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Bundesratspläne der FDP: Darum spielt Gössi für Keller-Sutter den Winkelried

Karin Keller-Sutter ist die Kronfavoritin für einen Sitz im Bundesrat. Nun bekommt die Ostschweizerin Konkurrenz von der Schwyzerin Petra Gössi. Warum das für Keller-Sutter nicht schlecht sein muss, schreibt Chefredaktor Stefan Schmid in seinem Leitartikel.
Stefan Schmid
Stefan Schmid

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Noch könnte es dauern, bis FDP-Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann sein Büro in der Bundesstadt räumt. Der Berner Magistrat wirkt zwar müde, doch das scheint für ihn bisher kein hinreichender Grund für eine vorzeitige Demission zu sein. Gut möglich, dass das Parlament in dieser Causa erst im Dezember 2019, anlässlich der Gesamterneuerungswahl des Bundesrats, zur Tat schreiten kann.

Immerhin, und das ist für den ungeduldig wartenden Freisinn tröstlich, stehen mehrere starke Kandidatinnen in den Startlöchern. Primär und vor allem natürlich Karin Keller-Sutter, die St. Galler Ständerätin. Da muss man nicht einmal die Ostschweizer Patriotenbrille aufsetzen, um zu dieser Schlussfolgerung zu gelangen. Die 54-jährige Wilerin bringt den am besten gefüllten Rucksack für das hohe Amt mit. Das ruft Neider auf den Plan. Und es ist, das zeigen vergangene Bundesratswahlen, manchmal sogar ein Grund, jemanden nicht in die Regierung zu wählen. Wer als starke Persönlichkeit den Durchschnitt überragt, lebt in der bieder-republikanischen Schweiz gefährlich.

Dass Keller-Sutter überall und ständig als Favoritin genannt wird, ist für sie, aber auch für ihre Partei, die 29 Jahre nach dem Rücktritt von Elisabeth Kopp endlich mal wieder eine Frau in die Landesregierung hieven sollte, eher ungünstig. Wie gerufen kommt deshalb die mediale Inszenierung eines vermeintlichen Frauenkampfes zwischen der St. Galler Ständerätin und Parteipräsidentin Petra Gössi. Die Schwyzerin wird dabei zur einzigen ernsthaften Gegenkandidatin zu Keller-Sutter emporstilisiert. Gössi könnte dieses Spiel sofort beenden, indem sie sich selber unmissverständlich aus dem Rennen nimmt. Gründe hierfür gäbe es wie Aktenordner in der Bundesverwaltung. Doch genau das tut die 42-Jährige nicht.

Zwei Erklärungen liegen auf der Hand: Entweder schielt Gössi tatsächlich auf eine baldige Karriere im Bundesrat. Angetrieben vom Ehrgeiz und gebauchpinselt ob der zahlreichen Medienspekulationen, ­verzichtet sie auf ein klares Dementi eigener Bundesratspläne. Diese Erklärung ist nicht ganz auszuschliessen. Doch sie liegt nicht auf der Hand.

Als Parteichefin weiss Gössi genau, was ihre Aufgabe ist. Sie muss den Freisinn bei den Wahlen im Herbst 2019 zum Triumph führen. Und sie muss die Wahl einer starken Persönlichkeit in den Bundesrat aufgleisen. Es versteht sich eigentlich von selbst, dass die jugendlich wirkende Parteichefin deshalb nicht selber in den Ring steigen kann, zumal es ihr im Unterschied zu Keller-Sutter an Exekutiverfahrung mangelt.

Plausibel ist deshalb eine andere Erklärung: Gössi spielt für Keller-Sutter den Winkelried. Indem sie die Spekulationen um eine eigene Kandidatur bewusst am Leben erhält, lenkt sie die Scheinwerfer etwas von der seit geraumer Zeit unter Beobachtung stehenden Ständerätin weg. Gleichzeitig werden potenzielle männliche Kandidaten abgeschreckt, ihre Fühler zu weit auszustrecken. Das Signal, das Gössi aussendet, ist klar. Frauen stehen im Vordergrund. Ein schöner Nebeneffekt dieser Inszenierung ist eine nette, im Idealfall noch lange anhaltende Berichterstattung in den Medien über das FDP-Frauen­power-Duo. Gössi gegen KKS – eine prickelnde Geschichte.

Durchatmen ist angesagt. Noch fliesst viel Wasser die Reuss hinunter. Eineinhalb Jahre sind in der Politik eine halbe Ewigkeit. Die FDP-Zentrale in Bern ist strategisch gut aufgestellt, um auch diese Bundesratswahlen unfallfrei ins Ziel zu schaukeln. Aus Zentralschweizer Sicht gibt es ohnehin keinen Grund zur Aufregung. Die besseren Chancen für einen Sitz im Bundesrat bietet sich der Region nach einem Rücktritt von Doris Leuthard. Mehrere Zentralschweizer CVP-Politiker gehören zum engeren Favoritenkreis.

stefan.schmid@tagblatt.ch

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