Freud und Leid eines Zentrums

Städtische Zentren sind überproportional belastet. Aber sie haben auch mehr Steuerkraft als ihr Umland. Trotzdem hilft oft nur ein höherer Steuerfuss.

Christian Kamm
Drucken
Teilen
Die Städte tragen überdurchschnittlich hohe Soziallasten. (Bild: ky/Laurent Gillieron)

Die Städte tragen überdurchschnittlich hohe Soziallasten. (Bild: ky/Laurent Gillieron)

Das Problem hat einen Namen: «A-Stadt-Problematik». Das A steht für Arbeitslose, Arme, Alleinstehende, Auszubildende, Ausgesteuerte oder Alte. Die A-Stadt-Problematik ist mitverantwortlich dafür, dass Städte finanziell mehr gefordert sind als der Rest eines Kantons. Allerdings hängt die Mehrbelastung von der Grösse ab. In grossen Agglomerationszentren beträgt sie im Schnitt 73 Prozent, in mittleren 33. Das kann pro Kopf oftmals 1000 bis 2000 Franken ausmachen. In kleinen Zentren liegt der Wert bei 9 Prozent.

Kostentreiber Soziales

Nicht alle Bereiche sind gleich betroffen. Besonders signifikant ist die Mehrbelastung eines städtischen Zentrums gegenüber dem Umland laut einer neuen Grundlagenstudie des Bundes in den Bereichen soziale Sicherheit (inklusive Asylwesen), öffentliche Ordnung und Sicherheit sowie Kultur, Freizeit und Sport. Damit bestätigt sich der Befund einer ersten Untersuchung dieser Art, die vor zehn Jahren durchgeführt worden ist. Die Mehrbelastung der Zentren gegenüber dem Umland ist in diesem Zeitraum im Durchschnitt mit 44 Prozent gleich hoch geblieben. Deutlich an Gewicht zugelegt hat in den grossen Städten aber der Sektor soziale Sicherheit. Die Differenz zwischen Zentrum und Umland ist hier generell am grössten.

Steuerkraft allein reicht nicht

Die finanzielle Belastung der Städte ist zwar überdurchschnittlich – das ist aber auch ihre Steuerkraft. Diese reicht laut den Verfassern jedoch nur zum Teil aus, um den Mehraufwand zu decken, «so dass höhere Steuerbelastungen nötig sind». Ausgeprägt in den Zentren kleiner Agglomerationen (10 bis 13 Prozent über dem durchschnittlichen Steuersatz eines Kantons), geringer in grossen Städten (plus 2 bis 4 Prozent). Praktisch keine Abweichungen vom durchschnittlichen Steuerfuss fanden sich in mittleren Zentren.

Unter dem Strich orten die Autoren Handlungsbedarf. Die Herausforderung einer effizienten und fairen Finanzierung von Zentrumsaufgaben bestehe weiter. Entsprechende Regelungen seien für die Entwicklung der Städte und «für die Schweiz insgesamt bedeutsam». Angesichts der unterschiedlichen Ausgangslage je nach Agglomeration empfehlen die Experten aber, «spezifische Lösungen» anzustreben.

Auch die Daten aus Ostschweizer Städten sind in der Grundlagenstudie berücksichtigt worden: St. Gallen und Wil im Segment mittlere Agglomerationen und als kleine Agglomerationen Amriswil-Romanshorn, Buchs (SG), Frauenfeld, Heerbrugg-Altstätten, Kreuzlingen und Rapperswil-Jona-Rüti.

Aktuelle Nachrichten