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Für den Wolf wird es ungemütlich – Nationalrat will den Schutz schwächen

Der Schutz der in der Schweiz lebenden Wölfe soll gelockert werden. Das hat nach dem Ständerat auch der Nationalrat beschlossen. Ausserdem nimmt er auch den Biber ins Visier, während der Luchs verschont wird.
Tobias Bär
Ein Wolf, mutmasslich "M35", aufgenommen beim Dorfeingang von Bellwald im Obergoms am 28. Mai 2013. (Bild: Marco Schmidt, Keystone)

Ein Wolf, mutmasslich "M35", aufgenommen beim Dorfeingang von Bellwald im Obergoms am 28. Mai 2013. (Bild: Marco Schmidt, Keystone)

Zum ersten Mal wagte sich der Wolf Mitte der 1990er Jahre wieder in die Schweiz. In jenes Land, in dem er wie in weiten Teilen Europas im 19. Jahrhundert ausgerottet worden war. Inzwischen leben hierzulande wieder 40 bis 50 Tiere.

Für den Bündner CVP-Ständerat Stefan Engler ist das Zusammenleben von Wolf und Bergbevölkerung dadurch aus den Fugen geraten. Per Vorstoss forderte er vor fünf Jahren eine Möglichkeit für die Kantone, die geschützten Wolfsbestände regulieren zu können. Heute dürfen die Kantone mit einer Bewilligung des Bundes einzelne Tiere abschiessen, wenn diese erhebliche Schäden anrichten.


Mit der Stossrichtung des Vorstosses hätte der WWF Schweiz noch leben können. Die Gesetzesvorlage, die der Nationalrat am Mittwoch beriet, hat laut Mediensprecherin Océane Dayer aber nichts mehr mit dem ursprünglichen Anliegen Englers gemein. Vielmehr handle es sich um ein eigentliches «Abschussgesetz», das den Schutz gefährdeter Tierarten in der Schweiz aushöhle.

Gemäss dem Vorschlag des Bundesrates sollen die Kantone für den Abschuss von geschützten Tieren nicht mehr auf die Zustimmung des Bundes angewiesen sein. Zudem sollen sie keine konkreten Schäden mehr nachweisen müssen. Abschüsse wären demnach bereits möglich, wenn ein grosser Schaden oder eine konkrete Gefährdung von Menschen droht, aber noch nicht eingetreten ist.

Arrogante Städter und abgerissene Beine

Die Zutaten für eine emotionale Debatte waren gegeben. Nachdem Umweltministerin Simonetta Sommaruga eine Weile zugehört hatte, sagte sie: «Dazu, wie wir mit der Natur umgehen, gibt es innerhalb unseres Landes sehr unterschiedliche Sichtweisen.» Es war eine verniedlichende Umschreibung der teilweise heftigen Voten.

Da stürmte der Berner SVP-Präsident Albert Rösti in den Saal, um dem Zürcher Grünen-Politiker Bastien Girod Arroganz vorzuwerfen, nachdem dieser mehr Faszination für den Wolf gefordert hatte. Rösti wollte vom «aus der Stadt kommenden» Girod wissen, ob er schon einmal in die Augen eines Schafbauern geblickt habe, der seine Tiere «zerfetzt, mit abgerissenen Beinen» vorgefunden habe.

Die Anhänger des geltenden Artenschutzes wiederum argumentierten, die Lockerung stehe in keinem Verhältnis zum Ausmass der Schäden. Die durchschnittlich etwas über 200 Wolfsrisse pro Jahr seien nun wirklich nicht so schlimm, sagte die Bündner SP-Nationalrätin Silva Semadeni. Überdies fielen über 90 Prozent der Risse bei Nutztieren ohne Herdenschutz an.

Ein solcher Herdenschutz bringe zwar einen Mehraufwand für die Schafhalter mit sich, diese würden dafür aber vom Bund entschädigt, so Semadeni. Es gebe Alpen, die sich nicht schützen liessen, tönte es von der anderen Seite. Dass unvereinbare Ansicht aufeinanderprallten, lässt sich mit zwei Voten illustrieren. «Der Wolf ist da, ob Sie wollen oder nicht», sagte Silva Semadeni. Der Walliser SVP-Nationalrat Franz Ruppen hingegen meinte:

«Für mich gibt es in der kleinräumigen Schweiz kein Zusammenleben von Wolf, Nutztieren und der Bergbevölkerung.»

Die Oberhand behielt das Lager von Ruppen, das gegenüber den letztjährigen Beschlüssen des Ständerats zudem zusätzliche Lockerungen durchbrachte: Die vermuteten Schäden müssen demnach nicht zwingend «gross» sein, damit eine Regulierung möglich ist.

Es müssen auch keine zumutbaren Herdenschutzmassnahmen umgesetzt sein, bevor ein Abschuss erlaubt ist. «Geschützte Tiere könnten so in der Schweiz abgeschossen werden, einfach weil sie da sind», sagt Océane Dayer vom WWF.

Nationalräte verschonen den Luchs

Neben dem bereits heute regulierbaren Steinbock und dem Wolf nahm der Nationalrat zudem den Biber ins Visier. Die Biberpopulation ist in den vergangenen Jahren gewachsen, derzeit leben etwa 3000 Tiere in der Schweiz.

Anders als der Ständerat will der Nationalrat dagegen die ungefähr 230 hier lebenden Luchse nicht zur Regulierung freigeben. Allerdings sieht das Gesetz vor, dass der Bundesrat in Eigenregie weitere geschützte Tierarten als regulierbar bezeichnen kann.

Grüne und Grünliberale haben bereits angekündigt, das von den Naturschutzorganisationen angedrohte Referendum zu unterstützen, sollte die Vorlage nicht korrigiert werden.

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