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Interview

Gay-Pride-Organisatorin wehrt sich gegen Kritik

Die Luzerner FDP-Politikerin Anne-Sophie Morand (31) ist im Vorstand der Pride für die Politik zuständig. Sie verteidigt den Auftritt von Luca Hänni gegen Kritik.
Pascal Ritter
FDP-Politikerin und Gay-Pride-Organisatorin Anne-Sophie Morand. (Bild: PD)

FDP-Politikerin und Gay-Pride-Organisatorin Anne-Sophie Morand. (Bild: PD)

Es wirkt, als wären die Homosexuellen in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Wie sieht es rechtlich aus?

Anne-Sophie Morand: Gesellschaftlich akzeptiert sind wir mehr und mehr, aber wir sind noch nicht am Ziel. Zum Beispiel haben Transgenderpersonen eine überproportional hohe Arbeitslosenquote, und homosexuelle Menschen werden auch heute noch auf der Strasse angegriffen. Rechtlich geht es voran, es gibt aber noch viel zu tun. Zur parlamentarischen Initiative für die Ehe für alle läuft im Moment die Vernehmlassung. Solange die Ehe nur Heterosexuellen vorbehalten ist, erleben jene, die in einer eingetragenen Partnerschaft leben, eine Diskriminierung gegenüber Heterosexuellen, die in einer Ehe leben. Eine Witwenrente ist zum Beispiel ausgeschlossen nach dem Tod der Partnerin, zudem haben lesbische Frauen keinen Zugang zur Fortpflanzungsmedizin.

Die Pride wird immer grösser, dieses Jahr findet sie auf dem Sechseläuten- und am Bürkliplatz statt.

Hauptgrund für den Sechseläutenplatz ist das Jubiläum. Ob wir den Sechseläutenplatz auch in Zukunft haben werden, ist offen. Es kommen jedenfalls immer mehr Leute. Auch Heterosexuelle. Mein ganzer Freundeskreis, alles Heteros, ist jeweils dabei. Es kommen alle zusammen, zum Beispiel Schwule, die schon vor 50 Jahren für Gleichberechtigung gekämpft haben, Drag Queens, Teenies, queere Familien, Botschafter, Politikerinnen und Politiker, Touristen. Oder man sieht einfach stolze Eltern einer lesbischen Tochter.

Pride-Besucher fragen sich, warum Luca Hänni und seine wohl vor allem heterosexuellen Groupies an die Pride kommen.

Die Pride ist für alle da. Und was Luca Hänni betrifft: Es kommen auch viele Männer, die ihn heiss finden. Mir gefällt er übrigens auch. Jeder ist willkommen an der Pride. Wenn wir als Homosexuelle oder Transgender akzeptiert werden wollen, müssen auch wir andere Menschen an unseren Festen willkommen heissen.

Die Pride ist in den letzten Jahren auch zu einer Firmenparade geworden. Wie finden Sie das?

Teilnehmende Firmen engagieren sich für Diversity, darauf legen wir grossen Wert im Pride-Komitee. Das Engagement einer Firma bei der Pride ist jeweils den LGBTIQ-Mitarbeitenden zu verdanken. Diese haben oft einen steinigen Weg zurückgelegt, bis eine Firma sich öffentlich zum Regenbogen bekennt. Natürlich ist die Sponsoringthematik umstritten. In meinen Augen ist es eine Win-win-Lösung. Wir brauchen Geld für die Veranstaltung und LGBTQ-Projekte und die Unternehmen stehen nach aussen für Vielfalt ein. Darauf kann man sie ja dann auch behaften. Dass unsere Community auch als potenzielle Kundin gesehen wird und es z. B. eine Pride-Kollektion bei Esprit zu kaufen gibt oder einen Pride-Kaffee bei Starbucks, finde ich persönlich toll.

Wie steht es um die Anliegen der Homosexuellen in bürgerlichen Parteien wie der FDP?

Die ältere Generation hat sich sehr stark gewandelt. Wenn wir die Parteien vergleichen, hat sich die FDP in den vergangenen Jahren am meisten bewegt. Die FDP ist liberal, und das bedeutet eben nicht nur wirtschaftsliberal, sondern auch gesellschaftsliberal. Für die Zukunft bin ich zudem optimistisch. Denn die Jungfreisinnigen bekennen sich in ihrem Positionspapier klar zur Ehe für alle.

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