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Gegenangriff eines Gefallenen: Theo Zwanziger schimpft über die Bundesanwaltschaft

Der ehemalige Präsident des deutschen Fussballbundes erklärt, weshalb er kein Betrüger sei - oder höchstens ein Betrüger mit guten Absichten. Denn er spricht von einem «fremdnützigen Betrug». Das neuste Kapitel des «Sommermärchens».
Andreas Maurer
Zerknirscht: Theo Zwanziger, Ex-Präsident des Deutschen Fussballbundes. (Bild: Boris Rössler/Keystone, Diez, 13. August 2019)

Zerknirscht: Theo Zwanziger, Ex-Präsident des Deutschen Fussballbundes. (Bild: Boris Rössler/Keystone, Diez, 13. August 2019)

Theo Zwanziger, 74, war mal ein angesehener Mann. Er war Präsident des Deutschen Fussballbundes DFB, sass in wichtigen Gremien des Weltfussballverbands Fifa und amtete als Regierungspräsident für die CDU in Koblenz. Heute gilt er als mutmasslicher Betrüger.

Die Schweizer Bundesanwaltschaft hat vor einer Woche Anklage gegen Zwanziger erhoben, weil er in eine dubiose Zahlung um das «Sommermärchen» der Weltmeisterschaft von 2006 in Deutschland verwickelt ist.

Zwanziger empfindet die Vorwürfe als persönliche Beleidigung. Als Majestätsbeleidigung, wie sein Medienauftritt zeigen wird. Der gefallene Fussballkönig betitelt die Bundesanwaltschaft als Behörde von «Versagern». Er kündigt eine Gegenanzeige wegen falscher Anschuldigung an, nachdem er bereits die Fifa angezeigt hatte.

Und er beteuert seine Unschuld und seine grossen Verdienste: «Man wirft uns vor, wir hätten den DFB geschädigt. Dabei ist der DFB dank uns noch reicher geworden.»

Der Herr Doktor in der Provinz

Als Schauplatz für seinen Rundumschlag wählt Zwanziger eine Kleinstadt in der Provinz zwischen Frankfurt und Koblenz: Diez. Es ist ein Ort, der wie Zwanziger die glänzenden Zeiten hinter sich hat. Viele Rollläden entlang der Hauptstrasse sind heruntergelassen. Hier wurde der einst höchste Funktionär des deutschen Fussballs geboren und hier lebt er noch heute.

Zwanziger steht im Saal eines Dreisternehotels. Sieben Fernsehkameras von RTL bis Reuters sind auf ihn gerichtet. Er geniesst die Aufmerksamkeit. «Ich komme mir vor, als wäre ich noch beim DFB», schäkert er.

Doch dann ist es vorbei mit Nettigkeiten. Zwanziger spricht zwei Stunden lang darüber, weshalb es ungerecht sei, dass ausgerechnet er nun als Beschuldigter dastehe, während die wirklich Schuldigen unbehelligt blieben. In den zwei Stunden sagt er kein einziges selbstkritisches Wort. Die deutschen Journalisten fragen allerdings auch nicht danach. Ein Sportreporter spricht ihn mit «Herr Doktor» an.

Zwanziger füttert die Journalisten mit Schinkenbrötchen und Aktenstückchen. Aus dem Berg der Untersuchungsakten präsentiert er jene Häppchen, die für ihn sprechen. Darum geht es: Das Organisationskomitee für die WM 2006, in dessen Präsidium Zwanziger sass, beschloss 2005 die Zahlung von 6,7 Millionen Euro vom DFB an die Fifa. Als Verwendungszweck deklarierten die Männer eine Eröffnungsgala, die nie stattgefunden hat. Worum es tatsächlich ging, hat die Bundesanwaltschaft jedoch nicht herausgefunden.

Fest steht: Es handelt sich um die Rückzahlung einer Schuld von OK-Präsident Franz Beckenbauer, gegen den separat ermittelt wird. Dieser hatte sich das Geld geliehen, um es dem korrupten Fifa-Funktionär Mohammed Bin Hammam zu überweisen.

Unklar ist, wofür der Scheich das Geld bekam. Beckenbauer gab an, es handle sich um eine Provision. Als Gegenleistung hätten die Deutschen einen 250-Millionen-Zustupf von der Fifa erhalten.

Das Sommermärchen vom fremdnützigen Betrug

Zwanziger donnert: «Nur Bin Hammam wird wissen, worum es ging, und nur er wird wissen, wo das Geld heute ist.» Doch die Bundesanwaltschaft kann ihn nicht befragen, da Katar ein Rechtshilfegesuch unbeantwortet lässt. Und was macht die Fifa? «Sie schweigt», sagt Zwanziger. Dabei könnte sie Druck ausüben vor der WM 2022 in Katar.

Und was macht die Bundesanwaltschaft? «Sie kungelt mit Infantino.» Zwanziger meint die Geheimtreffen von Bundesanwalt Michael Lauber mit dem Fifa-Boss.

Und überhaupt: Wer wurde eigentlich geschädigt? Zwanziger: «Wir haben keinen einzigen Euro selber erhalten. Das Ganze war allenfalls ein fremdnütziger Betrug.» Was er damit sagen will: Die Summe wurde zwar nicht für den angegebenen Zweck, aber für eine gute Sache, für den deutschen Fussball, ausgegeben.

Erscheint er vor Gericht?

Früher sagte Zwanziger, er werde auf keinen Fall in der Schweiz vor Gericht erscheinen, falls es überhaupt rechtzeitig zu einem Prozess kommen sollte. Doch seit das Bundesstrafgericht den Bundesanwalt in der Fifa-Affäre kritisiert hat, denkt er anders. Die Hoffnung auf einen Sieg in der dritten Halbzeit seines Lebens lässt ihm eine Reise ins Tessin plötzlich verlockend erscheinen. So könnte er endlich sein Ansehen zurückgewinnen.

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