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Pharmafirmen liefern sich im Bereich der Gentherapie ein Übernahmerennen

Der Markt der Gentherapien ist noch relativ jung, doch der Wettbewerb zwischen den grossen Pharmafirmen scheint bereits entbrannt.
Interview: Gabriela Jordan
Daniela Suter ist Geschäftsleiterin der Stiftung Gen Suisse (von Interpharma finanziert). Bild: PD

Daniela Suter ist Geschäftsleiterin der Stiftung Gen Suisse (von Interpharma finanziert). Bild: PD

Der Markt der Gentherapien ist noch relativ jung, doch der Wettbewerb zwischen den grossen Pharmafirmen scheint bereits entbrannt. Liefern sich Roche und Novartis ein Übernahmerennen?

Daniela Suter: In der Pharmabranche gibt es tatsächlich einen Hype um Zell- und Gentherapien. Es finden viele Fusionen und Übernahmen statt, weil es häufig eher kleinere Firmen in den USA sind, die das Know-how auf diesem Gebiet besitzen. Zum Beispiel hat Roche die US-Biotechfirma Spark Therapeutics übernommen. Sicher ist: Die grossen Player, die jetzt nicht in diesen Zukunftsmarkt investieren, bleiben langfristig auf der Strecke.

Gerade in den USA sind die Gesetze für die Erforschung der Genforschung weniger restriktiv. Wie steht die Schweiz als Forschungsplatz international momentan da?

Im Moment stehen wir sehr gut da. Aber wir müssen auch schauen, dass das so bleibt und sich die Bedingungen nicht zum Schlechten wenden. Beispielsweise wurde letzte Woche eine Initiative eingereicht, die Tierversuche sowie medizinische Versuche an Menschen komplett verbieten will. Das hätte enorm negative Konsequenzen auf die hiesige Forschung. Selbst neue Impfstoffe könnten dann nicht mehr getestet werden. In der Schweiz wird schon viel getan, um Tierversuche auf ein Minimum zu reduzieren. Aktuell sind die Bedingungen für die Forschung gut, doch wir möchten auch in fünfzehn Jahren einen offenen Forschungsplatz haben, um etwa die Methode Crispr weiterzuentwickeln.

Die Methode, die mit den genetisch veränderten Babys in China in Verbindung gebracht wird, was voriges Jahr weltweit für Empörung gesorgt hat. Wie hoch schätzen Sie unter diesem Aspekt die Akzeptanz der Schweizer für Gentherapien ein?

Ich glaube, dass die Akzeptanz für Gentherapien in der Medizin sehr hoch ist. Wenn es darum geht, Krankheiten wie Krebs zu heilen, ist das Thema unumstritten. Bei den Crispr-Babys aus China handelt es sich um andere Dimensionen. Solche Experimente werden bei uns nicht akzeptiert und sind ausserdem gesetzlich verboten, da die Forschung an Embryonen in der Schweiz nicht zugelassen ist. Anders ist die Lage in den USA oder in Grossbritannien, wo die Forschung an Embryonen unter gewissen Umständen erlaubt ist – etwa zur Abklärung von Fruchtbarkeitsproblemen. Diese Em­bryonen müssen aber nach wenigen Tagen vernichtet werden. Vielleicht wird dies eines Tages auch in der Schweiz der Fall sein.

Kommen wir also auf die Vorteile der Gentechnik zu sprechen. Welche Krankheiten können heute auf diese Weise geheilt werden? Und welche in der Zukunft?

Mit Gentherapien lassen sich theoretisch Erkrankungen am Nervensystem, des Blutes, auch Krebs oder Infektionskrankheiten wie HIV heilen. Auf dem Markt gibt es heute zum Beispiel bereits Gentherapien gegen bestimmte Augenkrankheiten oder Hautkrebs. Auch sind wir so weit, dass sich manche Krebsarten heilen lassen: Mit der CAR-T-Therapie Kymriah werden die Zellen des Patienten so verändert, dass sie im Körper Krebszellen aufspüren und vernichten können. Das Risiko dieser Therapie ist aber, dass sie zu einer heftigen Reaktion des Immunsystems führen kann. Sie ist also nicht ganz ungefährlich, wird aber sowieso bloss bei austherapierten Patienten angewendet.

Wie häufig wird die Therapie ungefähr angewendet?

Weltweit ist es momentan noch eine geringe Anzahl Patienten.

Ein Grund ist, weil solche Therapien noch wahnsinnig teuer sind. Werden sie irgendwann für Normalverdiener erschwinglich sein?

Es stimmt, dass Gentherapien noch sehr teuer sind. Die Kym­riah-Therapie wird zwischen 300 000 und 400 000 Franken kosten. Man muss aber auch sehen, dass dadurch Folgekosten verhindert werden. Wird ein todkranker Patient geheilt, wird ihm ein
jahrelanger Leidensweg und dem Gesundheitssystem hohe Betreuungskosten erspart. Hinzu kommt, dass der Betroffene wieder arbeiten kann. Aus meiner Sicht ist ein innovatives Finanzierungsmodell unumgänglich und von grossem öffentlichem Interesse. Der heutige
Finanzierungsprozess im Gesundheitswesen ist dazu nicht geeignet.

Bei Gentherapien stehe die frühzeitige Diagnose und die Prävention im Vordergrund, heisst es häufig. Doch werden Menschen durch Gentests und dem Berechnen des persönlichen Risikos nicht eher verunsichert?

Das ist eher ein Problem in den USA. In der Schweiz dürfen medizinische Gentests glücklicherweise nur von Ärztinnen und Ärzten veranlasst werden. Und diese werden lediglich bei Verdacht auf Erbkrankheiten wie Brustkrebs gemacht. Das macht absolut Sinn. Letztlich lässt sich aber auch von der Genetik nicht vollständig darauf schliessen, ob und wann jemand krank wird. Auch die Umwelt und der Lebensstil spielen eine grosse Rolle.

Hinweis: Am Mittwoch und Donnerstag findet im KKL Luzern die Fachtagung «Trendtage Gesundheit» statt. Daniela Suter ist eine der Referentinnen. Mehr Informationen zur Tagung gibt es hier.

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