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GESUNDHEITSKOSTEN: Wie hoch sind die Chefarztlöhne wirklich? Der Ruf nach Transparenz wird lauter

Schweizer Chefärzte sollen im Schnitt eine Million Franken pro Jahr verdienen. Der Berufsverband widerspricht. Nun werden Transparenz und eine Deckelung gefordert. In St.Gallen gibt es bereits Lohnobergrenzen.
Tobias Bär
Die Gehälter der «Götter in Weiss» rücken in den Fokus. (Bild: Gaëtan Bally/Keystone)

Die Gehälter der «Götter in Weiss» rücken in den Fokus. (Bild: Gaëtan Bally/Keystone)

Tobias Bär

Die Gesundheitskosten steigen unablässig in die Höhe, jedes Jahr um rund vier Prozent. Die Bevölkerung bekommt dies über das Prämienwachstum schmerzhaft zu spüren. Bei der Diskussion ­darüber, wie sich die Kosten dämpfen liessen, rückten zuletzt die Ärztelöhne in den Fokus. Gesundheitsminister Alain Berset (SP) ärgerte sich öffentlich darüber, dass einzelne Ärzte 80'000 bis 90'000 Franken pro Monat verdienten, bezahlt über die Krankenkassenprämien.

Diese Woche sorgt nun eine Analyse des Zürcher Vergütungsexperten Urs Klingler für Aufsehen, über welche die «Rundschau» des Schweizer Fern­sehens berichtete. Demnach kommen die Chefärzte in den Spitälern auf einen Bruttojahreslohn von 350'000 Franken bis 1,5 Millionen Franken. Der Durchschnittslohn wiederum liege bei rund einer Million Franken. Als Grundlage für die Berechnung dienten Daten des Bundes.

Verein der Chefärzte hält Rechnung für unseriös

Für den Verein der leitenden Spitalärzte der Schweiz (VLSS) wurden die Zahlen nicht seriös erhoben, wie VLSS-Mitarbeiter Markus Gubler sagt: «Die Chefärzte in der Schweiz verdienen im Durchschnitt mit Sicherheit weniger als eine Million.» Gemäss Umfrageergebnissen des VLSS aus dem Jahr 2016 liegen die Chefarztlöhne bei rund 370'000 Franken – wobei nicht auszuschliessen sei, dass ein grösserer Teil der antwortenden Vereinsmitglieder eher an kleineren ­Kliniken und Regionalspitälern praktizierten. «Auch dies könnte aber die Differenz nur teilweise erklären», so Gubler.

Der Gesundheitsökonom Heinz Locher hält die Zahlen von Klingler hingegen für «plausibel», eine gewisse Unschärfe lasse sich aber nicht ausschliessen. «Wenn die Spitäler diese aus der Welt schaffen wollen, dann müssen sie halt selber Transparenz herstellen. Derzeit herrscht ein Kartell des Schweigens.» Für mehr Transparenz sprach sich Ende 2016 auch der Bundesrat aus. Er antwortete auf einen ­Vorstoss der Luzerner SP-Nationalrätin Prisca Birrer-Heimo sinngemäss, dass jener Teil der Ärztelöhne, der über die Grund- versicherung berappt wird, ans Licht gehöre.

Spitäler generieren ihre Einnahmen aber auch aus Zusatzversicherungen. Auf diesen Punkt stützt sich denn auch die Ärztevereinigung FMH in ihrer Stellungnahme: Die hohen Ärzteeinkommen entstünden unter anderem durch Privatpatienten «und tragen daher nicht zu steigenden Krankenkassenprämien bei». Gemäss Heinz Locher erzählt dieses Argument nur die halbe Wahrheit: «Auch bei Patienten mit Zusatzversicherung wird der grösste Teil einer stationären Operation von der Grundversicherung gedeckt.» Für Birrer-Heimo zeigt die Diskussion den herrschenden Informationsbedarf bezüglich der Frage, wie sich die Löhne der Spitalärzte genau zusammensetzen.

Ähnlich äussert sich CVP-Nationalrätin Ruth Humbel. In der Wirtschaft sei es üblich, den Gesamtlohn der Geschäftsleitung und den Maximallohn zu nennen. «Diese Bestimmung könnten die Kantone in ihre Spitallisten aufnehmen», sagt Humbel. Denkbar wäre für die Gesundheitspolitikerin auch eine Pflicht, die Herkunft der Ärzteeinkommen nach Grundversicherung und Zusatzversicherung aufzuschlüsseln. Das Bundesamt für Gesundheit hält auf Anfrage fest, die Verbesserung der Transparenz liege in erster Linie in der Verantwortung der Ärzte. Eine schon länger angekündigte Studie über die Ärzteeinkommen werde im Frühjahr 2018 fertiggestellt.

In Lausanne und St.Gallen gibt es bereits Lohndeckel

Für Humbel sind Löhne von 1,5 Millionen Franken im öffentlichen Gesundheitswesen «bestimmt nicht im Interesse der Allgemeinheit». Sollte sich keine vernünftige Selbstregulierung einstellen, hält die Aargauerin eine Deckelung der Einkommen für vertretbar. Eine solche kennen etwa das Universitätsspital Lausanne (550'000 Franken) oder das Kantonsspital St.Gallen (700'000 Franken).

Der Verein der leitenden ­Spitalärzte hält fest, Chefärzte absolvierten lange Ausbildungen, stünden persönlich in der Verantwortung für Patienten, Personal und Klinik und leisteten hohe Arbeitspensen. Im Vergleich zu anderen mittleren und höheren Kaderpositionen in der Wirtschaft seien sie «sicher nicht zu hoch entlöhnt».

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