«Fleisch ist ein Genussmittel»

Er habe nichts gegen Vegetarier, sagt Rolf Büttiker, Präsident des Fleisch-Fachverbands. Die Forderung nach fleischlosen Uni-Mensen aber bringt den alt Ständerat auf die Palme.

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Rolf Büttiker Präsident Fleisch-Fachverband (Bild: Quelle)

Rolf Büttiker Präsident Fleisch-Fachverband (Bild: Quelle)

Herr Büttiker, essen Sie jeden Tag Fleisch?

Rolf Büttiker: Ja, jeden Tag.

Was gab es denn am Mittwoch zu Mittag?

Büttiker: Da habe ich ein Kalbs-Cordon-bleu gegessen in der «Krone» in Lenzburg.

Jeden Tag Fleisch auf dem Teller: Wird man da nicht fleischmüde?

Büttiker: Nein, Fleisch ist ein Genuss und ein wichtiges Nahrungsmittel. Es ist ein wirtschaftlicher Faktor und in bezug auf verschiedene Stoffe auch ein wichtiger Gesundheitsfaktor.

Dass beim Verbandspräsidenten täglich Fleisch auf den Teller kommt, kann nicht überraschen. Studenten der Uni Basel wollten es umgekehrt vom Menuplan verbannen. Das wird Ihnen nicht gefallen.

Büttiker: Ich bin ein liberaler Mensch. Nach liberaler Auffassung kann jeder Mensch selber entscheiden, ob er Fleisch essen will oder nicht. Das ist auch richtig so. Ich bin natürlich gegen ein Verbot in Mensen oder wo auch immer. Vielmehr sollen die Menschen die Wahlmöglichkeit haben. Das ist für mich der entscheidende Punkt. Dann kann man aber nicht mit einem Verbot auffahren.

Sie sind für leben und leben lassen?

Büttiker: Von mir hören Sie kein Wort gegen jene, die kein Fleisch essen. Aber die Wahlfreiheit muss in jedem Fall gewahrt sein. Wenn jemand sagt: Ich bin Vegetarier, und weil ich das bin, müssen es die anderen auch sein – so wie es an der Uni Basel propagiert wurde –, dann ist das inakzeptabel. Die Reaktion unseres Verbandes war entsprechend. Verbote haben keinen Platz.

Im Basler Fleischstreit zeichnet sich ein Kompromiss ab: Jeden Tag mindestens ein veganes Menu, Fleischgerichte sollen teurer werden. Würden Sie das mittragen?

Büttiker: Das kann ich unterschreiben, ja.

Fleischlos essen liegt im Trend.

Büttiker: Das macht uns Sorgen. Aber wenn ich die realen Zahlen des Fleischkonsums ansehe, zeigt sich ein anderes Bild. 2011 hat der Konsum in der Schweiz pro Kopf zugenommen.

Gibt es Unterschiede zwischen den Altersklassen?

Büttiker: Das haben wir nicht näher angeschaut. Aber die Gegner des Fleischessens sind sicher nicht in der Mehrheit. Wir machen natürlich auch Werbung für uns, weil wir die Fleischwirtschaft als wichtigen Wirtschaftsfaktor in der Schweiz ansehen, weil sie für Arbeitsplätze und Lehrstellen sorgt, weil Fleisch ein Genussmittel ist. Und weil zu einem schönen, romantischen Essen eben auch ein Stück Fleisch gehört.

Kann man weiterhin mit gutem Gewissen Fleisch essen?

Büttiker: Ja. Meine Grossmutter hat aber jeweils gesagt: Allzu viel ist ungesund. Deshalb mit Mass geniessen. Und ich bin sicher, dass der grösste Teil der Bevölkerung dies auch so sieht. Es gibt keinen Grund, Gebote und Verbote aufzufahren und die Leute zu bevormunden. Das würden wir mit Entschiedenheit bekämpfen.

Die Tierzucht gilt als Ressourcenverschwendung und als Mitverursacher der Klimaerwärmung. Die Fleischbranche hat ein Imageproblem.

Büttiker: Ja, in gewissen Kreisen. Es gibt aber noch ganz andere Faktoren bei der sogenannten Klimaerwärmung. Wir stehen weiterhin dafür ein, dass bei der Fleischproduktion auf Tier- und Umweltschutz geachtet wird. Ein Fleisch- oder Tierhalteverbot wäre in jeder Hinsicht unverhältnismässig.

Bilder aus Schlachthöfen sind nichts für zarte Gemüter, Tiertransporte geraten immer wieder in die Schlagzeilen. Das Gewissen isst mit.

Büttiker: Die Schweiz ist beim Tierschutz einsame Spitze. Tiertransporte sind gesetzlich hervorragend und tierfreundlich geregelt. Eberhaltung und die Kastration wurden ebenfalls auf privater Basis mit viel Eigeninitiative und ohne den Staat gelöst. Jeder Metzger weiss, dass er ein Tier behutsam und sorgfältig schlachten muss. Denn das hat Einfluss auf die Fleischqualität.

Vegetarier gegen Fleischliebhaber: Die Positionen haben sich radikalisiert, der Ton hat sich verschärft. Weshalb?

Büttiker: Diese Intoleranz zeigt sich nicht nur beim Fleischessen. Sie wird auch bei Genussmitteln wie Rauchen oder Alkohol sichtbar, beim Autofahren und anderen Dingen. Wie gesagt: Das sollte der Freiheit des einzelnen überlassen bleiben. Stattdessen wird der eigene Standpunkt fundamentalistisch durchgesetzt. So kann das Nebeneinander nicht mehr funktionieren.

Interview: Christian Kamm

Schnitzel verbannen: Sollen Uni-Mensen fleischlos werden? (Bild: ky/Martin Rütschi)

Schnitzel verbannen: Sollen Uni-Mensen fleischlos werden? (Bild: ky/Martin Rütschi)

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