Fusion von Zivilschutz und Zivildienst erhält Auftrieb

Der Zivilschutz hat ein Nachwuchsproblem. Die Kantone fordern deshalb eine Zusammenlegung mit dem Zivildienst. Die Sicherheitspolitiker des Ständerates wollen die Idee nun zumindest prüfen lassen.

Tobias Bär
Drucken
Teilen
Zivilschützer in der Einsatzbesprechung. Bild: Thi My Lien Nguyen

Zivilschützer in der Einsatzbesprechung. Bild: Thi My Lien Nguyen

Wer aus medizinischen Gründen nicht militärdiensttauglich, wohl aber schutzdiensttauglich ist, der wird in den Zivilschutz eingeteilt. Dieser hilft bei Katastrophen und Notlagen, räumt nach Unwettern auf und leistet Einsätze zugunsten der Gemeinschaft.

Künftig soll sich der Zivilschutz aber noch aus einem anderen Pool bedienen können: Nämlich bei jenen, die den Militärdienst nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren können und einen zivilen Ersatzdienst leisten. Das fordert die Regierungskonferenz Militär, Zivilschutz und Feuerwehr. Bei den Sicherheitspolitikern des Ständerats stösst sie damit auf offene Ohren. Die Sicherheitspolitische Kommission entschied sich gestern überraschend für einen Marschhalt bei der Beratung des Zivildienstgesetzes. Zuerst will die Kommission nun die Zusammenführung von Zivildienst und Zivilschutz prüfen lassen. Auslöser dafür seien die «stetig sinkenden Rekrutierungszahlen im Zivilschutz». Tatsächlich hat der Zivilschutz ein Nachwuchsproblem. Für die Sicherstellung des Bestandes müssen gemäss der Regierungskonferenz jährlich 6000 Personen rekrutiert werden. Im vergangenen Jahr waren es aber lediglich 3700. Die Kantone warnen vor einer «gravierenden Sicherheitslücke», sollte die Rekrutierungsquote nicht steigen.

Zivildienstverband: Es gibt kein Rekrutierungsproblem

Ganz anders die Situation im Zivildienst. Die Abschaffung der Gewissensprüfung vor zehn ­Jahren liess die Zahl der Zivis sprunghaft ansteigen. «Uns scheint, als wollten alle ein Stück vom Zivildienst, weil er gut organisiert ist und einen grossen Nutzen stiftet», sagt der Geschäftsführer des Zivildienstverbandes Civiva, Nicola Goepfert. Auslöser für die Änderung des Zivildienstgesetzes waren nämlich die Sorgen um die Armeebestände. Der Bundesrat will den Zivildienst insbesondere für jene unattraktiver machen, die nach absolvierter Rekrutenschule mit einem Wechsel liebäugeln. So sollen länger Dienst leisten, wenn sie nach dem ersten Wiederholungskurs vom Militär in den Zivildienst wechseln.

Für Civiva muss der Zivildienstverband damit «als Sündenbock für armeeinterne Probleme herhalten», der Verband hat bereits das Referendum angekündigt. Gegen eine Zusammenlegung mit dem Zivilschutz wiederum sprechen gemäss Nicola Goepfert die grossen Unterschiede: «Der Zivilschutz ist für ausserordentliche Lagen da, der Zivildienst leistet täglich Einsätze zum Wohl der Gesellschaft.» Ausserdem sei der Zivildienst national organisiert, während der Zivilschutz kantonal geregelt sei.

Gemäss Civiva hat der Zivilschutz zudem gar kein Rekrutierungsproblem. Es könne wenn überhaupt von einem Verteilungsproblem gesprochen werden. In einigen Regionen gebe es grosse ungenutzte Reserven.