Fluchthelferin verurteilt

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Justiz Für den Strafrichter in Bellinzona war der Fall klar: Lisa Bosia Mirra, die Tessiner Flüchtlingshelferin, hat mit ihrem ­Verhalten im Sommer 2016 das Gesetz nicht beachtet. Die SP-Grossrätin und Sozialarbeiterin hat die rechtswidrige Ein- und Ausreise sowie den Aufenthalt von Ausländern gefördert, indem sie minderjährige Migranten, ohne Ausweise, vom Flüchtlingscamp in Como ins Tessin lotste, bei sich beherbergte und dann ein Zugticket schenkte, um nach Deutschland gelangen zu können. Der Richter bestätigte gestern vollumfänglich den Strafbefehl der Staatsanwaltschaft, wonach die Beschuldigte mit einer Geldstrafe von 80 Tagsätzen à 110 Franken sowie einer Busse von 1000 Franken zu belegen sei, bedingt ausgesetzt auf zwei Jahre. Lisa Bosia hatte gegen den Strafbefehl Rekurs eingereicht.

Richter anerkennt die hehren Motive

Vor einer Woche hatte die Flüchtlingshelferin vor Gericht ausgeführt, warum sie 24 Flüchtlingen geholfen hatte. Das Elend im Flüchtlingscamp in Como sei gewaltig gewesen. Sie habe keine andere Chance gesehen, diesen Geschöpfen zu helfen. Der Richter anerkannte die hehren Motive der Beschuldigten und ihr soziales Engagement. Gleichwohl sei das Gesetz eindeutig verletzt worden. Bosia könne sich nicht darauf berufen, dass dieses unrecht sei. Denn mit dieser Argumentation könnten je nach Sachverhalt auch andere Straftaten ­legitimiert werden.

Lisa Bosia und Vertreter von Flüchtlingsorganisationen zeigten sich nach der Urteilseröffnung enttäuscht. «Ich habe zumindest darauf gehofft, dass das Strafmass leicht reduziert wird», sagte Lisa Bosia. Sie wird wahrscheinlich vor dem Appellationsgericht rekurrieren. Erst im Fall eines definitiven Schuldspruchs will sie von ihrem Amt als Grossrätin zurücktreten. (lob)