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GELDSPIEL: Europas Mühe mit der Regel des Glücksspiels

Europa tut sich schwer mit der Regelung des Glücksspiels. Gesetz und Praxis klaffen häufig auseinander. Der Kampf gegen Spielsucht ist schwierig.
Wohin rollt die Kugel in der Gesetzgebung beim Online-Glücksspiel in der Schweiz? Am 10. Juni wird abgestimmt. (Bild: Visualisierung Getty)

Wohin rollt die Kugel in der Gesetzgebung beim Online-Glücksspiel in der Schweiz? Am 10. Juni wird abgestimmt. (Bild: Visualisierung Getty)

Wie regelt man das Glücksspiel im Internet? Die Frage stellt sich nicht nur in der Schweiz, sondern auch im Ausland. Die Herausforderung ist überall dieselbe: Mit der Verbreitung des Internets versuchen mehr und mehr Spieler ihr Glück online – und das unabhängig davon, ob diese Spiele im entsprechenden Land überhaupt legal sind.

Italien

Rund 60 Millionen Menschen leben in Italien – und 17 Millionen von ihnen haben sich im letzten Jahr laut Schätzungen mindestens einmal in einem Glücksspiel versucht, also mehr als jeder Vierte. Dabei wurden insgesamt rund 100 Milliarden Euro gesetzt und 19 Milliarden davon verloren. Das ist Europarekord. Die illegalen Wetten auf ausländischen Portalen oder die Glücksspiele der Mafia sind dabei noch nicht einmal inbegriffen.

Das Glücksspiel ist in Italien während der Wirtschaftskrise zu einer regelrechten Volksseuche geworden. Die Zahl Spielsüchtiger hat sich in den letzten Jahren auf 400000 vervierfacht. Angesichts dieser Entwicklung sah sich der Staat 2017 genötigt, die Behandlung von Spielsucht in den Katalog kostenloser Basisbehandlungen des nationalen Gesundheitsdienstes aufzunehmen.

Hohe Zuwachsraten verzeichnen die Online-Spiele: Die Einsätze haben sich zwischen 2013 und 2016 fast verdreifacht. Vor allem junge Italiener versuchen ihr Glück auf dem Mobiltelefon oder am Computer. 40 Prozent der 18- bis 25-jährigen Italiener haben in einer Befragung angegeben, im Internet schon Geld gesetzt zu haben. Die Betreiber der Glücksspielportale benötigen theoretisch eine Lizenz des Staatsmonopols und müssten italienisch sein – die Kontrollen sind aber lasch.

Immer wieder gibt es politische Versuche, die Spielwut der Italiener gesetzlich in geordnete Bahnen zu lenken. So wurde letztes Jahr ein Gesetz verabschiedet, mit welchem die Zahl der 400000 im ganzen Land verteilten Spielautomaten auf 265000 reduziert werden sollte. Doch die Ausführungsbestimmungen lassen auf sich warten. (dsr)

Frankreich

Frankreich hat Online-Glücksspiele schon 2010 zugelassen – allerdings in beschränktem Umfang. Nur drei Arten sind erlaubt: Pferdewetten, Poker und Sportwetten. Die staatliche Überwachungsbehörde hat derzeit fünfzehn Anbietern eine Lizenz für den Betrieb von Online-Plattformen erteilt. Darunter befindet sich PMU, der führende Pferdewettenanbieter in Europa, sowie die staatliche Lotterie-Betreiberin La Française des Jeux. Daneben finden sich viele Privatfirmen wie Betclic, Betur oder Bes-SAS.

Ingesamt bewilligt Frankreich On- line-Glücksspiele nur sehr zurückhaltend und setzt auch Netzsperren ein. Online-Casinos sind ganz verboten. Viele Franzosen weichen indes auf ausländische Anbieter aus. Diese verfügen meist über eine Lizenz eines anderen europäischen Staates – visieren aber in französischer Sprache klar den grossen Markt Frankreichs an. Ein Risiko, von den französischen Behörden bestraft zu werden, gehen diese Spieler nicht ein. Die Gewinne können sie aber verlieren.

