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Frauenwahljahr: Die Frauen drängen ins Bundeshaus

Bei den nationalen Wahlen im Herbst dürften so viele Frauen kandidieren wie noch nie. Darauf deuten die ersten definitiven Wahllisten aus drei Kantonen hin.
Maja Briner
Eine Frau protestiert Mitte Juni am Frauenstreik vor dem Bundeshaus in Bern (Bild: Keystone).

Eine Frau protestiert Mitte Juni am Frauenstreik vor dem Bundeshaus in Bern (Bild: Keystone).

Der Frauenstreik, die Wahl von zwei Bundesrätinnen, die MeToo-Debatte: Der Druck auf die Parteien, mehr Frauen für die National-und Ständeratswahlen zu nominieren, ist in den vergangenen Monaten gestiegen. Und das hat Folgen, wie sich in den drei Kantonen zeigt, in denen die Parteien ihre Listen bereits einreichen mussten. In allen drei ist der Frauenanteil im Kandidatenfeld gestiegen:

  • Im Kanton Bern sind 42,1 Prozent der Kandidierenden Frauen. Bei den letzten Nationalratswahlen waren es 37,4 Prozent gewesen.
  • In Graubünden stieg der Frauenanteil im Vergleich zu den letzten Wahlen von 32,9 auf 35,0 Prozent.
  • Im Aargau stieg der Frauenanteil im Vergleich zu den letzten Wahlen von 36,5 auf 37,7 Prozent.

Der Anstieg ist umso bemerkenswerter, als überall mehr Personen kandidieren. In absoluten Zahlen ist der Anstieg daher noch deutlicher: In den drei Kantonen haben zusammengezählt über 150 Frauen mehr ihre Kandidatur angemeldet als vor vier Jahren.

Trend zu höherem Frauenanteil

Die drei Kantone sind keine Einzelfälle. Die Frauenorganisation Alliance F hat schweizweit alle Hauptlisten ausgewertet, die bisher vorliegen – auch jene, die noch nicht eingereicht worden sind. Co-Präsidentin und GLP-Nationalrätin Kathrin Bertschy sagt: «Wir sehen einen Trend hin zu einem höheren Frauenanteil.»

Nicht in allen Kantonen steige der Frauenanteil gleich. In zahlreichen Kantonen zeichne sich aber ab, dass die Frauen auf den Hauptlisten die 40-Prozent-Marke knacken, darunter etwa in den beiden Basel, in Luzern, Thurgau und Waadt. Bertschy sagt: «Das zeigt: Wenn man wirklich will und rechtzeitig Aufbauarbeit leistet, dann geht es.» Zum Vergleich: In den vergangenen zwei Jahrzehnten lag der Frauenanteil schweizweit jeweils bei rund 35 Prozent.

Alliance F hat vergangenen Herbst zusammen mit Operation Libero die Kampagne «Helvetia ruft» lanciert. Nun sagt Bertschy: Gewisse Kantonalparteien hätten sich grosse Mühe gegeben, um ausgeglichene Listen präsentieren zu können, andere hingegen nicht. Insgesamt sei der Trend aber erfreulich.

«Der Schwung kommt zurück»

Bei den letzten nationalen Wahlen fiel die Bilanz zwiespältig aus: Der Frauenanteil im Nationalrat stieg auf 32 Prozent, im Ständerat hingegen sank er auf 15,2 Prozent. Der Politologe Werner Seitz schrieb dazu: Der Schwung, mit dem die Frauen vor allem in den Neunzigerjahren Einsitz in die politischen Institutionen nahmen, sei weg.

Dass in Bern, Aargau und Graubünden nun mehr Frauen kandidieren, freut die Präsidentin der Eidgenössischen Kommission für Frauenfragen, kurz EKF. «Das ist ganz grundsätzlich ein Erfolg», sagt Yvonne Schärli. «Der Schwung kommt zurück.»

Die Kampagne «Helvetia ruft», der Frauenstreik, die MeToo-Debatte – all das habe dazu beigetragen, den Druck auf die Parteien zu erhöhen, sagt Schärli. Wichtig sei auch die Bundesrätinnenwahl gewesen: «Dass die CVP zwei Frauen portiert hat, war eine klare Botschaft.» Die CVP schickte vergangenen Dezember Viola Amherd und Heidi Z’Graggen ins Rennen. Gewählt wurden schliesslich mit Karin Keller-Sutter (FDP) und Amherd zum ersten Mal zwei Bundesrätinnen auf einmal.

Die Eidgenössische Kommission für Frauenfragen hat bereits im März vor einem Jahr die Kampagne «halbe-halbe» für mehr Frauen in der Politik lanciert und dafür auch Gespräche mit den Parteispitzen geführt. «Wir haben gespürt, dass die Parteien sich bewusst sind, dass bei diesem Thema etwas gehen muss», sagt Schärli. Die Bereitschaft sei vorhanden, den Frauenanteil zu erhöhen.

Wie stehen die Chancen?

Die EKF will die Listen noch genauer analysieren lassen, sobald sie aus allen Kantonen vorliegen. Denn: Wie gross die Chancen der Kandidatinnen sind, gewählt zu werden, hängt insbesondere davon ab, auf welchen Listenplätzen sie kandidieren – und ob bisherige Nationalräte oder andere Schwergewichte ihnen vor der Sonne stehen. «Frauen werden gewählt, wenn ihnen nicht langjährige, bekannte Politiker im Weg stehen», sagt Schärli.

Auch Alliance F will die Listen noch genauer unter die Lupe nehmen – nicht dass Parteien mit ihrem Frauenanteil prahlen, die Kandidatinnen aber auf aussichtslose Listenplätze setzen.

«Können uns nicht ausruhen»

Trotz der vielen Kandidatinnen: Grosse Sprünge beim Frauenanteil im Parlament erwartet Bertschy nicht. «Es werden kleine Schritte sein», sagt sie. Ein Erfolg wäre aus ihrer Sicht, wenn unter den Neu-Gewählten im Nationalrat der Frauenanteil 50 Prozent betragen würde.

Als «verheerend» bezeichnet Bertschy die Ausgangslage im Ständerat, wo aktuell nur sechs Frauen sitzen. Es sei daher sehr erfreulich, dass viele Frauen kandidieren. Von einem ausgeglichenen Geschlechterverhältnis sei man aber noch sehr weit entfernt. «Wir können uns noch lange nicht ausruhen», sagt die Co-Präsidentin von Alliance F. In den nächsten zwanzig Jahren müsse man weiterhin darauf pochen, dass mehr Frauen kandidieren – und zwar auf chancenreichen Plätzen.

Dass der Frauenanteil durchaus sprunghaft steigen kann, zeigte sich zuletzt bei den kantonalen Wahlen in Luzern: Um fünf Prozentpunkte legte der Anteil zu. Bei den Nationalratswahlen portieren die Luzerner Parteien nun schweizweit am meisten Frauen, wie die Luzerner Zeitung berichtete.

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