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Gelbwesten stürmen auf das Parlament

In Frankreich streiten sich extremistische Ultras um die Vorherrschaft bei den Gelbwesten-Protesten. Am Wochenende wurde in Paris sogar die Nationalversammlung attackiert.
Stefan Brändle, Paris
Nur ein harter Polizeieinsatz hielt gewaltbereite Gelbwesten am Wochenende davon ab, die Umzäunungen vor dem Parlament in Paris einzureissen. (Bild: Christophe Petit Tesson/EPA, 9. Februar 2019)

Nur ein harter Polizeieinsatz hielt gewaltbereite Gelbwesten am Wochenende davon ab, die Umzäunungen vor dem Parlament in Paris einzureissen. (Bild: Christophe Petit Tesson/EPA, 9. Februar 2019)

Man gewöhnt sich an alles. Viele Franzosen zucken nur noch mit den Schultern, wenn sie vernehmen, dass es am Samstag in Paris und anderen Städten zum 13. Mal zu Randalen und Krawallen gekommen war. Zu reden gaben erstmals Schlägereien unter Rechts- und Linksextremisten. In Lyon prallten je hundert Ultras aufeinander. Sie versuchten, sich zuerst gegenseitig mit nationalistischen oder antifaschistischen Parolen zu übertönen. Dann trennten sie sich wie auf Geheiss in zwei Lager, und es begann eine wüste Keilerei. Auf den Balkonen filmten verdutzte Zaungäste den Strassenkampf zwischen zwei Lagern, die beide Gelbwesten trugen, während die Polizei aussen vor blieb.

Spannungen zwischen den Ultras hatte es an den Protestumzügen der «gilets jaunes» schon immer gegeben. Bisher überwog aber offenbar ihr gemeinsames Ziel – der Angriff auf Symbole des Staates und des Reichtums. Mehr und mehr allerdings dominiert an den anhaltenden Demonstrationen die direkte Konfrontation zwischen den radikalsten Elementen. Er möge sich nicht erinnern, eine solche «Verfolgungsjagd zwischen Nationalisten und Antifaschisten» jemals erlebt zu haben, meinte Extremismus-Forscher Jean-Yves Camus am Wochenende. Beide Seiten lieferten sich, so meinte er, einen eigentlichen «Wettbewerb» um die Vorherrschaft an den inzwischen regelmässigen Samstagsprotesten.

Die trotzkistische «Neue antikapitalistische Partei» (NPA) hatte den rechtsextremen, aus dem berüchtigten Studentenverband GUD hervorgegangenen «Zouaves» schon per Communiqué vorgeworfen, sie hätten mehrere ihrer Mitglieder angegriffen und spitalreif geschlagen. Ähnlich tönt es von der Gegenseite zurück. Auf beiden Seiten setzt es jeden Samstag blutige Köpfe ab.

Luxus- und Polizeiwagen wurden in Brand gesteckt

Die Gelbwesten-Pionierin Jacline Mouraud hatte schon letzte Woche erklärt, die Bewegung sei «von der Ultrarechten und der Ultralinken völlig unterwandert». Wobei die Unterscheidung nicht immer leicht fällt: Die Transparente zeugen von gemeinsamen Feindbildern wie Präsident Emmanuel Macron, den Pariser Eliten oder dem «Kapital». Nicht von ungefähr wurden auch an diesem Samstag vorzugsweise Luxus- und Polizei­wagen in Brand gesteckt.

Rechts wie links aussen sind auch antisemitische Töne zu vernehmen – etwa, wenn Macron als Handlanger seines früheren Arbeitgebers Rothschild hingestellt wird. Die Mitglieder der Familie Rothschild, einer traditionsreichen Finanzdynastie, sind vorwiegend jüdisch. Am Samstag entdecken Angestellte eines Bagel-Shops in Paris die Inschrift «Juden» auf dem Schaufenster – auf Deutsch, wohlgemerkt.

Über fünfzig Abgeordnete der Macron-Partei «La République en marche» (LRM) sind seit Beginn der Gelbwestenproteste Opfer von Drohungen oder von Anschlägen auf ihre Büros oder Wohnsitze geworden. Am Vortag des neusten Protest-Samstags wurde auf das Haus von Richard Ferrand ein Brandanschlag verübt. Dieser Macron-Vertraute ist derzeit auch Präsident der Nationalversammlung, weshalb der Akt auch Symbolwirkung hat.

Polizei verhinderte Sturm aufs Parlament

Die Rechtsextremistin Marine Le Pen und Linkenchef Jean-Luc Mélenchon verurteilten die Brandstiftung. In den sozialen Medien wurde aber auch applaudiert. Die linksliberale Zeitschrift «Obs» kommentierte darauf, den neusten Gelbwestenprotest umwehe «der üble Geruch des Anti-Parlamentarismus». Das erinnere an den – fehlgeschlagenen – Sturm rechtsextremer Ligen auf die Nationalversammlung 1934.

Hunderte von Gelbwesten hatten sich am Samstag ihrerseits die Nationalversammlung als Angriffsziel gesetzt. Nur ein Polizeieinsatz hielt sie davon ab, die Umzäunungen einzureissen. Einem Demonstranten wurde dabei die halbe Hand weggerissen, als er eine Blendgranate berührte.

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