Gentech-Vorlage des Bundes stösst Kritikern sauer auf

Der Bundesrat will ab 2018 die Aussaat von gentechnisch veränderten Pflanzen ermöglichen. Umweltverbände und Landwirte fühlen sich vor den Kopf gestossen.

Eveline Rutz
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BERN. «Die Risiken der Gentechnik sind gering», stellte vor einem halben Jahr ein nationales Forscherteam fest. Gentechnisch veränderte Pflanzen (GVP) schadeten weder der menschlichen Gesundheit noch der Umwelt. Auch in der kleinräumig strukturierten Schweiz sei eine Koexistenz mit konventionellen Pflanzen grundsätzlich möglich. Auf diese Ergebnisse beruft sich der Bundesrat nun, da er die Zeit nach dem Gentech-Moratorium vorbereitet. Gestern hat er ein Paket gesetzlicher Änderungen in die Vernehmlassung geschickt, das Anfang 2018 in Kraft treten soll.

Korridore dazwischen

Oberste Priorität räumt er dabei dem Schutz herkömmlicher Kulturen sowie der Wahlfreiheit der Konsumenten ein. Freiflächen zwischen den Äckern sollen verhindern, dass sich die Pflanzen vermischen. Der Bundesrat schlägt vor, dass Flächen mit hohem Naturwert besonders geschützt werden. Die Regierung will aber der Forschung mehr Spielraum geben. Das Verbot für Freisetzungsversuche von GVP mit Antibiotikaresistenzgenen soll aufgehoben werden.

Bei der Wirtschaft kommen diese Pläne gut an. «Wir dürfen unseren Forschungs- und Wirtschaftsstandort keinesfalls schwächen», sagt Stefan Vannoni von Economiesuisse. Grundsätzlich sei es zu begrüssen, dass der Bundesrat den Rahmen für eine Koexistenz vorbereite. Man werde die Vorschläge des Bundesrates nun kritisch prüfen.

«Kein Nutzen – aber Risiken»

Exakt dies hat auch Greenpeace vor. Geht es nach der Umweltorganisation, sollen in der Schweiz aber gar nie GVP angebaut werden: «Sie haben für den Konsumenten keinen Nutzen, sind aber mit Risiken verbunden.»

Die Grünen teilen diese Ansicht und fordern daher ein Gentech-Verbot, das nach Ablauf des Moratoriums in Kraft treten soll.

Bauernpräsident Markus Ritter kritisiert das Tempo. Die Regierung habe vom Parlament den Auftrag erhalten, einen Bericht über Kosten und Nutzen der Freisetzung von GVP zu verfassen. Stattdessen präsentieren sie nun bereits eine Verordnung. Ritter stört sich vor allem an den geringen Isolationsabständen: «Bei starkem Wind und durch Insekten können Pollen über grosse Distanzen verfrachtet werden.»

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