranstaltungsverbot dürfte bis weit in den April hinein, vielleicht sogar bis Frühsommer ausgedehnt werden.

Bisher Wildwuchs in den Kantonen

Bei Anlässen mit weniger als tausend Besuchern mussten die Kantone bisher eine Risikoabwägung vornehmen und selbst entscheiden. Einige Kantone haben die Regelung des Bundesrats strenger ausgelegt. Besonders restriktiv ist etwa Genf: Alle Anlässe mit über 100 Personen – egal ob in privatem oder öffentlichem Rahmen – sind verboten. Eine Ausnahme gilt einzig für Veranstaltungen, bei denen alle sitzen und eine gewisse Distanz einhalten können, wie etwa im Kino.

Ganz anders handhabt es der bevölkerungsreichste Kanton der Schweiz: In Zürich sind alle Veranstaltungen mit weniger als 1000 Personen bisher erlaubt, Bewilligungen sind keine nötig. Der Kanton hat einzig Empfehlungen ausgegeben, dass beispielsweise Veranstaltungen mit vielen Personen «in engem körperlichem Kontakt» wie etwa in Clubs nicht durchgeführt werden sollen. Kurz: Die meisten Kantone führten zwar eine Bewilligungspflicht für Anlässe ab 150 Personen ein, doch einige scherten aus.

Noch weiter als Genf ging am Mittwoch der Kanton Tessin. Seit Mitternacht gilt der Notstand; Kinos, Theater, Fitnesszentren, Bars und nachobligatorische Schulen bleiben zu. Richard Neher, Epidemiologe am Biozentrum der Uni Basel, hält diesen Schritt für richtig. Und: Aus epidemiologischer Sicht wäre es laut Neher sinnvoll, diese Massnahmen auf die ganze Schweiz auszuweiten.

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