Umfragen
Gewinnerin oder Verliererin: An der SVP scheiden sich die Umfrageinstitute

Welche Wahlumfragen kamen den tatsächlichen Wähleranteilen am nächsten? Ein Vergleich – und ein günstiger Alternativvorschlag.

Gion-Mathias Durband
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Dokumente auf einem Pult des gfs in Bern.

Dokumente auf einem Pult des gfs in Bern.

Keystone

Wohl in keinem Land sind die öffentlichen Uhren zuverlässiger, nirgends wird vom Ableben über den Hausrat bis hin zum Konzertticket so freudig versichert wie hier. Unwägbarkeiten sind des Schweizers Sache nicht. Auch bei Wahlen wird der Bürger bereits Monate im Voraus mit Umfragen versorgt, welche trotz aller Warnungen der Autoren Erwartungen zum Wahlausgang aufkeimen lassen.

So erschienen auch bei diesen Wahlen bereits zu Jahresbeginn die ersten Umfrageergebnisse zu möglichen Gewinnern und Verlierern. Nach dem jüngsten Wahlsonntag ist es nun an der Zeit zurückzublicken: Wie nahe waren die Stimmungsbarometer der beiden prominentesten Institute diesmal mit Blick auf die Wähleranteile?

Zuerst die grosse Siegerin des Wahlsonntags, die SVP (29,4 Prozent Wähleranteil, +2,8 Prozent). Wie so oft – mit Ausnahme von 2011 – wurde ihr Erfolg auch heuer unterschätzt.

Das Meinungsforschungsinstitut gfs Bern unter der Leitung von Claude Longchamp veranschlagte die SVP anfangs Oktober auf 27,9 Prozent. Näher dran war das gleichzeitig erschienene Umfrageergebnis von Michael Hermanns Forschungsstelle Sotomo mit 29 Prozent. Die FDP als zweite Wahlsiegerin (16,4 Prozent, +1,3 Prozent) wurde von Sotomo (15,8 Prozent) unter- und vom gfs Bern (16,7 Prozent) leicht überschätzt. Bei der SP (18,8 Prozent, +0,1 Prozent) waren das gfs Bern mit 19,2 Prozent und Sotomo mit 18,4 Prozent gleich nah am Ergebnis.

Bei der CVP (11,6 Prozent, –0,7 Prozent) lagen sowohl das gfs Bern (11,5 Prozent) als auch Sotomo (11,4 Prozent) sehr nahe beim Resultat. Zu hoch lagen die Schätzungen zur GLP (4,6 Prozent, –0,8 Prozent) sowohl bei Sotomo (5,2 Prozent) wie beim gfs Bern (5 Prozent). Dasselbe gilt für die Grünen (7,1 Prozent, –1,3 Prozent), welche das gfs Bern auf 7,2 Prozent und Sotomo auf 7,4 Prozent schätzte. Auch für die BDP (4,1 Prozent, –1,3 Prozent) erwarteten sowohl das gfs Bern (4,6 Prozent) als auch Sotomo (4,9 Prozent) ein besseres Resultat.

Beide Institute weisen über alle Parteien gesehen im Schnitt exakt die gleiche Abweichung von 0,47 Prozentpunkte aus, keine der Prognosen war zuverlässiger als die andere. Unterschiede zeitigte primär die Einschätzung der SVP-Anteile, bei der das gfs um ganze 1,5 Prozentpunkte daneben lag (Sotomo: 0,4 Prozent Abweichung). Bei allen anderen Parteien hingegen lagen die Ergebnisse der gfs-Umfrage näher oder gleich nahe am tatsächlichen Resultat.

Wer sich für kommende Wahlen für keinen Meinungsforscher entscheiden kann oder will, kann sich auch selbst ein Bild zur Stimmungslage machen. Wie eine im Sommer veröffentlichte Studie des PSG College of Arts and Sciences im indischen Bundesstaat Tamil Nadu nahelegt, erlauben die Likes-Angaben auf den Facebookseiten der Parteien im Monat vor der Wahl ziemlich zuverlässige Vorhersagen über die Wahlsieger – wenn auch nicht zu den genauen Wähleranteilen. Das kommt auf jeden Fall günstiger als eine eigene Meinungsumfrage – und braucht auch nicht so viel Zeit.

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