Gipfeltreffen der Erbsenzähler – der Bund mietet für 955‘000 Franken den Berner Kursaal

Statistiker aus aller Welt kommen nächstes Jahr in Bern zu einem Kongress zusammen. Das lässt sich der Bund einiges kosten. Doch ging bei der Miete des Kursaals alles mit rechten Dingen zu?

Sven Altermatt
Drucken
Teilen
Blick in den Berner Kursaal (hier bei einer Veranstaltung des Bauernverbandes). (Bild: KEY)

Blick in den Berner Kursaal (hier bei einer Veranstaltung des Bauernverbandes). (Bild: KEY)

Sie haben den Ruf, präzise, gründlich und pedantisch zu arbeiten: die Statistiker im Dienst des Staates. In der Schweiz gilt das Bundesamt für Statistik (BFS) als das schweizerischste aller Bundesämter.

Wie viele Schweine grunzen in hiesigen Ställen? Was kostet ein Haarschnitt beim Coiffeur? Und welches sind die gefährlichsten Strassen im Land? Das Bundesamt für Statistik weiss es.

Die Behörde mit Sitz in Neuenburg geniesst auch international einen guten Ruf. Deshalb ist es ihr eine grosse Ehre, bald die Crème de la Crème der Statistiker in der Schweiz begrüssen zu dürfen: 2020 wird das Bundesamt für Statistik im Auftrag der UNO das Weltdatenforum organisieren. Der Anlass wird vom 18. bis 21. Oktober in Bern stattfinden. Beim Forum geht es unter anderem um die Rolle der öffentlichen Statistik. Erwartet werden 1200 Teilnehmer.

955'000 Franken für die Miete

Den Anlass lässt sich der Bund etwas kosten: Das BFS hat für 955‘000 Franken den Berner Kursaal gemietet. Das geht aus einem kürzlich veröffentlichten Zuschlagsentscheid hervor. Inbegriffen ist neben den Kongressräumen und der Technik auch die Verpflegung. Demnach belaufen sich die Kosten auf fast 800 Franken pro Teilnehmer – Übernachtungen und Transfers noch nicht einberechnet. An der Organisation ist neben dem BFS auch das Aussendepartement beteiligt.

Pikant dabei ist: Damit die Berner Kongress & Kursaal Bern AG den Prestigeauftrag erhielt, musste sie sich nicht in einem beschaffungsrechtlichen Verfahren durchsetzen. Das Bundesamt für Statistik mietete den Kursaal freihändig. Und das, obwohl das Auftragsvolumen deutlich über dem Schwellenwert für eine öffentliche Ausschreibung liegt. Gemäss Gesetz müssen Aufträge für Dienstleistungen – und dazu zählt auch die Miete eines Kongresszentrums – ab 230‘000 Franken öffentlich ausgeschrieben werden.

Keine Ausschreibung, kein Wettbewerb

Wird ein Auftrag ohne Ausschreibung vergeben, gibt es keinen Wettbewerb zum Vorteil der Steuerzahler. Erlaubt ist dieses Vorgehen lediglich in wenigen Ausnahmefällen. Auch das Bundesamt für Statistik macht einen solchen geltend. Der Kursaal sei die einzige Lokalität in der Bern, «in der ein Kongress in dieser Grösse zu diesem Zeitpunkt durchgeführt werden kann».

Die Vergabe an den Kursaal erfolgte ohne öffentliche Ausschreibung. (Bild: Bruno Utz)

Die Vergabe an den Kursaal erfolgte ohne öffentliche Ausschreibung. (Bild: Bruno Utz)

Der Auftrag sei zwar nicht in einer öffentlichen Ausschreibung vergeben worden, trotzdem habe man mehrere Offerten eingeholt, rechtfertigt sich das Bundesamt für Statistik auf Anfrage. In Bern selbst sei kapazitätsmässig nur noch die Expo für den Anlass eine Option gewesen. Doch: «Die Expo Bern ist an diesem Datum ausgebucht, somit kam nur der Kursaal infrage», erklärt ein BFS-Sprecher.

Bei der Vorbereitung der Bewerbung für das Weltdatenformen seien zudem auch die Standorte Genf, Montreux und Interlaken geprüft wurden. Man habe jeweils ebenfalls Offerten eingeholt, so der Sprecher. «Insgesamt waren die Gesamtkosten für alle vier Standorte in etwa gleich hoch.» Nach Abwägung aller Kriterien sei man zum Schluss gekommen, «dass die Bewerbung der Schweiz die höchste Chance hat, wenn der Standort Bern gewählt wird».