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Er beschäftigte sich über Jahrzehnte mit menschlichen Abgründen: Frank Urbaniok gibt Chefposten ab

Der bekannteste Gerichtspsychiater der Schweiz, Frank Urbaniok, ist schwer krank. Er verlässt deshalb das Zürcher Amt für Justizvollzug.
Maja Briner
Frank Urbaniok gab den Medien oft Auskunft - und das in einer Art, die auch für Laien verständlich ist. (Bild: Walter Bieri/Keystone)

Frank Urbaniok gab den Medien oft Auskunft - und das in einer Art, die auch für Laien verständlich ist. (Bild: Walter Bieri/Keystone)

Nein, er sei nicht fasziniert vom Bösen, sagte Frank Urbaniok einmal. Seit Jahrzehnten beschäftigt er sich mit menschlichen Abgründen, mit Gewalt- und Sexualstraftätern. Er erstellte etwa ein Gutachten zur Frau, die an Weihnachten 2015 in Flaach ihre Kinder tötete. Zwei Jahrzehnte lang leitete er den Psychiatrisch-Psychologischen Dienst des Zürcher Amts für Justizvollzug, der für Therapie und Risikoeinschätzung von Straftätern zuständig ist. Nun muss der 55-Jährige den Job aufgeben, wie der Kanton Zürich gestern mitteilte. Urbaniok leidet an Krebs und hat bereits mehrere Operationen hinter sich.

In der Öffentlichkeit ist der deutsch-schweizerische Doppelbürger durch seine zahlreichen Medienauftritte bekannt geworden. Der Gerichtspsychiater, Gutachter und Therapeut gab oft Auskunft – und das in einer Art, die für Laien verständlich ist.

Prägend, aber nicht unumstritten

Bei seiner Arbeit rückte Urba­niok das Rückfallrisiko ins Zentrum. Er entwickelte ein Instrument, um die Gefährlichkeit und Rückfallgefahr von Straftätern zu ­beurteilen: das Computerprogramm Fotres, das anhand von Hunderten Kriterien eine Risikoanalyse erstellt. Die Methode ist allerdings umstritten, der Zürcher Psychiater Mario Gmür etwa kritisierte sie wiederholt.

Auch in der Therapie setzte Urbaniok neue Akzente. Viele Therapeuten seien früher der Meinung gewesen, «man müsse mit Gewalt- und Sexualtätern über ihre Mutter reden», sagte er einmal im Interview. «Ich setzte mich mit meinem Team dafür ein, mit den Tätern über ihr ­Delikt zu reden.» Urbaniok wies auch darauf hin, dass es gefährliche Täter gibt, die nicht therapierbar sind – und vor denen die Gesellschaft geschützt werden müsse. Das trug ihm den Ruf eines Hardliners ein.

Vergangenes Jahr erhielt Urbaniok von der Schweizerischen Gesellschaft für Rechtspsychologie einen Preis für sein Lebenswerk. Präsidentin Leena Hässig-Ramming sagte in ihrer Laudatio, Urbaniok habe die Forensische Psychiatrie in der Schweiz «in den letzten zwanzig Jahren geprägt wie kaum ein Zweiter vor ihm».

Sein Verdienst sei es, dass er Konzepte entwickelt hat, um die Risikoprognose zu erfassen und die Arbeit zwischen Therapeuten und Justiz zu instrumentalisieren, sagte Hässig-Ramming gestern. «Sein noch grösseres Verdienst ist aber die Anerkennung der Täterarbeit.» Früher sei die therapeutische Arbeit mit Tätern verpönt gewesen. Urbaniok habe hier zu einem Wendepunkt beigetragen: Er konnte erklären, dass Täterarbeit wichtig ist, um neue Taten – und damit weitere Opfer – zu verhindern.

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