Die aktuelle Debatte dreht sich in Frankreich um die damit verbundene Frage, wie der Staat Missbräuche und Suchtverhalten am ehesten verhindern kann. Langsam kommen die Behörden zur Einsicht, dass eine allzu harte Haltung viele Spieler nur in die Arme obskurer Anbieter asiatischer Herkunft treibt. Zahlreiche Experten meinen, es sei besser, sie auf legalen und kontrollierbaren Webseiten spielen zu lassen. (sbp)

Dänemark

Dänemark gilt als Vorzeigeland für einen offenen Markt des Online-Geldspiels. Als einziges skandinavisches Land kennt es keine nationale Einschränkung: Seit 2012 dürfen auch ausländische Webseiten Bingo, Roulette, Poker, Backgammon sowie die beliebten Online-Spielautomaten anbieten; Letztere machen über 60 Prozent des Geschäfts aus. Im Moment gibt es 28 Online-Casinos. Sie erzielten 2017 einen Bruttospielerertrag von umgerechnet 300 Millionen Franken – ein Fünftel der gesamten Glücksspielbranche inklusive der Lotterien.

Die Online-Anbieter konnten seit 2012 ihre Erträge verdoppeln, während traditionelle Casinos keinerlei Wachstum aufwiesen. Die Zulassung ausländischer Unternehmen lohnt sich dabei für den Staat, auch sie müssen einen Steuersatz von 20 Prozent entrichten.

Sämtliche Anbieter benötigen eine Lizenz der dänischen Spielbehörde. Die Unternehmen müssen wirtschaftlich solid dastehen und ein sicheres System vorweisen – zu dem die Spielbehörde online einen Kontrollzugang erhält. Spieler müssen registriert werden – auch zu deren Schutz: Dänische Spielsüchtige können sich selber in einer Datenbank eintragen und werden dann von allen Geldspielen ausgeschlossen. Die Anzahl dieser Einträge hat sich seit 2015 auf fast 13000 verdoppelt.

Der grosse Markt verdrängt nach Ansicht der Behörden illegale Anbieter wirkungsvoll. Die Spielbehörde sucht aktiv nach solchen und kann Netzsperren aussprechen. Momentan sind in Dänemark rund 40 Spielwebseiten blockiert. (nak)

Österreich

Österreich will seit langem das Glücksspielgesetz verschärfen. Die Branche leistet jedoch starken Widerstand. Eigentlich hat der Staat ein Monopol auf Glücksspiele aller Art. Die Lizenz besitzt die teilstaatliche Casino Austria AG, die auch Lotto- und Internetspiele betreibt. Allerdings hat sich ein schwer kontrollierbarer Schwarzmarkt breitgemacht: So macht eine Automatenmafia mit gewaltsamem Widerstand gegen Behörden und Polizei immer wieder von sich reden; die Zahl der Razzien in Spielhöllen hat sich innerhalb der letzten zwei Jahre nahezu verdoppelt.

Das illegale Online-Angebot ist in den letzten zehn Jahren geradezu explodiert. Laut der Aufsichtsbehörde sind derzeit in Österreich rund 2000 Online-Anbieter aktiv. Netzsperren für ausländische Anbieter sind nur schwierig umzusetzen, weil verschachtelte Konstrukte vielfach die Eigentümerverhältnisse verschleiern. Auch die Marktabschottung ist derzeit nur beschränkt möglich: Die meisten Online-Anbieter verfügen über eine EU-Lizenz, die aber künftig nicht mehr automatisch für Österreich gelten soll. Für die wachsende Zahl von Spielsüchtigen gibt es die Einrichtung der Spielersuchthilfe: 2017 liessen sich 107000 Personen beraten, doppelt so viele wie 2016. 70 Prozent gaben an, ihr Geld bei Online-Spielen verzockt zu haben. Bei den zwölf Casinos in Österreich sind derzeit rund 60000 überschuldete Personen gesperrt. (rgw)

