Bastianfeier

Gipfeltreffen der Schützen-Lobby

An der traditionellen Bastiansfeier in Olten sprachen sich die Gegner der Waffen-Initiative gegenseitig Mut zu. Ob das hilft wird sich noch zeigen.

Lorenz Honegger
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 Alt-Kantonsratspräsident Hans Abt und Peter Flückiger Kurator Naturmuseum Olten
15 Bilder
 Bastiansvater Rolf Büttiker bei Ansprache.
 Bastiansvater SR Rolf Büttiker.
 Bastiansglocke bko
So ging das Bastian-Fest über die Bühne
 Heinz Eng Präsident Stadtschützen Olten
 Kantonsratspräsident Claude Belart Landammann Christian Wanner und Divisionär Eugen Hofmeister.
 Stadtschützen-Präsident Heinz Eng Olten bko
 NR Pirmin Bischof (der Zweite in Olten) Dietschi CEO Thomas Müller und Beat Loosli bko
 SR Rolf Büttiker und Bastians-Festredner Dr Ulrich Knellwolf bko
 Ohne die vielen Bastiennes ging nichts - das Serviceteam mit Bernerplatte als traditionellem Menue bko
 Stadtmusik Olten unter Leitung Marco Müller bko
 SR Rolf Büttiker legt beim Solothurnermarsch mit der Stadtmusik Olten gleich selbst Hand als Dirigent an bko
 Stadtschützen-Präsident Heinz Eng Olten bko

Alt-Kantonsratspräsident Hans Abt und Peter Flückiger Kurator Naturmuseum Olten

Es sitzen fast nur Männer im Konzertsaal der Aarestadt Olten. Schwarze Anzüge prägen das Bild, farblich unterbrochen durch wenige Armeeuniformen. Noch geringer ist nur die Zahl der Frauen im Saal. Aus allen Landesteilen sind die 350 Gäste zur Bastiansfeier der Stadtschützen angereist. Was sie an diesem Sonntag eint, ist der Schiesssport.

Die hörbar heitere Stimmung im stramm bürgerlichen Publikum ist oberflächlich, eher durch Bier- und Rotweinkonsum als durch Zuversicht bedingt. Unterschwellig brodelt es. In weniger als einem Monat gelangt die aus linken Kreisen lancierte Waffeninitiative an die Urne, ein Volksbegehren, welches bei Annahme das gegenwärtige Waffenrecht entscheidend verschärfen würde.

Die Einlagerung der Armeewaffe zu Hause würde den meisten Soldaten verwehrt. Und so sehen die Gäste an der Bastiansfeier das Ende des Schiessens als Breitensport bereits vor sich. Da spielt es eine untergeordnete Rolle, dass die Oltner Stadtschützen ihr 200. Jubiläum seit der Neugründung im Jahr 1811 feiern und einen neuen Schirmherrn küren dürfen, den Bastiansvater.

Ablehnung - ohne Wenn und Aber

«Mit Hartnäckigkeit verteidigen wir Schützen uns immer wieder gegen viel Ungemach gegen unseren Schiesssport», sagt Vereinspräsident Heinz Eng mit fester Stimme. «Hartnäckigkeit im Sinne, dass wir alle die Waffeninitiative ohne Wenn und Aber, konsequent und klar, und auf allen Stufen kompromisslos ablehnen», so Eng. Eine Annahme der Initiative verunmögliche den Fortbestand der Tradition. «Zu hoch wären danach Auflagen und Preis, dass der Schiesssport als Breitensport noch weitergeführt werden könnte.»

Das von Eng heraufbeschworene Motiv der Hartnäckigkeit ist fester Bestandteil der Identität der Oltner Stadtschützen. Ihr Schutzpatron, Sankt Sebastian, gilt als bestes Beispiel dafür: Im dritten Jahrhundert bekannte sich der römische Soldat offen zum Christentum, worauf ihn Kaiser Diokletian zum Tod verurteilte. Sebastian überlebte, bekannte sich nach seiner Genesung erneut zu seinem Glauben, worauf er abermals verurteilt wurde und auf Geheiss des Kaisers durch Keulenhiebe einen grausamen Tod starb.

«Vorwärts, Marsch!»

Kein anderer Schützenvertreter im Oltner Konzertsaal strahlt an diesem Sonntagnachmittag mehr kämpferische Hartnäckigkeit aus, als der neue Schirmherr der Stadtschützen, FDP-Ständerat Rolf Büttiker. «Sie wissen alle, was auf dem Spiel steht», mahnt der Solothurner Politiker, anfangs noch in gelassenem Tonfall. «Wenige Wochen bleiben uns. Stillsitzen und zuschauen im Vertrauen auf die staatsbürgerliche Verlässlichkeit der Schützen wäre riskant.» Im Initiativkomitee sieht Büttiker einen Wolf im Schafspelz.

Nach einem Ja wäre ein Einbruch der Teilnehmerzahl am Eidgenössischen Feldschiessen die logische Konsequenz, dann komme die Abschaffung des obligatorischen Schiessens, die Abschaffung der Schützenvereine und zu guter Letzt folge das «Endziel». Büttiker: «Dann kommt die Abschaffung der Armee.» Noch einmal fordert er seine Gesinnungsgenossen auf, dafür zu sorgen, «dass die Dinge so kommen, wie wir sie wollen», und schliesst seine Rede mit einem «Vorwärts, marsch!»-Ruf.

Bischof - der leidenschaftliche Schütze

Einen weniger geladenen Eindruck macht CVP-Nationalrat Pirmin Bischof, ebenfalls Vertreter des Nein-Lagers. Am Rande der Feier berichtet er von seiner Zeit als ambitionierter Jungschütze und davon, wie er in der Armee den Schützen-Ehrgeiz verlor - «weil es ab dann obligatorisch war», so Bischof. In Abstimmungskämpfen werde halt viel dramatisiert, «manchmal wird auch übertrieben». Das Ende des Schiesssportes bedeute ein allfälliges Volks-Ja nicht. Bischof: «Aber es wäre ein klares Signal gegen das Schützenwesen.»