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GESUNDHEIT: Prämienhölle als Vorbild

Der Bund liebäugelt mit Obergrenzen für die Gesundheitskosten. Die Waadt operiert bereits seit Jahren mit einem Globalbudget im stationären Bereich. Dort konnten die Kosten gedämpft werden. Aber nur dort.
Tobias Bär
Auch für das Waadtländer Universitätsspital in Lausanne gilt ein Globalbudget. (Bild: Jean-Christophe Bott/Keystone)

Auch für das Waadtländer Universitätsspital in Lausanne gilt ein Globalbudget. (Bild: Jean-Christophe Bott/Keystone)

Tobias Bär

Kaum hatte Gesundheitsminister Alain Berset am Mittwoch die Idee einer Obergrenze für das Wachstum der Gesundheitskosten präsentiert, kam die geballte Ablehnung. In einer gemeinsamen Mitteilung zweifelten die Akteure des Gesundheitswesens unter anderem die Wirkung von Maximalbeträgen an: «Die Einführung von Globalbudgets in Deutschland und den Niederlanden hat zu keiner Dämpfung des Kostenwachstums geführt.»

Keine Erwähnung fanden die Kantone Waadt, Tessin und Genf. Sie wenden im stationären Bereich der Spitäler bereits Globalbudgets an. Der Kanton Waadt legt jährlich mit jedem Spital ein Budget fest. Sobald der Kostenrahmen überschritten wird, zahlt der Kanton seinen Anteil – 55 Prozent der Kosten – nicht mehr. Das betroffene Spital erhält die anfallenden Kosten nur noch zu 45 Prozent vergütet. Das entspricht dem Kostenanteil der Krankenkassen. Lässt sich die Überschreitung medizinisch begründen, wird das Budget für das kommende Jahr entsprechend angehoben.

Zweifel an Aussage des BAG-Direktors

Der Direktor des Bundesamts für Gesundheit (BAG), Pascal Strup­ler, zog Anfang Jahr eine positive Bilanz: In den drei Kantonen mit Globalbudget habe das Leistungsvolumen zwischen 2001 und 2014 nur halb so stark zugenommen wie in den anderen Kantonen, schrieb er in einem Artikel. In einem am Mittwoch vorgestellten Expertenbericht, der Berset als Grundlage für künftige Massnahmen dient, wird Strup­lers Aussage abgeschwächt zitiert. Die dämpfende Wirkung lässt sich demnach nur «vermuten». Das BAG teilt mit, zurzeit werde eine Studie zur Wirkung von Globalbudgets erarbeitet. Diese soll Ende 2018 vorliegen.

Der Direktor des Spitalverbandes H+, Bernhard Wegmüller, stört sich an der dünnen Datengrundlage: «Ich finde es ziemlich beklemmend, wenn ein solch fundamentaler Eingriff mit einer Einzelvermutung des BAG-Direktors begründet wird.» Statistiken und Analysen, welche die Vermutung stützten, liessen sich nirgends finden, so Wegmüller.

Für den Waadtländer Gesundheitsdirektor Pierre-Yves Maillard (SP) ist die positive Wirkung des Globalbudgets aber klar ersichtlich. «Im stationären Bereich liegt der Kanton Waadt bei den Kosten pro versicherter Person inzwischen unter dem Schweizer Durchschnitt», sagt Maillard. Dasselbe gelte für die Spitaleintritte pro 1000 Einwohner. Nicht ganz in diese Erfolgsgeschichte passen die hohen Krankenkassenprämien im Waadtland. In keinem anderen Kanton wachsen die Prämien im kommenden Jahr stärker (plus 6,4 Prozent) und nur in Basel-Stadt und in Genf liegen die Durchschnittsprämien höher. Mit dem geltenden Globalbudget liessen sich eben nur die Kosten im stationären Bereich senken, so Maillard. «Und diese machen in der Waadt nur 18 Prozent der gesamten Gesundheitskosten aus.»

Das Problem sei der ambulante Bereich, sagt Maillard. Im Gegensatz zum stationären Bereich werden ambulante Leistungen zu 100 Prozent von den Krankenkassen bezahlt. Während die Kosten im stationären Bereich in den vergangenen drei Jahren um 13 Millionen Franken gestiegen seien, «betrug das Wachstum bei den ambulanten Arztbehandlungen 120 Millionen Franken», sagt Maillard. Hauptgrund dafür sei die vorübergehende Aufhebung der Zulassungsbeschränkung für Ärzte im Jahr 2012.

Vorschlag soll Druck auf Akteure erhöhen

Die Einschränkungen im stationären Bereich durch das Globalbudget führten zu einer zusätzlichen Verlagerung in den ambulanten Bereich. «Ich befürworte deshalb den Vorschlag der Expertengruppe, für alle Kostenblöcke eine Ausgabenbremse einzuführen», sagt Maillard. Es gibt auch noch andere Erklärungsansätze für die hohen Gesundheitskosten in der Waadt. So hiess es vor einigen Jahren, unnötige Behandlungen kämen dort gehäuft vor. Der Gesundheitsökonom Heinz Locher sagt, die Gesundheitskultur in der Romandie unterscheide sich in verschiedener Hinsicht von jener in der Deutschschweiz. Unter anderem sei das Vertrauen in staatliches Handeln stärker ausgeprägt.

Die Ausdehnung des Globalbudgets als Normalfall auf die ganze Schweiz erachte er zwar «beim gegenwärtigen Wissensstand» für verfrüht, so Locher. Die Expertengruppe, der er selber angehörte, wolle den Akteuren mit dem Vorschlag aber aufzeigen, dass ihre bisherigen Abwehrstrategien mit den üblichen Worthülsen wie «Zweiklassenmedizin» in Zukunft nicht mehr greifen werde.

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