Grossbritannien

Das Geschäft mit Glücksspielen ist in Grossbritannien ein gewaltiges. Insgesamt 106 000 Mitarbeiter in über 9000 Wettbürofilialen, 146 Casinos und rund 2000 Online-Plattformen erwirtschafteten im vergangenen Kalenderjahr Einnahmen von umgerechnet 18,7 Milliarden Franken. Das Online-Geschäft wächst stetig. Schätzungen der zuständigen Aufsichtsbehörde zufolge beteiligen sich neun Millionen Briten online an Glücksspielen. Die rund 340 Internet-Anbieter erreichen bereits einen Umsatzanteil von 34 Prozent der Branche.

Beaufsichtigt werden die Online-Casinos durch die Glücksspiel-Kommission. Bei der Behörde bewerben sich die Betreiber weltweit, ganz unabhängig von ihrem Standort, um eine Lizenz. Im Gegenzug müssen sie sich zur nationalen Glücksspiel-Strategie bekennen. Diese sieht Verbote für Jugendliche sowie Hilfen für sogenannte Problemspieler vor; die Hilfsorganisation Gamble Aware wird mit jährlich 10,8 Millionen Franken Spenden der Industrie finanziert.

Erst kürzlich wurde eine Online-Plattform mit einer Busse von umgerechnet 814000 Franken belegt, weil die Firma nicht korrekt mit Zockern um- gegangen und irreführende Anzeigen verbreitet hatte.

Von Netzsperren gegen ausländische Online-Casinobetreiber ist auf der Insel nicht die Rede; der Schwarzmarkt sei angesichts der liberalen Lizenzvergabe vernachlässigbar, heisst es bei Kennern der Materie. Hingegen gibt es derzeit Streit um Spielautomaten mit festgelegten Gewinnchancen. Gegen den energischen Widerstand der Branche will eine überparteiliche Parlamentsmehrheit durchsetzen, dass der Höchsteinsatz von 100 auf 2 Pfund, also von 135 auf 2,71 Franken, reduziert wird. (sbl)

Deutschland

In Deutschland sind Online-Gewinnspiele verboten, wie das Bundesverwaltungsgericht diesen April bestätigte. Darunter fallen Casino-Spiele wie Spielautomaten, Roulette, Black Jack oder Poker wie auch Rubbellose. Nicht vom Verbot betroffen sind Sportwetten und Lotterien, die von lizenzierten Anbietern über das Internet angeboten werden. Ein Grossteil des Aufkommens fliesst in gemeinnützige Zwecke.

Wer Sportwetten und Lotterien online anbieten will, braucht eine staatliche Lizenz. Damit soll der Schwarzmarkt bekämpft werden. Allerdings hat Ulrich Palm, Rechtsprofessor von der Universität Hohenheim, beobachtet, dass selbst das eigentlich verbotene Online-Glücksspiel floriert. Oft werden die Glücksspiele von Anbietern aus dem europäischen Ausland – etwa von Malta oder Gibraltar aus – angeboten. Diese berufen sich auf ihre dort gültigen Lizenzen. Obwohl Anbieter von illegalen Glücksspielen gemäss Strafgesetzbuch mit Strafen von bis zu zwei Jahren Gefängnis zu rechnen haben, ist die Verfolgung illegaler Glücksspielanbieter in Deutschland eher lasch, moniert Ulrich Palm. «Es ist ein grosser Mangel, dass das Recht nicht durchgesetzt wird», sagt er. Dies hängt auch damit zusammen, dass die Ahndung von illegalen Glücksspielangeboten in Deutschland Ländersache ist. Experten arbeiten nun darauf hin, eine bundesweite Agentur einzurichten, die illegale Glücksspiele koordiniert verfolgen soll. (crb)

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