Fusion hat positive Effekte

Eine Untersuchung der Hochschule für Technik und Wirtschaft Chur weist aus, dass sich die Gemeindestrukturreform im Kanton Glarus positiv auswirkt – wenn auch mit Abstrichen.

Richard Clavadetscher
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GLARUS. Seit dem Jahr 2011 besteht der Kanton Glarus aus nur noch drei Gemeinden: Glarus Nord, Glarus, Glarus Süd. Die Gemeindestrukturreform geht auf einen Landsgemeindebeschluss im Jahr 2006 zurück. Damals gab es im Kanton noch 25 Orts-, 18 Schul- und 16 Fürsorgegemeinden und 9 Tagwen (Bürgergemeinden).

Wie haben sich nun die drei aus den historisch gewachsenen Gemeinwesen entstandenen neuen Gemeinden entwickelt? Ein nicht weniger als 47 Indikatoren umfassender «Fusions-Check» der Hochschule für Technik und Wissenschaft HTW Chur hat Antworten auf diese Frage gesucht – und stellt bei allen drei neuen Gemeinden grundsätzlich «eine positive Entwicklung seit der Fusion» fest. Allerdings gilt es zu differenzieren: Ausgangs- und Endniveau der neuen Gemeinwesen waren und sind unterschiedlich.

Regionale Unterschiede

Dies erstaunt weiter nicht, denn die Voraussetzungen der drei Gemeinden sind höchst unterschiedlich: Glarus Nord etwa spürt Nähe und Auswirkungen Zürichs und boomt entsprechend, während das abgelegene Glarus Süd zwar «zwei Drittel der Fläche des Kantons umfasst, aber nur ein Viertel des Steueraufkommens» generiert, wie Mathias Vögeli, Gemeindepräsident von Glarus Süd, sagt.

Gleichwohl stellt die Untersuchung bei allen drei Gemeinwesen «ein deutlich positives Ergebnis» bei der finanziellen Leistungsfähigkeit und der Professionalität der Verwaltung fest. Auch aus Sicht des Kantons zeigen sich gemäss HTW-Untersuchung «erhebliche Fortschritte» in der Zusammenarbeit. Das ist ebenfalls nicht erstaunlich: Weil sich der Kanton lediglich noch mit drei kommunalen Akteuren befassen muss, gibt es zwangsläufig Vereinfachungen organisatorischer und struktureller Art. Auch seien die Gemeindeverwaltungen nun professioneller organisiert und Ansprechpersonen besser erreichbar, sagt Walter Züger, Sekretär des kantonalen Departements für Volkswirtschaft und Inneres.

Die Untersuchung nennt indes auch Bereiche mit Verbesserungspotenzial. Dies gilt insbesondere «bei der Partizipation» – der Stimmbeteiligung in kommunalen Angelegenheiten etwa. Wobei hier wohl zu relativieren ist: Einerseits ist ein zurückhaltenderes Interesse der Stimmbürger nichts spezifisch Glarnerisches, sondern das Schicksal vieler grösserer Gemeinwesen, anderseits hängt die Stimmbeteiligung auch immer von Art und Inhalt eines Geschäfts ab.

Qualitative Verbesserungen

Durchwegs Freude bereiten wird den drei Gemeindepräsidenten indes, dass die Bevölkerung gemäss Umfrage insgesamt zufriedener mit den politischen Behörden und dem Leben in ihrer Gemeinde ist als noch vor der Fusion. Die Qualität der Dienstleistungen wird ebenfalls besser bewertet als vor der Fusion – auch dies ein Ergebnis der Professionalisierung der Gemeindestrukturen, wie Martin Lippuner, Gemeindepräsident von Glarus Nord, es begründet.

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