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Die FDP setzt auf bei den Wahlen auf Frauenlisten - was bringen sie?

Lange waren sie verpönt, jetzt setzt ausgerechnet die FDP auf separate Listen. Und nicht nur sie. Die Erfolgsquote geschlechtergetrennter Listen ist allerdings nicht grösser als jene von gemischten.
Sven Altermatt
Christa Markwalder, Berner FDP-Nationalrätin, schaffte 2003 auf einer Frauenliste den Sprung in den Nationalrat. (KEY/Peter Klaunzer)

Christa Markwalder, Berner FDP-Nationalrätin, schaffte 2003 auf einer Frauenliste den Sprung in den Nationalrat. (KEY/Peter Klaunzer)

Der Slogan ist in die Geschichtsbücher eingegangen: «Die Freisinnigen haben die Frauen gern.» So warb die FDP im Jahr 1971 um die Gunst der weiblichen Bevölkerung, die nun endlich wählen und abstimmen durfte. Aus zeitgenössischer Perspektive hat der Werbespruch eine bevormundende Note. Doch bis heute ringen die Parteien um die Frage, wie eine ausgewogenere Geschlechtervertretung erreicht werden kann. Welches Sprungbrett bekommen Politikerinnen für die Wahlen im Herbst? Die FDP setzt gleich in mehreren Kantonen auf ein Instrument, das in der Partei lange verpönt war: auf separate Frauenlisten.

Erst in vier Kantonen ist die FDP überhaupt je mit geschlechtergetrennten Listen für den Nationalrat angetreten. In den Jahren 1987 und 1991 in Solothurn, 1999 und 2003 in Bern, ebenfalls 2003 in Neuenburg und 2007 in Schwyz. Nur in Bern schafften zwei Politikerinnen auf den separaten Listen den Sprung in die grosse Kammer; zuletzt Christa Markwalder im Jahr 2003. Sie sitzt bis heute im Nationalrat, zog später aber stets via Hauptliste in den Nationalrat ein. Während zwölf Jahren setzten die Freisinnigen das Instrument überhaupt nicht mehr ein. Separate Frauenlisten bergen Risiken, erklärten die FDP-Frauen noch 2007. Andere Massnahmen wie gute Plätze auf der Hauptliste eigneten sich besser, um den Frauenanteil gezielt zu stärken.

Premieren in Luzern und St. Gallen

Tempi passati. Bei diesen Wahlen sind Frauenlisten bei der FDP hoch im Kurs. In Luzern gibt es erstmals überhaupt im bürgerlichen Lager eine Liste ausschliesslich mit Politikerinnen, darauf finden sich profilierte Kantonsrätinnen. Die Luzerner FDP-Frauen-Präsidentin Karin Ruckli spricht von einem «klaren Zeichen, dass es in der FDP viele engagierte Frauen gibt, welche politisch mitgestalten wollen». Ähnlich tönt es in St. Gallen, wo die Freisinnigen ebenfalls zum ersten Mal eine Frauenliste präsentieren. Und im Thurgau heisst es, man wolle den Frauen mit einer separaten Liste eine zusätzliche Bühne bieten. Alles in allem kandidieren dort acht Frauen und vier Männer für die Freisinnigen. Auf der Stammliste bilden die Kandidaten wie in St. Gallen allerdings eine deutliche Mehrheit, während immerhin in Luzern selbst auf dieser mehr Kandidatinnen antreten.

Der Haken ist: Die Frauenlisten sind jeweils Unterlisten, und deren Kandidierende haben üblicherweise nur geringe Wahlchancen. In St. Gallen etwa sind die drei aussichtsreichsten Kandidatinnen auf der Stammliste aufgeführt.

Werden die Bewerberinnen auf den Frauenlisten also zu Wasserträgerinnen degradiert? Von einer Alibiübung wollen die Freisinnigen nichts wissen. Es gehe darum, längerfristig mehr Frauen in die Politik zu holen, erklärte Fabienne Bünzli von den FDP-Frauen dem «St. Galler Tagblatt». «Wir denken nicht in Legislaturen, sondern darüber hinaus.»

Durchzogene Bilanz

Was bringen geschlechtergetrennte Listen? Der Politologe Werner Seitz hat sich grundsätzlich mit dieser Frage auseinandergesetzt. Sie könne nicht «ein für alle Mal für alle Parteien beantwortet werden», schreibt er in einem Aufsatz, den die Wissenschaftsplattform «DeFacto» veröffentlicht hat. «Es gibt keine Wunderwaffe auf dem Weg ins Parlament.» Grundsätzlich lasse sich feststellen, dass die Erfolgsquote nicht grösser ist als bei gemischten Wahllisten. Seitz ortet regionale und parteipolitische Unterschiede.

Zwischen 1987 und 2015 trat die SP schweizweit 26-mal mit getrennten Listen an – ein absoluter Spitzenwert. Dabei wurden insgesamt 37 Frauen und 58 Männer gewählt, zeigt die Analyse von Seitz. Die weiteren bürgerlichen Parteien setzten das Instrument ähnlich selten ein wie die FDP: SVP und CVP je sechsmal. Zwei Drittel der Frauenlisten der Bürgerlichen gingen leer aus, nur deren fünf erzielten Mandatsgewinne. Bei den Grünen, die viermal auf Listen-Paare setzten, waren die Frauen immer wieder auf den Hauptlisten in der Mehrzahl.

Einen Sonderfall stellt die SP des Kantons Bern dar. Geschlechtergetrennte Wahllisten seien bei ihr quasi zu einem «Erkennungsmerkmal» geworden, wie es Experte Seitz formuliert. 1987 verhalf eine separate Liste den SP-Frauen erstmals zu zwei Nationalratssitzen. Seit 1999 schickt die Berner Kantonalpartei jeweils gleich viele Frauen und Männer in die grosse Kammer, aktuell sind es je drei.

Und in diesem Jahr? Noch haben nicht alle Parteien ihre Listen gebildet, der Trend zeigt jedoch nach oben. Bereits bekannt ist: Neben den drei FDP-Frauenlisten und jener der Berner Souzialdemokraten gibt es je eine von CVP und SP in Zug, eine von der SVP im Wallis und eine von der EVP in Zürich.

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