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Geiselnehmer tötet zwei Frauen in Zürich

Ein 60-jähriger Schweizer brachte gestern Morgen eine 34-Jährige und eine 38-Jährige in seine Gewalt. Der Polizei versprach er nach drei Stunden, sich zu ergeben. Dann fielen Schüsse.
Pascal Ritter
Die Polizei hat die Umgebung des Hauses, in dem sich das Tötungsdelikt ereignete, abgesperrt. (Bild: Ennio Leanza/Keystone (Zürich, 31. Mai 2019))

Die Polizei hat die Umgebung des Hauses, in dem sich das Tötungsdelikt ereignete, abgesperrt. (Bild: Ennio Leanza/Keystone (Zürich, 31. Mai 2019))

Die Gegend, in der die Schüsse fielen, ist idyllisch. Bäume säumen die verkehrsberuhigte Strasse. Gleich vis-à-vis befindet sich die Sportanlage Heuried. Im Sommer ist hier ein Freibad im Winter eine Eishalle. Am Döltschiweg mitten im Zürcher Genossenschafts-Quartier Friesenberg fand in den Morgenstunden des Freitags ein Verbrechen statt.

Dass etwas nicht stimmte, merkten die Rettungskräfte um 5.22 Uhr. Eine Frau wählte den Notruf 144 der Sanität und bat um Hilfe. Die Notrufzentrale von «Schutz und Rettung Zürich» meldete diesen Hilferuf der Stadtpolizei. Direkt bei der Polizei meldete sich zum gleichen Zeitpunkt eine Anwohnerin, die jemanden um Hilfe schreien gehört hatte.

Die Polizei hielt sich zurück

Sechs Minuten später seien gemäss einer Mitteilung der Stadtpolizei Zürich bereits erste Polizisten am Tatort eingetroffen. Dort trafen sie auf einen 60-jährigen Schweizer, der durch ein Fenster zu ihnen sprach. Er drohte damit, zwei Frauen zu erschiessen, die er in seiner Gewalt hatte. Die Polizei, die in der Zwischenzeit mit ihrer Sondereinheit Skorpion in Stellung gegangen war, hielt sich zurück. Auch ­Spezialisten der Verhandlungsgruppe waren im Einsatz.

Sie nahmen Kontakt zu dem Mann auf. Die Geiselnahme dauerte bereits drei Stunden an, als der Geiselnehmer gemäss der Darstellung der Stadtpolizei Zürich erklärte, in den nächsten zehn Minuten aufzugeben. Doch er hielt sein Versprechen nicht.

Die drei Schwerverletzten starben noch vor Ort

Wenig später fielen Schüsse. Als die Sondereinheit die Wohnung daraufhin stürmte, traf sie auf drei Schwerverletzte: den Mann und die beiden Frauen. Alle drei verstarben trotz Reanimationsversuchen noch vor Ort. Die Polizisten fanden in der Wohnung auch eine Faustfeuerwaffe, mit der mutmasslich die Tat begangen worden war. Die Nationalität der beiden 34 und 38 Jahre alten Frauen konnte die Polizei gestern noch nicht bekannt geben. Auch in welchem Verhältnis die drei Personen zueinander standen, war am Freitag noch offen. Ebenfalls unbeantwortet blieb die Frage, ob der Mann der Polizei schon früher aufgefallen war. Es sieht danach aus, als ob mindestens eine der Frauen am Tatort wohnte, während der mutmassliche Täter nicht dort angemeldet war.

Nach der missglückten Verhandlungstaktik der Polizei stellt sich die Frage, warum die Sondereinheit die Wohnung nicht früher stürmte, zumal offenbar eine Frau ja bereits um 5.22 Uhr den Notruf alarmiert und um Hilfe gebeten hatte.

Polizeisprecher Marco Cortesi sagte, es wäre unverhältnismässig gewesen, die Wohnung früher zu stürmen. Die Polizisten seien überzeugt gewesen, dass es zu einer Verhandlungslösung kommen könne. Er erinnerte daran, dass eine Stürmung ein hohes Risiko für die Geiseln mit sich bringt. Die Staatsanwaltschaft I und die Kantonspolizei Zürich haben die Ermittlungen mittlerweile übernommen.

«Um fünf Uhr hörte ich Schüsse»

Am Döltschiweg waren noch den ganzen Freitag über Polizisten, Kriminaltechniker und Forensiker im Einsatz. Der gesamte Block wurde mit Absperrband abgeriegelt. Nur Anwohner durften passieren. Kriminaltechniker mit weissen Overalls und Mundschutz zeigten sich im ersten Stock des zweistöckigen Gebäudes auf dem Balkon, offenbar auf der Suche nach Hinweisen.

Ein Nachbar erzählte «Tele Züri», wie er um fünf Uhr in der Früh Schüsse und Schreie gehört habe. Um acht Uhr habe es dann «wirklich geknallt» und die Polizei habe die Türe aufgebrochen. Dann habe er durch eine Balkontüre gesehen, wie ein Polizist versuchte eine Person zu reanimieren.

In der Badi gleich vis-à-vis des Tatorts spielten die Kinder am Freitagnachmittag unbeschwert. Eine dichte Hecke verhinderte den freien Blick auf das Haus, wo sich die Tat abgespielt hatte. Nur ab und zu blitzte dahinter einer der weissen Overalls der Spurensicherer oder die blaue Uniform eines Polizisten auf. Ansonsten Idylle pur.

Geiselnahmen sind in der Schweiz relativ selten. Im letzten Jahre gab es laut Polizeistatistik keine einzige. In den letzten zehn Jahren sahen sich jeweils zwischen einer und acht Personen mit dem Vorwurf der Geiselnahme konfrontiert.

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