Für jede Schweizer Gemeinde eine Flüchtlingsfamilie: Hilfs-Forderungen nach Brand auf Lesbos überbieten sich

Satirikerin Patti Basler bietet ehemaligen Bewohnern des abgebrannten Lager Moria ihr Gästezimmer an und hofft auf Andreas Glarner. Auch aus Deutschland kommen Hilfsangebote.

Pascal Ritter
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Die Flammen toben noch, als am Donnerstagmorgen Flüchtlinge ihre Habseligkeiten aus dem zerstörten Lager tragen.

Die Flammen toben noch, als am Donnerstagmorgen Flüchtlinge ihre Habseligkeiten aus dem zerstörten Lager tragen.

Orestis Panagiotou / EPA

Die Schreckensmeldungen von der griechischen Insel Lesbos brechen nicht ab. Am Mittwochabend sollen neue Feuer ausgebrochen sein. Und auf fliehende Obdachlose wurde offenbar Tränengas abgefeuert.

Satirikerin Patti Basler solidarisiert sich mit Flüchtlingen und hofft auf Unterstützung von Andreas Glarner.

Satirikerin Patti Basler solidarisiert sich mit Flüchtlingen und hofft auf Unterstützung von Andreas Glarner.

Geri Born / Aargauer Zeitung

Das Schicksal der Flüchtlinge aus dem Lager Moria, das in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch abbrannte, bewegt die Gemüter auch in der Schweiz. Die Solidarität ist gross und zeigt sich in einer Reihe von Hilfsangeboten. Die Stadt Bern will sofort 20 Flüchtlinge von der Insel aufnehmen. Sieben weitere Städte haben sich schon im Juni für die direkte Aufnahme von Flüchtlingen aus Griechenland bereit erklärt.

Die Satirikerin Patti Basler rechnet auf Twitter vor, dass das Problem gelöst werden könnte, wenn jede Schweizer Gemeinde eine Flüchtlingsfamilie aufnehmen würde.

Geht man von 8000 obdachlosen Flüchtlingen aus, würde die Rechnung bei 2212 Gemeinden tatsächlich ungefähr aufgehen. Eher in den Bereich Satire geht die Frage «Wer ist noch dabei?» an die Adresse von SVP-Asylchef Andreas Glarner. Dieser hat bereits bei früherer Gelegenheit gegenüber der «Aargauer Zeitung» gesagt:

«Wir müssen helfen, aber unbedingt vor Ort»

Die Forderung nach direkter Aufnahme von Flüchtlingen aus Griechenland ertönt auch in anderen Teilen Europas. So demonstrierten in der Deutschen Hansestadt Hamburg rund 2000 Menschen unter dem Motto «Flüchtlinge willkommen». Im Raum steht die Forderung, Hamburg solle 1000 Personen aufnehmen.

Deutsche Städte wollen helfen

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) bekundete die Bereitschaft, bis zu 1000 Flüchtlinge aus Moria aufzunehmen.

Auch in kleineren Städten erklingt der Ruf nach direkter Hilfe. So hat sich die Augsburger Bürgermeisterin Eva Weber in einem Brief an die Bayrische Regierung gewendet.

Der Bayrische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) schrieb auf Twitter: «Sollte die Bundesregierung entscheiden, Menschen aufzunehmen, wird sich Bayern selbstverständlich daran beteiligen.»

Demonstrationen geplant

In der Schweiz fanden Demonstrationen aus Solidarität mit den Flüchtlingen aus Moria statt, weitere sind geplant. So soll am Donnerstag um 14.00 Uhr auf dem Bahnhofplatz in Bern und um 18.00 Uhr in Luzern (Bahnhofplatz) und Zürich (Landesmuseum) demonstriert werden.