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Flugbeschränkung für Beamte und Politiker gefordert

Paris, Brüssel und London sind mit dem Zug in weniger als acht Stunden erreichbar. Bundesbeamte und Parlamentarier sollen diese und weitere Destinationen künftig nicht mehr mit dem Flugzeug ansteuern dürfen, fordert ein Nationalrat der Grünen.
Barbara Inglin
Der kluge Parlamentarier soll im Zug fahren. (Bild: Getty)

Der kluge Parlamentarier soll im Zug fahren. (Bild: Getty)

Parlamentarier und Bundesan­gestellte sollen ihren Teil zum Klimaschutz beitragen – und vermehrt mit dem Zug statt mit dem Flugzeug zu Treffen im Ausland reisen. Dies fordert der ­Luzerner Grünen-Nationalrat Michael Töngi in zwei eben eingereichten Vorstössen. Konkret soll für Destinationen, die innert acht Stunden per Bahn erreichbar sind, ein Zug-Obligatorium gelten. «Parlamentarierinnen und Parlamentarier, die es eiliger ­haben, sollen selber für die Flugkosten aufkommen», heisst es im Vorstoss. Verbindliche Vorschriften gibt es heute keine. Bundesangestellten wird in einem Infoblatt lediglich empfohlen, für fünf- bis sechsstündige Reisezeiten die Bahn zu wählen.

In der Acht-Stunden-Zone liegen sowohl Paris als auch London und der EU-Hauptsitz in Brüssel. Für die Reise nach Paris, die im Zug vier Stunden dauert, setzen die Beamten des Bundes bereits heute meist auf die Bahn, wie eine Auswertung des Onlineportals Watson zeigt. Bei den ­Flügen nach Paris handelt es sich zudem häufig um Zwischenstopps mit anderem Endziel.

Etwas länger dauert die Zugfahrt mit mindestens 6 Stunden und 11 Minuten nach Brüssel, und knapp 8 Stunden nach London. Das ist zu lange für die meisten Beamten. Die beiden Destinationen werden fast ausschliesslich per Flugzeug angesteuert.

Mehrkosten und Mehraufwand

Für Töngi ist klar, dass es hier ein Umdenken braucht. Bundesbern müsse seinen Teil zum Klimaschutz beitragen, statt nur darüber zu debattieren. Dass die Anreise per Bahn zeitaufwendiger und meist auch teurer ist, stellt der Nationalrat nicht in Abrede. Der Zeiteinwand sei aber zu relativieren. «Erstens kommen zur effektiven Flugzeit häufig noch lange Wartezeiten und die An- und Abreise zum Flughafen hinzu. Und zweitens kann man eine Zugfahrt wunderbar zum Arbeiten nutzen, sei es zum Aktenstudium, Telefonieren oder dem Schreiben eines Textes.» Zu den Mehrkosten sagt Töngi: «Bei Flugreisen spart der Bund auf Kosten des Klimas, das können wir nicht akzeptieren.»

Auslöser für die beiden Vorstösse war neben der aktuellen Klimafrage eine umstrittene ­Parlamentarier-Reise von Mitte Februar nach Berlin. Mitglieder der Verkehrskommission besprachen dort mit deutschen Parlamentariern «die zentrale Rolle der Eisenbahn bei der Bewältigung des Verkehrswachstums und der gleichzeitigen Reduktion der Emissionen». Dem hehren Ziel zum Trotz flogen zwölf der Teilnehmer nach Berlin, nur ein einziger reiste mit dem Zug an, wie der «Sonntags-Blick» aufdeckte. Allgemeine Zahlen zur Reisefreudigkeit der Parlamentarier im Ausland fehlen bis anhin. Ab der kommenden Legislatur wird ein entsprechendes Register geführt.

Im Kanton Genf waren die Grünen mit einem ähnlichen Vorstoss bereits erfolgreich. Der Grosse Rat hat vor kurzem einer Flugbeschränkung zugestimmt. Angestellte der kantonalen Verwaltung dürften künftig nur für Dienstreisen über 1200 Kilometer (einfache Fahrt) aufs Flugzeug setzen. Dasselbe gilt auch für Schulreisen der Oberstufen. Töngi rechnet sich auch auf nationaler Ebene Chancen aus für sein Anliegen. «Ich hoffe schon, dass es meinen Parlamentskolleginnen und -kollegen zu denken gibt, wenn sogar Destinationen wie das sehr gut erreichbare Frankfurt häufig angeflogen werden.»

Töngi selbst ist im Übrigen noch nie auf Staatskosten geflogen. Und auch privat erst ein einziges Mal – zu einer Konferenz in Mazedonien, wie er sagt.

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