Geld nur bei gutem Tierschutz

Der Schweizer Tierschutz STS will strengere Auflagen für die Alpsömmerung von Schafen. Dies fordert er in einer gestern eingereichten Petition vom Bund.

Richard Clavadetscher
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BERN. Mehr als 200 000 Alpschafe gebe es in der Schweiz, so der Schweizer Tierschutz STS. Doch von ihnen kehrten nach der hunderttägigen Sömmerung jeweils deren 4000 nicht mehr ins Tal zurück: «Sie stürzen über Abgründe, fallen Krankheiten oder Steinschlag zum Opfer, verfangen sich in Zäunen oder werden vom Blitz erschlagen.» Hingegen würden in derselben Zeit nur gerade 200 Tiere vom immer wieder verteufelten Wolf gerissen.

Für den STS ist diese Mortalitätsrate «inakzeptabel». Der «large Umgang» mit den Tieren, «der so im Talgebiet nie geduldet würde», werde erst noch grosszügig mit Bundessubventionen bedacht.

Elektrozäune und Schutzhunde

Der STS hat deshalb dem Bundesrat eine von 25 000 Personen unterzeichnete «Alpschaf-Petition» übergeben. Es dürfe nicht länger sein, dass eine aus Sicht des Tierschutzes ungenügende Schafhaltung mit grosszügigen Subventionen unterstützt werde, so die Bittschrift.

Die Tierschützer fordern, dass alle Schaf- und Ziegenherden im Verbreitungsgebiet von Wolf, Bär und Luchs mit Elektrozäunen oder Schutzhunden bewacht werden müssen. Für ungeschützte Herden soll es keine Subventionen geben. Alpweiden, auf denen ein Schutz der Tiere nicht möglich sei, sollten aufgegeben werden, verlangt die Petition weiter. Schliesslich seien der sichere Zugang zu Wasser und ausreichend natürliche oder künstliche Unterstände auf den Alpweiden sicherzustellen.

Wie reagieren Praktiker darauf? Nationalrat Erich von Siebenthal (SVP/BE) ist selber Landwirt und Präsident des Schweizerischen Alpwirtschaftlichen Verbandes (SAV). Zur STS-Petition meint er, im Gegensatz zur dort formulierten «Unterstellung» würden Älpler während der Sömmerung sehr wohl für das Tierwohl sorgen und «im Rahmen des Möglichen» entsprechende Anstrengungen unternehmen. Dies schon aus Eigeninteresse. Aber die Alpwirtschaft müsse nun einmal mit einem gewissen Gefahrenpotenzial leben: Die Witterung sei da zu nennen, aber auch die Topographie. Von Siebenthal: «Welche Massnahmen man auch ergreift, das Risiko von Verlusten wird es immer geben.»

«Aufwand nicht zumutbar»

Für von Siebenthal sind die von der STS-Petition verlangten Massnahmen mit unzumutbarem Aufwand verbunden. Und von eingezäunten Alpen hält er wenig: «Sie wären eine Gefahr für die Steinböcke und Gemsen.» Gegen das Aufgeben von Alpen ist der SVP-Nationalrat erst recht: Wo Alpen nicht mehr bestossen würden, leide die Biodiversität, wie auch Biologen einräumten. Nicht nur das: Gebe man eine Alp auf, steige dort die Lawinengefahr.

Zur STS-Petition äussert SAV-Präsident von Siebenthal «die Vermutung, dass viele ihrer Unterstützer von den Verhältnissen im Berggebiet keine rechte Ahnung haben». Er setzt deshalb auf Aufklärung: «Die Mitglieder unseres Verbandes sind immer bereit, die tatsächlichen Gegebenheiten und ergriffenen Massnahmen vor Ort aufzuzeigen und zu erläutern.»